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Gebratene Brandteig-Küchlein

Das kochbúch der sabina welserin · Augsburg · 1553

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10
Zubereitungszeit30 Min.Portionen2-4 PersonenBuchDas Kochbuch der Sabina Welserin (~1553)

Nimm drei Löffel Mehl und einen Löffel kaltes Wasser und verrühre das Mehl in der Schüssel so, wie man es für Strauben tut.

Gib ein Stück Schmalz von der Größe einer großen Nuss dazu und lass es heiß werden. Schütte den Teig hinein und lass ihn gut trocken werden.

Nimm Eier, lege sie in warmes Wasser und schlage dann immer nur ein Ei auf einmal in den Teig. Arbeite ihn so lange durch, dass er fest genug wird und sich gerne auf einem Teller halten lässt.

Gib den Teig anschließend mit einem eisernen Löffel in die Pfanne und lass ihn langsam backen.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
3 leffel mit mell 3 Löffel Mehl 3 EL - -
ain kalt wasser 1 Löffel kaltes Wasser 1 EL Leitung -
ain schmaltz wie ain grosse núsß Schmalz, nussgroß - - Butterschmalz
air Eier - - -
ain warm wasser warmes Wasser, zum Anwärmen der Eier - Leitung -

Welches Gericht ist das? Ein früher Brandteig - dieselbe Grundtechnik wie beim heutigen Choux-Teig: Mehl wird mit Wasser und heißem Schmalz zu einer trockenen Masse verkocht, dann werden Eier einzeln eingearbeitet, bis der Teig fest und formbar ist. Anschließend wird er löffelweise in der Pfanne gebacken statt im Ofen - das rückt das Ergebnis näher an Nonnenfürzchen als an einen Windbeutel. Vier Zwillinge im Korpus (m5919-037, mha-140, mon-092, m725-021) belegen dieselbe Grundtechnik; m725-021 ist wie dieses Rezept ungesüßt.

Der Trockenschritt. Der Text sagt nur "mach jn woll trúcken" - mach ihn gut trocken. Ein festes Prüfkriterium wie das Ablösen vom Topfboden nennt das Rezept nicht; das ist ein Merkmal des modernen Choux-Lehrbuchs, hier aber nicht belegt. Küchentechnisch bewährt sich trotzdem dieselbe Idee: den Mehl-Wasser-Brei im heißen Schmalz unter Rühren so lange einkochen, bis überschüssige Feuchtigkeit verdampft ist und eine glatte, zusammenhängende Masse zurückbleibt.

Garzustand in der Pfanne. Auch für das Fertigbacken bleibt der Text offen - weder Zeit noch Farbe werden genannt, obwohl der Teig rohes Ei enthält. Eine Lesart, die "langsam bachen" nur als kurzes Anbräunen der Oberfläche verstünde, ließe den eihaltigen Kern roh; dafür gibt der Text selbst keinen Anhaltspunkt.

Praxis. Mehl und kaltes Wasser glatt verrühren, wie für Strauben-Teig. Nussgroßes Schmalz erhitzen, den Brei einschütten und trockenkochen. Eier in warmem Wasser vorwärmen und einzeln unterschlagen, bis der Teig fest genug ist, um auf einem Teller zu halten. Mit einem eisernen Löffel portionieren und in der Pfanne langsam ausbacken, bis die Küchlein rundum goldbraun und durchgehend fest sind - kein rohes Ei mehr sichtbar oder flüssig.

Was bedeutet 'Löffel' als Maßangabe im Rezept?

Ein Löffel war im 16. Jahrhundert ein grobes Hausmaß, ungefähr vergleichbar mit einem heutigen Esslöffel. Genaue Grammangaben gab es in bürgerlichen Kochbüchern dieser Zeit selten.

Was sind die im Text erwähnten 'Streiblein'?

Gemeint sind Strauben, eine gerührte, in heißem Fett gebackene Teigspeise. Sabina Welserin nutzt sie hier nur als Vergleich, um die gewünschte Konsistenz des Mehl-Wasser-Gemischs zu beschreiben.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Ja, Goldstandard. In Topf und Pfanne am offenen Feuer in unter 30 Minuten fertig, alle Zutaten sind robust und brauchen keine Kühlung.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch der Sabina Welserin“. Von der Verfasserin selbst 1553 datiertes Kochbuch aus dem Augsburger Patriziat - eines der wenigen frühneuzeitlichen deutschen Kochbücher, das eine Frau als Autorin nennt. Gloning zählt 205 Rezeptnummern, dazu sechs als Sub-Buchstaben gezählte Zweitschriften (1a, 2a, 3a, 7a, 136a, 137a), die im Codex an anderer Stelle stehen als ihre Originale. Handschrift: Augsburg, Staats- und Stadtbibliothek, 4° Cod 137 (XXI + 55 Bl., Register auf Bl. I-XXI, Rezepte ab Bl. 1r).

Briete kiechlen Nim 3 leffel mit mell vnnd ain kalt wasser, vertreib das mell wie zú den streiblen/ jn der tinne, thú ain schmaltz wie ain grosse núsß, lasß hais werden, schit den taig darein, mach jn woll trúcken, nim air, legs jn ain warm wasser vnnd schlag alweg nún ain aý darein vnnd mach jn, das er geren auf ainem teller bleib/ alsdan thú es mit ainem eisin leffel jn die pfannen vnnd lass es langsam bachen.
tinne

Schwäbisch-alemannisches Wort für eine flache Schüssel oder einen Napf, in dem der Teig angerührt wird. Im selben Buch (saw-101) erscheint die gleiche Lautform auch als Dialektwort für 'dünn'; hier im Rezept ist aufgrund der Präposition und des Kontexts aber die Gefäß-Lesart eindeutig.

streiblen

Verkleinerungsform von 'Strauben', einer gerührten Teigspeise, die in heißem Fett gebacken wird. Dient hier als Vergleich für die richtige Teigkonsistenz. Das Wort ist im selben Buch auch in saw-086 belegt und findet sich bei Birlinger als 'krumme streiblein'.

eisin leffel

Eiserner Löffel, mit dem der fertige Teig portionsweise in die heiße Pfanne gegeben wird.

Handschrift
Das kochbúch der sabina welserin
Folio
Fol. 34 verso
Sprache
Frühneuhochdeutsch (ostschwäbisch/augsburgisch, Mitte 16. Jh.)
Entstehung
Augsburg, 1553

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

airchicken egg Q15260613
ain warm wasserwater Q283

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartGarzustand beim Pfannenbacken

Gewählte Lesart: Der Text nennt für "lass es langsam bachen" weder Zeit noch Farbe. Für die Praxis empfiehlt sich, so lange langsam zu backen, bis die Küchlein rundum goldbraun und der eihaltige Kern durchgehend fest sind - kein rohes Ei mehr sichtbar oder flüssig.

Andere mögliche Lesart:

  • Eine Lesart, die "langsam bachen" nur als kurzes Anbräunen der Oberfläche versteht. - Würde den eihaltigen Kern roh lassen; der Text gibt dafür keinen Anhaltspunkt - reine Unterlesung der Leerstelle, keine belegte Alternative.

Originalwerk (~1553) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 34 verso, Augsburg, Staats- und Stadtbibliothek, 4° Cod 137 (urn:nbn:de:bvb:37-dtl-0000005911)
Transkription
Uni Giessen (Gloning, Internet-Ausgabe nach Stopp 1980) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
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Stand dieser Fassung: 27.08.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.