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Aus der Schale gestürzte Eier

Das kochbúch der sabina welserin · Augsburg · 1553

VorspeiseVorspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 7/10
Zubereitungszeit10 Min.Portionen1-2 PersonenBuchDas Kochbuch der Sabina Welserin (~1553)

Öffne das Ei am spitzen Ende der Schale. Rühre Dotter und Eiweiß darin gut untereinander und würze mit ein wenig Salz. Wer mag, rührt auch ein wenig Ingwer darunter. Dann schütte den Inhalt in Schmalz: Das Ei fällt vollständig heraus, während die Schale ganz bleibt.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Ei - - -
saltz Salz - - -
jmber Ingwer (optional) - - -
schmaltz Schmalz - - Butterschmalz oder Pflanzenöl

Welches Gericht ist das? Kein Schaugericht mit wiederbefüllter Schale wie bei verwandten „Krause Eier“-Rezepten im Korpus, bei denen die gegarte Dottermasse zurück in die Schale gefüllt und am Spieß gebraten wird. Hier ist der Ablauf einfacher: Das im Inneren der Schale verquirlte Dotter-Eiweiß-Gemisch wird vollständig in Schmalz geschüttet und dort frei gebacken, die Schale bleibt leer und ganz. Was aus der Pfanne kommt, ist im Kern ein kleines, in Fett gebackenes verrührtes Ei ohne weitere Zutat außer Salz und optional Ingwer - näher am Rührei oder kleinen Omelett als am Spiegelei, weil Dotter und Eiweiß schon vor dem Braten vermischt werden.

Praxis. Das Ei am spitzen Ende vorsichtig anstechen und die Öffnung so weit erweitern, dass die verrührte Masse später restlos herauslaufen kann - ein reiner Nadelstich ist dafür meist zu klein, der Text selbst nennt aber keine genaue Lochgröße. Durch diese Öffnung Dotter und Eiweiß im Inneren der Schale gut verrühren, mit Salz und nach Belieben etwas Ingwer würzen. Den Inhalt dann in heißes Schmalz ausleeren; in der Pfanne braucht die kleine Eiermasse nur wenige Minuten, bis sie durchgestockt ist. Hitzegrad und Garzeit gibt der Text selbst nicht vor - hier zählt die Grundkochlogik für gebratenes Ei.

Wie funktioniert der Trick mit dem gestürzten Ei?

Man sticht ein kleines Loch in das spitze Ende der Eierschale und rührt Dotter und Eiweiß durch diese Öffnung im Inneren gut zusammen. Dann kippt man den ganzen Inhalt in heißes Schmalz, wo er zu einer kleinen, durchgehend gestockten Eierscheibe gart, während die Schale selbst unversehrt bleibt. Der Effekt war vermutlich ein kleiner Tafel-Scherz oder diente dazu, die leere, ganze Schale später wiederzuverwenden.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, Goldstandard. Es braucht nur eine Pfanne mit heißem Fett, ist in wenigen Minuten fertig und alle Zutaten sind bei Raumtemperatur unbedenklich - ideal für eine kurze Vorführung am Lagerfeuer.

Warum bleibt die Schale beim Ausleeren ganz?

Weil nur ein kleines Loch am spitzen Ende gestochen wird, durch das der komplette, zuvor im Inneren verrührte Eiinhalt herausfließen kann. Die übrige Schale bleibt dabei intakt und kann später wiederverwendet werden, zum Beispiel um sie neu zu befüllen.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch der Sabina Welserin“. Von der Verfasserin selbst 1553 datiertes Kochbuch aus dem Augsburger Patriziat - eines der wenigen frühneuzeitlichen deutschen Kochbücher, das eine Frau als Autorin nennt. Gloning zählt 205 Rezeptnummern, dazu sechs als Sub-Buchstaben gezählte Zweitschriften (1a, 2a, 3a, 7a, 136a, 137a), die im Codex an anderer Stelle stehen als ihre Originale. Handschrift: Augsburg, Staats- und Stadtbibliothek, 4° Cod 137 (XXI + 55 Bl., Register auf Bl. I-XXI, Rezepte ab Bl. 1r).

Gestirtzte air zu machen Thú das aý am spitz aúff vnnd rier den dotter vnnd das weisß vnnderainander, aúch ain wenig saltz/ ob dú wilt, magst ain wenig jmber daranrieren, darnach schits jn ain schmaltz, so felts als daraús vnnd bleibt die schal gantz.
gestirtzte

Von 'stürzen' (kippen, ausleeren) - das Ei wird aus der Schale gekippt, ohne die Schale zu zerbrechen.

am spitz

Das spitze Ende der Eierschale, wo man das Ei üblicherweise aufschlägt beziehungsweise hier ansticht.

schmaltz

Ausgelassenes Fett, meist Schweineschmalz, hier als Bratfett zum Ausgießen des Eiinhalts.

Handschrift
Das kochbúch der sabina welserin
Folio
Fol. 14 verso
Sprache
Frühneuhochdeutsch (ostschwäbisch/augsburgisch, Mitte 16. Jh.)
Entstehung
Augsburg, 1553

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

chicken egg Q15260613
saltztable salt Q11254
jmberginger Q15046077
schmaltzanimal fat Q1423543

Originalwerk (~1553) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 14 verso, Augsburg, Staats- und Stadtbibliothek, 4° Cod 137 (urn:nbn:de:bvb:37-dtl-0000005911)
Transkription
Uni Giessen (Gloning, Internet-Ausgabe nach Stopp 1980) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche · ⭐ Gold - vollständig lagerküchentauglich
In der Pfanne mit heißem Schmalz in wenigen Minuten fertig, Ei und Salz brauchen keine Kühlung. Der einzige Kniff ist das vorsichtige Anstechen der Schale am spitzen Ende, sonst zerbricht sie beim Ausleeren.
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Stand dieser Fassung: 18.08.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.