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Gutes Rübenmus

Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Hs 20291 · Schwäbischer Sprachraum (Entstehungsort unbekannt); Handschrift heute Germanisches Nationalmuseum Nürnberg · 1492

BeilageBeilageLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10
Zubereitungszeit45 Min.Portionen4-6 PersonenBuchAlemannisches Büchlein von guter Speise (N1) (~1492)

Nimm Rüben und Kohl und schneide beides fein durcheinander. Gib Zwiebeln dazu und lass alles sieden. Bereite Nussmilch zu und koche das Mus damit fertig. Wenn du das Mus anrichtest, streue Gewürzpulver oder Zucker darüber.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
ruben Rüben - - Weiße Rüben, Mairüben oder Teltower Rübchen
kabis Kohl - - Weißkohl
zibelen Zwiebeln - - -
nus milch Nussmilch - Supermarkt, Reformhaus Mandelmilch
buluer Gewürzpulver - gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel Eine Mischung aus gemahlenem Pfeffer, Ingwer, Zimt und Nelken
zucker Zucker - - -

Welches Gericht ist das? Ein einfaches Rüben-Kohl-Mus: Rüben und Kohl werden fein geschnitten, zusammen mit Zwiebeln gesotten und mit Nussmilch fertiggekocht. Zum Anrichten kommt Gewürzpulver oder Zucker darüber. Der lebende Verwandte ist das bis heute bekannte deutsche Rüben- beziehungsweise Steckrübenmus - nur der süße Gewürzabschluss fehlt der modernen Variante meist.

Mus oder Eintopf? Der Text nennt keinen Stampf- oder Püreeschritt - die Mus-Konsistenz entsteht hier allein aus dem feinen Schneiden und dem langen Weichkochen von Rüben und Kohl in der Nussmilch. Das Ergebnis ist deshalb eher eine dickliche, stückige Gemüsemasse als ein glattes Püree; wer eine feinere Textur möchte, kann am Ende leicht zerdrücken, das ist aber eine eigene Ergänzung und keine Textvorgabe.

Praxis. Rüben und Kohl in feine Stücke schneiden und zusammen mit den Zwiebeln in wenig Wasser oder Brühe weich sieden. Parallel Mandelmilch anrühren (fein gemahlene Mandeln mit heißem Wasser ausgezogen, oder fertige Mandelmilch verwenden). Das weichgekochte Gemüse mit der Mandelmilch fertiggaren, bis die Flüssigkeit einzieht und eine sämige Masse entsteht. Zum Anrichten mit Gewürzpulver (Zimt, Ingwer, Nelken, Pfeffer) oder mit Zucker bestreuen. Alles gelingt in einem einzigen Topf über offenem Feuer, ein Ofen wird nicht benötigt - passend für die Lagerküche.

Was ist ein ‚Mus‘ im mittelalterlichen Sinne?

Ein ‚Mus‘ (mhd. muos) war im Mittelalter ein Brei oder Püree aus zerstoßenen oder durchgekochten Zutaten. Es konnte aus Gemüse, Obst, Getreide oder sogar Fleisch bestehen und war eine grundlegende Zubereitungsform in der mittelalterlichen Küche.

Welche Art von Nussmilch ist hier gemeint?

Im mittelalterlichen Europa war ‚Nussmilch‘ in der Regel Mandelmilch. Sie wurde als pflanzlicher Ersatz für Tiermilch verwendet, besonders in der Fastenzeit, und diente auch als Bindemittel und zur Aufhellung von Speisen. Du kannst moderne Mandelmilch oder selbstgemachte Nussmilch verwenden.

Was bedeutet ‚Pulver‘ im Rezept?

