Ein künstlichs vnd nutzlichs Kochbuch, vormahlens nie so leicht Mann vnd Frawen personen von jnen selbst zülernen ... · Augsburg (Druckort); Autor aus Dillingen · 1545
Einen Rehbraten in der Fastenzeit zu machen.
Nimm Fischbrät, wie viel du willst, das groß sein soll. Entferne die Gräten und die Schuppen davon. Hacke das Brät ganz klein. Reibe eine Semmel darunter. Mache es zusammen mit einem nassen Messer auf einer Anrichte in der Gestalt eines Rehbratens. Stoße es an einen Spieß, so ist es bereit.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| viſch bꝛaͤt | Fischbrät | - | Metzger, gut sortierter Supermarkt | Fein gehacktes Fischfilet (z.B. Hecht, Karpfen) |
| ſemel | Semmel | - | - | Weißbrot |
Welches Gericht ist das? Eine Fischfarce - entgrätetes, entschupptes, ganz klein gehacktes Fischbrät, mit geriebener Semmel gebunden - wird von Hand mit einem nassen Messer auf der Anrichte zur Form eines Bratens gebracht und auf den Spieß gesteckt. Der Name des Gerichts bezieht sich dabei nicht auf ‚Räuchern‘ (Rauch), sondern ist eine ältere Schreibweise von Rehbraten: Das Gericht soll äußerlich wie ein Rehbraten (Wildbret) aussehen, obwohl nur Fisch darin steckt - eine klassische Fastenspeise, die eine begehrte, an Fasttagen verbotene Fleischsorte in erlaubter Fisch-Form nachbildet. Bestätigt wird diese Lesart durch mehrere Parallelrezepte in anderen zeitgenössischen Kochbüchern, die das fertige Gericht ausdrücklich ‚Rehbraten‘ nennen. Nahe Verwandte im heutigen Kochen sind am ehesten Fischbratlinge oder eine Fischwurst, nur zu einer länglichen Bratenform statt zu Klößen verarbeitet.
Die Vorlage schreibt an einer Stelle, was mit Gräten und Schuppen geschehen soll; die Buchstaben ‚th‘ und ‚ch‘ sehen sich in der gedruckten Schrift zum Verwechseln ähnlich, weshalb hier zuvor ein anderes Wort gelesen wurde. Gemeint ist eine Aufforderung, Gräten und Schuppen zu entfernen, wie auch mehrere Parallelrezepte bestätigen.
Praxis. Frischen, entgräteten und entschuppten Fisch (z.B. Hecht oder Karpfen) von Hand fein hacken, bis eine klebrige Masse entsteht, die Form hält. Eine Semmel sparsam darunterreiben - gerade genug, dass die Masse bindet, ohne den Fischgeschmack zu verdünnen. Mit nassem Messer auf einem Brett zu einer länglichen Bratenform bringen; Spieß und Oberfläche vorher dünn einfetten, damit die Masse nicht anklebt oder austrocknet. Über mittlerer Feuerhitze langsam rundum drehen, bis die Fischmasse durchgehend fest und undurchsichtig ist - die Vorlage nennt hierzu keine Zeit oder Temperatur.
Ja, gut geeignet. Die Zubereitung ist schnell und erfordert nur grundlegendes Equipment. Frischer Fisch sollte gekühlt mitgebracht oder morgens am Markt gekauft werden.
Der Name bezieht sich nicht auf ‚Räuchern‘, sondern ist eine ältere Schreibweise von ‚Rehbraten‘. Das Gericht soll äußerlich wie ein Rehbraten aussehen, obwohl es ganz aus Fisch besteht - eine typische Fastenspeise, die teures Wildbret in erlaubter Fisch-Form nachahmt. Es handelt sich um eine Fischfarce, die in die entsprechende Form gebracht wird.
Fischbrät ist fein gehacktes oder zerstoßenes Fischfleisch. Es dient als Basis für viele mittelalterliche Fischgerichte, ähnlich wie Hackfleisch für Fleischgerichte. Du kannst dafür frisches Fischfilet (z.B. Hecht, Karpfen oder Wels) sehr fein hacken oder durch einen Fleischwolf drehen.
Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch des Balthasar Staindl“ (Augsburg - Druckort). Das erste gedruckte Kochbuch dieser Sammlung, das sich ausdrücklich an Leute ohne Küchenmeister im Haus richtet: 1545 in Augsburg bei Hainrich Stainer erschienen, verfasst von Balthasar Staindl aus Dillingen. Acht Bücher mit 294 Rezepten - von Mandelspeisen über Fisch, Fleisch und Gebäck bis zu Suppen, dazu ein Anhang über Wein und Essig. Es lief so gut, dass bis 1596 neun Auflagen folgten, alle in Augsburg. Damit steht es neben dem Kochbuch der Sabina Welserin (1553) und dem der Maria Stenglerin (1554): dieselbe Stadt, dasselbe Jahrzehnt, aber ein bürgerlicher Haushalt statt eines Patrizierhauses.
Der Begriff bezieht sich nicht auf ‚Räuchern‘ (Rauch), sondern ist eine ältere Schreibweise von ‚Rehbraten‘: Das Gericht soll äußerlich wie ein Rehbraten (Wildbret) aussehen, obwohl es ganz aus Fisch besteht - eine Fastenspeise, die begehrtes Wildbret in erlaubter Fisch-Form nachahmt. Mehrere Parallelrezepte in anderen zeitgenössischen Kochbüchern nennen das fertige Gericht ausdrücklich ‚Rehbraten‘ und bestätigen diese Lesart. Es handelt sich um eine Fischfarce, die in die entsprechende Form gebracht wird.
Fein gehacktes oder zerstoßenes Fischfleisch, das als Basis für Pasteten oder Klöße dient.
Ein Weißbrot oder Brötchen, das hier gerieben als Bindemittel verwendet wird.
Die Buchstaben ‚th‘ und ‚ch‘ sehen sich in der gedruckten Schrift zum Verwechseln ähnlich. Richtig gelesen steht hier eine Aufforderung, Gräten und Schuppen zu entfernen - bestätigt durch mehrere Parallelrezepte in anderen Kochbüchern, die an derselben Stelle ‚tue die Gräten [...] davon‘ lesen.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| ſemel | white bread Q1501889 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
Garzeit/Garmethode am Spieß
Gewählte Lesart: Modern: langsam über mittlerer Feuerhitze rundum drehen, bis die Fischmasse durchgehend fest und undurchsichtig ist (Lebensmittelsicherheit bei rohem Fisch).
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 06.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.