Das kochbúch der sabina welserin · Augsburg · 1553
Ist es ein ganzer Hirsch oder Reh, so zieht ihm die Haut ab und nehmt das Eingeweide heraus. Hängt das Tier in einen Keller, in den keine Luft kommen kann. Bestreicht es danach jeden Tag innen und außen mit Wein und legt Nesseln oder Minze mit hinein. Wascht ihr es mit Wein innen aus, so legt immer wieder frisches Kraut hinein, so bleibt es sehr lange haltbar.
Ist es aber nur ein Stück von einem Wildbret, so legt es in eine Mulde und breitet frische Nesseln und Minze darunter oder darüber, und bestreicht es täglich mit Wein.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| ain gantzer hirsch oder rech | Hirsch oder Reh, ganz | - | Wildhändler, Metzger | - |
| wein | Wein | - | - | - |
| nesslen | Brennnesseln | - | Wochenmarkt, Wald | - |
| deýmenten | Minze | - | - | - |
| frisch kraút | frisches Kraut | - | - | - |
Das Wort ist eine frühneuhochdeutsche Dialektform für Minze: Fischers Schwäbisches Wörterbuch und Pritzel-Jessens historisches Pflanzennamen-Lexikon belegen die Schreibungen 'Deyment' und 'Beyment' bei Leonhart Fuchs (1543) und Hieronymus Bock (1556) - beide zeitlich und räumlich nah am Kochbuch der Sabina Welserin. Im Rezept wird es wie Nesseln als frisches Kraut zum Einlegen des Fleisches verwendet.
Nein. Die Anleitung verlangt einen kühlen, luftlosen Keller und tägliches Bestreichen mit Wein über Tage oder Wochen, während ein ganzer Hirsch oder Reh am Haken hängt. Das lässt sich an einem Markttag weder zeigen noch sinnvoll nachvollziehen, weil kein servierbares Gericht dabei entsteht.
Ein flacher Holztrog, in dem ein einzelnes Stück Wildbret gelagert und mit Kräutern bedeckt wurde, wenn nicht das ganze Tier, sondern nur ein Teil davon aufbewahrt werden sollte.
Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch der Sabina Welserin“. Von der Verfasserin selbst 1553 datiertes Kochbuch aus dem Augsburger Patriziat - eines der wenigen frühneuzeitlichen deutschen Kochbücher, das eine Frau als Autorin nennt. Gloning zählt 205 Rezeptnummern, dazu sechs als Sub-Buchstaben gezählte Zweitschriften (1a, 2a, 3a, 7a, 136a, 137a), die im Codex an anderer Stelle stehen als ihre Originale. Handschrift: Augsburg, Staats- und Stadtbibliothek, 4° Cod 137 (XXI + 55 Bl., Register auf Bl. I-XXI, Rezepte ab Bl. 1r).
Wildbret, das Fleisch von Wildtieren wie Hirsch oder Reh.
Ein Holztrog oder eine Mulde, in der das Fleischstück gelagert wurde.
Brennnesseln wurden zum Auslegen und Einwickeln von Fleisch verwendet, vermutlich wegen ihrer konservierenden Wirkung.
Frühneuhochdeutsche Dialektform für Minze (vgl. 'Deyment'/'Beyment' bei Fischer und Pritzel-Jessen, belegt bei Leonhart Fuchs 1543 und Hieronymus Bock 1556). Siehe interpretive_choices für die Begründung.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| wein | wine Q282 |
| deýmenten | crisped mint Q61923338 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
deymenten
Gewählte Lesart: Gelesen als Minze (dial. Deyment/Beyment), weil das Wort im Text parallel zu Nesseln als frisches Kraut zum Einlegen und Auslegen des Wildbrets verwendet wird und in Fischers Schwäbischem Wörterbuch sowie bei Pritzel-Jessen unter denselben Schreibungen belegt ist, mit Quellenbelegen bei Leonhart Fuchs (1543) und Hieronymus Bock (1556) aus derselben Zeit und Region wie das Kochbuch.
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Stand dieser Fassung: 16.08.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.