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Fladen aus Eiermilch und Rosinen

Das kochbúch der sabina welserin · Augsburg · 1553

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10
Zubereitungszeit15 Min.Portionen2-4 PersonenBuchDas Kochbuch der Sabina Welserin (~1553)

Nimm eine Eiermilch, die gut gesiebt sei, und schlage noch einmal Eier und Rosinen hinein. Streiche die Masse auf den Boden und lass sie sanft backen.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
ain ormilch Eiermilch - - -
air Eier - - -
weinberlen Rosinen - - -

Welches Gericht ist das? Ein gebackener Ei-Milch-Fladen mit Rosinen: eine vorgekochte, durchgesiebte Eiermilch wird mit weiteren rohen Eiern und Rosinen angereichert, dünn auf den Boden gestrichen und sanft gebacken - der schlanke Bruder der aufwendigeren Eiertorten saw-104, saw-135 und saw-137a im selben Buch, die dasselbe Grundverfahren (Milch und Eier kochen, durchsieben, in die Pfanne, backen) mit Zucker und Rosenwasser ausführen.

Die Eiermilch als Basis. Der Text setzt eine 'ormilch' voraus, ohne ihre Herstellung zu beschreiben - vermutlich, weil sie als eigenständige Zubereitung bereits bekannt war (vgl. saw-135, wo Eier und Milch gemeinsam aufgekocht werden, bis sie andicken). Für dieses Rezept wird die fertige Eiermilch nur noch durchgesiebt und danach mit weiteren rohen Eiern und Rosinen angereichert.

Praxis. Das Sieben entfernt Klümpchen und sorgt für eine glatte Guss-Masse. Die zusätzlichen Eier liefern beim Backen die Bindung, die den dünn ausgestrichenen Guss zu einem festen Fladen stocken lässt. 'Sittig bachen' - also bei gemäßigter statt großer Hitze - ist hier keine stilistische Nebensache, sondern nötig: Ein dünner Eiguss braucht gleichmäßige Hitze von allen Seiten, um durchzustocken, bevor er außen verbrennt. Auf offener Flamme unter einer blanken Pfanne brennt der Boden eher an, bevor die Mitte fest wird; am ehesten gelingt das Nachkochen in einem gedeckten Topf oder einer Pfanne mit Glut auch auf dem Deckel, sonst braucht es echte Ofenhitze. Der Text nennt weder Gefäß noch Backdauer oder Garzustand - beides bleibt der eigenen Erfahrung überlassen.

Was ist 'ormilch' und woher bekomme ich sie?

'Ormilch' ist eine vorgekochte, durchgesiebte Eiermilch - Eier und Milch werden gemeinsam erhitzt, bis sie leicht andicken, und die Masse wird anschließend durch ein feines Sieb oder Tuch gestrichen. Du kannst sie selbst herstellen: Eier und Milch im Verhältnis 1:1 unter Rühren bei mäßiger Hitze leicht andicken lassen und danach durchsieben.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja. Milch, Eier und Rosinen sind gut lagerbar und transportierbar. Die Garmethode selbst braucht aber gleichmäßige, sanfte Hitze von allen Seiten: Auf offener Flamme unter einer blanken Pfanne brennt der Boden leicht an, bevor die Mitte stockt. Am Lagerfeuer gelingt das am ehesten in einem gedeckten Topf oder einer Pfanne mit Glut auch auf dem Deckel.

Was bedeutet 'sittig bachen'?

'Sittig bachen' bedeutet, den Fladen sanft und bei gemäßigter Hitze zu backen. Dies verhindert, dass er außen zu schnell bräunt, während er innen noch roh ist, und sorgt für eine gleichmäßige Garung.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch der Sabina Welserin“. Von der Verfasserin selbst 1553 datiertes Kochbuch aus dem Augsburger Patriziat - eines der wenigen frühneuzeitlichen deutschen Kochbücher, das eine Frau als Autorin nennt. Gloning zählt 205 Rezeptnummern, dazu sechs als Sub-Buchstaben gezählte Zweitschriften (1a, 2a, 3a, 7a, 136a, 137a), die im Codex an anderer Stelle stehen als ihre Originale. Handschrift: Augsburg, Staats- und Stadtbibliothek, 4° Cod 137 (XXI + 55 Bl., Register auf Bl. I-XXI, Rezepte ab Bl. 1r).

Ain fladen zú machen Nim ain ormilch, die woll aúßgesechnet seý, schlag wider air darein vnnd weinberlen, schlags aúff den boden, lasß sittig bachen.
ormilch

Eine 'Eiermilch': eine vorgekochte, durchgesiebte Ei-Milch-Mischung. Auch in saw-135 belegt ('lasß vnnderainander sieden wie ain ormilch'), gestützt durch 'or' als schwäbische Kurzform für Eier in saw-104 und saw-137a. Das 'wider' vor 'air darein' (noch einmal Eier hinein) ergibt nur Sinn, wenn die Eiermilch selbst bereits Eier enthält.

aúßgesechnet

Bedeutet ‚ausgesiebt‘ oder ‚abgeschöpft‘. Hier als ‚gesiebt‘ übersetzt, um eine glatte Konsistenz der Milch für den Fladen zu gewährleisten.

weinberlen

Ein Diminutiv von ‚Weinbeeren‘, also kleine Rosinen.

sittig bachen

Bedeutet ‚sanft‘ oder ‚gemäßigt backen‘, um ein gleichmäßiges Garen ohne Anbrennen zu ermöglichen.

fladen

Der Begriff ‚Fladen‘ bezeichnet in historischen Kochbüchern oft ein dünnes, flaches Gebäck, das eher einer Art Pfannkuchen oder einem dicken Omelett ähnelt als einem Hefeteigfladen.

Handschrift
Das kochbúch der sabina welserin
Folio
Fol. 38 recto
Sprache
Frühneuhochdeutsch (ostschwäbisch/augsburgisch, Mitte 16. Jh.)
Entstehung
Augsburg, 1553

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

airchicken egg Q15260613
weinberlenraisin Q13186

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartaúßgesechnet

Gewählte Lesart: Als 'gut gesiebt' übersetzt, um eine glatte Konsistenz der Milch für den Fladen zu gewährleisten.

Andere mögliche Lesart:

  • Als 'gut abgeschöpft' interpretiert. - Dies könnte sich auf das Abschöpfen von Rahm oder Verunreinigungen beziehen. 'Gesiebt' passt jedoch besser zur Vorbereitung einer glatten Backmasse.

Originalwerk (~1553) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 38 recto, Augsburg, Staats- und Stadtbibliothek, 4° Cod 137 (urn:nbn:de:bvb:37-dtl-0000005911)
Transkription
Uni Giessen (Gloning, Internet-Ausgabe nach Stopp 1980) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Milch, Eier und Rosinen sind gut lagerbar und transportierbar. Die Garmethode braucht aber gleichmäßige, sanfte Hitze von allen Seiten, damit die dünne Eiermilch stockt statt anzubrennen oder zu gerinnen - auf offener Flamme unter einer blanken Pfanne brennt der Boden leicht an, bevor die Mitte fest wird. Am ehesten gelingt es in einem gedeckten Topf oder einer Pfanne mit Glut auch auf dem Deckel, sonst braucht es echte Ofenhitze.
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Stand dieser Fassung: 31.08.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.