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Galtrechel - Brotsauce zum Fisch

Tegernseer Wirtschaftsbüchlein (Speisenbuch) · Kloster Tegernsee, Bayern · 1460

LesartRekonstruktion aus ZutatenlisteGewürz / SauceGewürz / SauceLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 7/10BrotBrot / BackwerkHöfische KücheHofkücheVeganVegan
Zubereitungszeit20 Min.Portionen4 PersonenBuchTegernseer Speisenbuch (~1460)

Koche Wein mit geröstetem Weißbrot und Semmel auf, würze und treibe alles glatt durch ein Sieb zu einer sämigen Brotsauce. Sie wird über gekochten oder gebratenen Fisch gegeben - eine Variante der Bret-Sauce (galrätl).

Hinweis: Das Tegernseer Original ist nur knapp notiert (Mengen-/Listeneintrag); die Zubereitung ist hier nachkochbar rekonstruiert.

OriginalModernMengeWo kaufenAlternative
3 maß wein Weißwein 350 ml - -
5 semel, 5 prot geröstetes Weißbrot/Semmel 4 Scheiben - -
gewürz Ingwer, Pfeffer, Safran nach Geschmack - gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel -

Welches Gericht ist das? Eine sämige Brot-Wein-Sauce zum Fisch - das mittelalterliche Standard-Verfahren der brotgebundenen Sauce, lange vor der Mehlschwitze. Eine Schwester der englischen Galyntine (foc-134) und der Tegernseer Bret-Sauce (teg-045); im weiteren Sinn der Vorfahr unserer Brotsaucen.

Galtrechel / galrätl. Schreibvariante derselben Sauce, die im §3-Saucenteil als galrätl und im §12-Mengenteil als galtrechel an die visch erscheint. Die Wortfamilie (galrät/galredel) ist im Frühneuhochdeutschen auch als Gallert/Sülze belegt - hier meint sie aber die warme, gebundene Sauce, nicht ein Gelee.

Brotbindung. Geröstetes Weißbrot und Semmel werden im Wein aufgekocht und durchs Sieb glatt getrieben - das Brot ist das Bindemittel, das die Sauce sämig macht. Das Rösten gibt Farbe und Röstaroma.

Praxis. 4 Scheiben geröstetes Weißbrot/Semmel in ca. 350 ml Weißwein aufkochen, mit Ingwer, Pfeffer und etwas Safran würzen, 5-10 Minuten köcheln, bis das Brot zerfällt, dann durch ein Sieb glatt passieren (bei Bedarf etwas Wein nachgießen). Warm über gekochten oder gebratenen Fisch geben. Ohne Honig - weniger süß als die Bret-Sauce teg-045.

Unterschied zur Bret-Sauce (teg-045)?

Praktisch dasselbe Prinzip - „galtrechel" (§12) und „galrätl" (§3) sind Schreibvarianten derselben Brot-Wein-Fischsauce; die galtrechel kommt ohne Honig aus, ist also weniger süß.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Tegernseer Speisenbuch (1453-1534, Kloster Tegernsee, Bayern). Klösterliches Speisenbüchlein des Benediktiner-Klosters Tegernsee (BSB München, Cgm 8137). Das Speisenbuch (fol. 45r-85r) dokumentiert den Klosteralltag: welche Speisen zu Fastenzeiten und Festtagen aufzutischen waren. Typische bayerische Klosterküche - Fastengerichte, Fischspeisen, Milch- und Mehlspeisen. Datiert 1453-1534. Das Fischbüchlein (fol. 97r-109v) enthält Anweisungen zur Fischerei. Im CoReMA-Projekt (Uni Graz) als Manuskript M13 katalogisiert.

[§3/§12] galtrechel an die visch: 3 maß wein, 5 semel, 5 prot, gewürz.
galtrechel

Eine sämige Brot-Wein-Sauce zum Fisch - Schreibvariante zu „galrätl"/„galredel". Mit geröstetem Brot gebunden, durchs Sieb glatt getrieben.

Handschrift
Tegernseer Wirtschaftsbüchlein (Speisenbuch)
Folio
fol. 54r
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Ostmittelbairisch, 15./16. Jh.)
Entstehung
Kloster Tegernsee, Bayern, 1460

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesart

Originalwerk (~1460) gemeinfrei.

Bildquelle
Tegernseer Speisenbuch, BSB Cgm 8137, fol. 54r, §3 - Münchener Digitalisierungszentrum Quelle öffnen
Transkription
BSB Cgm 8137, §3 (galrätl) / §12 („galtrechel an die visch"). Lesung nach Faksimile fol. 54r; Edition Birlinger, Germania 9 (1864), S. 202/207. Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Am Topf gut machbar; Brot, Wein und Gewürze gut transportierbar. Passieren durchs Sieb genügt - kein Spezialgerät nötig.
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