Wien, Österr. Nationalbibl., Cod. 2897 · Wien, vermutlich Augustiner-Chorherrenstift St. Dorothea (Besitzvermerke 15. Jh. auf Bl. 1r, 15r, 28v, 54v, 91v) · 1450
Nimm Nüsse und bereite daraus eine Milch zu. Koche diese Nussmilch auf. Wenn du möchtest, schneide Brot hinein, so wie du es auch bei einer Mandelmilch tun würdest.
Ebenso kannst du diese Suppe auch gut aus Mohnsamen zubereiten.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| nusz | Nüsse | - | Supermarkt | - |
| prot | Brot | - | - | - |
| mahn | Mohnsamen | - | Supermarkt | - |
Welches Gericht ist das?
Eine Suppe aus einer als ‚Milch‘ bezeichneten Grundlage: Der Text lässt diese aus Nüssen herstellen und aufsieden. Brot darf man nach Belieben hineinschneiden, so wie bei einer Mandelmilch. Anschließend nennt er dieselbe Möglichkeit mit Mohn. Ob das Brot die Speise andickt oder einfach mitgegart wird, wird nicht erläutert. Die Berliner Parallelhandschrift B4-066 bewahrt denselben Ablauf; ihre Form ‚magen‘ wird durch W1s eindeutigeres ‚mahn‘ als Mohn verständlich.
Was bleibt offen?
Die Anweisung ‚mach daraus ein Milch‘ benennt nur das Ergebnis. Sie sagt nicht, wie die Nüsse oder der Mohn verarbeitet werden, welche Flüssigkeit verwendet wird, ob etwas durchgeschlagen oder abgeseiht wird und welche Mengen oder Konsistenz vorgesehen sind. Aus dem Vergleich mit Mandelmilch folgt nur die Behandlung des Brots, keine vollständige Herstellungsanweisung für die Nuss- oder Mohnmilch.
Nachkochen.
Die quellennahe Reihenfolge lautet: eine Nussmilch herstellen, sie aufsieden und bei Wunsch Brot einschneiden; für die zweite Variante entsprechend eine Mohnmilch verwenden. Ein heutiger Nachkochversuch muss die nicht überlieferte Herstellungsweise der Milch als eigene, transparent dokumentierte Entscheidung treffen. Sie darf nicht als historische Rekonstruktion ausgegeben werden.
Ja, gut geeignet: Nüsse oder Mohn und Brot lassen sich trocken mitführen. Der Text verlangt, die hergestellte Milch aufzusieden und Brot nach Belieben einzuschneiden. Wie die Milch entsteht und wie lange die fertige Speise haltbar ist, nennt die Quelle nicht.
Im Mittelalter war ‚suppem‘ ein vielseitiger Begriff, der eine dickflüssige Speise, eine Sauce oder eine Suppe umfassen konnte. Oft wurde sie mit Brot angedickt oder das Brot direkt hineingeschnitten, wie in diesem Rezept beschrieben.
Der Text nennt nur ‚Nüsse‘, ohne eine Sorte festzulegen. Als zweite Variante nennt er Mohn. Eine konkrete Nussart und ein Verfahren, wie daraus jeweils eine ‚Milch‘ wird, überliefert das Rezept nicht.
Dieses Rezept stammt aus dem Wien, Österr. Nationalbibl., Cod. 2897 (Mitte 15. Jh. - Teil I). CoReMA-Handschrift W1 (Wien, Österr. Nationalbibl., Cod. 2897): dreiteilige Sammelhandschrift, Teil I (Kochrezepte, Bl. 1r-53v) aus der Mitte des 15. Jh., Teil III älter (Mitte 14. Jh.). Textlicher Zwilling von B4 (Berlin, Ms. germ. qu. 1187) - beide überliefern u.a. dasselbe "grün Met"-Rezeptpaar fast wortgleich.
Der Begriff ‚suppem‘ konnte im Mittelalter eine dickflüssige Speise, eine Sauce oder eine Suppe bezeichnen, oft mit Brot angedickt oder dazu gereicht.
Der Text nennt eine aus Nüssen beziehungsweise Mohn herzustellende ‚Milch‘. Wie sie gewonnen wird, welche Flüssigkeit dazugehört und ob etwas abgeseiht wird, bleibt in diesem Rezept offen.
‚Mahn‘ ist hier Mohn. Die Berliner Parallelhandschrift B4-066 schreibt an derselben Stelle ‚magen‘; W1 präzisiert die dort missverständlichere Form. Die Herstellung der daraus genannten Milch beschreibt keiner der beiden Texte.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| nusz | nut Q11009 |
| prot | bread Q7802 |
| mahn | opium poppy Q2007388 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
suppem
Gewählte Lesart: Suppe
Andere mögliche Lesart:
nusz
Gewählte Lesart: Nüsse
Andere mögliche Lesarten:
mahn
Gewählte Lesart: Mohnsamen
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 13.08.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.