Pulver‘ (mhd. buluer) war im Mittelalter eine Bezeichnung für eine Gewürzmischung. Je nach Gericht konnte diese süß, scharf oder aromatisch sein. Hier, als Alternative zu Zucker, ist eine süßlich-aromatische Mischung aus Gewürzen wie Zimt, Ingwer, Nelken und Pfeffer wahrscheinlich.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, hervorragend geeignet. Es benötigt nur wenige robuste Zutaten, die gut lagerbar sind, und lässt sich einfach in einem Topf über dem Feuer zubereiten. Die Zubereitungszeit ist kurz und der Aufwand gering.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Alemannisches Büchlein von guter Speise (N1) (Schwäbischer Sprachraum - Entstehungsort unbekannt). CoReMA-Handschrift N1: die 26 Kochrezepte (fol. 17r-24r) der Sammelhandschrift Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Hs 20291, schwäbisch, 1492-1494. Anton Birlinger hat sie 1865 als "Alemannisches Büchlein von guter Speise" gedruckt - die einzige gemeinfreie wissenschaftliche Edition zu einer CoReMA-Handschrift und damit ein vollwertiger Gegencheck neben dem TEI-Text. Jedes Rezept trägt im Original eine rote Überschrift. Textlich am Ende der Traditionslinie des "Buoch von guoter Spise" (bgs, um 1350) und des Meister Eberhard (meb); direkte Motiv-Parallelen zu ka1 (Krosaier), zum Holdermus-Cluster (ka1/kkm/m384/meb/rfk) und zum heidnischen Pfannkuchen (ka2/m5919/mha/mon).

ain guot ruben muoß ain guot ruben muoß nim ruben vnd kabis vnd schnetz das klain vnder ain ander vnd zibelen darzuo vnd las es sieden vnd mach nus milch vnd do mit sud es ab vnd als du anrichtest so strow buluer daruf oder zucker
ruben muoß

Ein ‚Mus‘ (mhd. muos) bezeichnete im Mittelalter einen Brei oder ein Püree aus zerstoßenen oder durchgekochten Zutaten, oft Gemüse, Obst oder Getreide. Es war eine weit verbreitete Zubereitungsform.

kabis

‚Kabis‘ ist ein alemannisches Wort für Kohl, insbesondere Weißkohl.

nus milch

Im mittelalterlichen Kontext, besonders in Fastenrezepten oder für helle Speisen, war ‚Nussmilch‘ fast immer Mandelmilch. Sie diente als pflanzlicher Ersatz für Tiermilch und als Bindemittel.

buluer

Pulver‘ (mhd. buluer) bezeichnete im Mittelalter oft eine fertige Gewürzmischung, die je nach Verwendungszweck süße, scharfe oder aromatische Komponenten enthielt. Häufig waren dies Mischungen aus Pfeffer, Ingwer, Zimt, Nelken oder Galgant.

Handschrift
Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Hs 20291
Folio
Fol. 021v
Sprache
Frühneuhochdeutsch (schwäbisch, südwestdeutscher Sprachraum, 1492-1494)
Entstehung
Schwäbischer Sprachraum (Entstehungsort unbekannt); Handschrift heute Germanisches Nationalmuseum Nürnberg, 1492
CoReMA-Handschrift

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

rubenturnip Q3916957
kabiscabbage Q35051
zibelenonion Q3406628
nus milchnut milk Q107246657
buluerpowder Q2908004
zuckerunrefined cane sugar Q57656231

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartnus milch

Gewählte Lesart: Wir haben ‚Nussmilch‘ als Oberbegriff beibehalten, aber in den Alternativen und FAQs auf Mandelmilch als die historisch wahrscheinlichste Form verwiesen.

Andere mögliche Lesart:

  • Mandelmilch - Im mittelalterlichen Kontext, insbesondere in Fastenrezepten oder für helle Speisen, war ‚Nussmilch‘ fast immer Mandelmilch. Die explizite Nennung von ‚Mandelmilch‘ wäre präziser, aber der Originaltext verwendet den allgemeineren Begriff.

Originalwerk (~1492) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 021v, Germanisches Nationalmuseum Nürnberg, Hs 20291 ("Alemannisches Büchlein von guter Speise", schwäbisch, 1492-1494), Rezeptteil fol. 17r-24r - CC BY-NC-SA 3.0
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), N1 (Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Hs 20291), CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche · ⭐ Gold - vollständig lagerküchentauglich
Ein einfaches und schnelles Gericht, das nur wenige Zutaten und einen Topf benötigt. Ideal für die Zubereitung am offenen Feuer.
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Stand dieser Fassung: 28.07.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.