Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz –, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187 · Bairischer Sprachraum, Entstehungsort unbekannt (Datierung 1438/39-Mitte 15. Jh. über Hartliebs "Namenmantik", nach Honold); später im Besitz der Grafen Starhemberg von Riedegg (Oberösterreich) · 1450
Nimm die Erbsen und dazu gesottenen, reinen Speck. Schneide den Speck in Würfel und brate ihn in einer Pfanne braun. Gib den gebratenen Speck über die Erbsen und richte an.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Arbais | Erbsen, gekocht | - | - | - |
| gesotten lautteren spekch | gesottener, reiner Speck | - | Metzger | Durchwachsener Speck ohne Schwarte |
Welches Gericht ist das?
Erbsen mit gebratenem Speck: gekochte Erbsen, übergossen mit gewürfeltem, braun gebratenem Speck - keine Bindung, keine weiteren Gewürze. Die bis heute in Bayern und Österreich verbreitete Beilage „Erbsen mit Speck“ entspricht dieser Grundkombination fast unverändert. Entfernter verwandt sind die französischen petits pois au lard, dort meist gemeinsam geschmort statt getrennt zubereitet und angerichtet.
Was steht wirklich im Text?
„Nym der selben Arbais“ (nimm dieselben Erbsen) bezieht sich konkret auf das unmittelbar vorangehende Rezept b4-071 (Böhmisches Erbsenmus mit Schweinefleisch) - beide Rezepte stehen auf derselben Handschriftenseite (Fol. 083v) und sind fortlaufend nummeriert. Der Titel „Mer ein essen von Arbais“ (Ein weiteres Erbsengericht) bestätigt diese Fortsetzung, ebenso der fast wortgleiche Zwilling: w1-074 (Böhmisches Erbsenmus) und w1-075 (dieses Rezept) stehen ihrerseits fortlaufend und auf derselben Wiener Seite (Fol. 010r). Die eigentliche Kochanweisung dieses Rezepts betrifft ausschließlich den Speck: „gesotten“ heißt vorgekocht - der Speck liegt bereits gesotten vor, wird dann gewürfelt und in der Pfanne braun gebraten.
Die Schnittanweisung „in wurfflat“ (würfelig oder rautenförmig einschneiden) war im Manuskript unsicher vermerkt; der Zwilling w1-075 („werffelat“) und weitere Korpusbelege (u.a. MHDBDB „würfeleht“) sichern diese Lesart eindeutig ab.
Praxis.
Gekochte Erbsen bereitstellen. Gesottenen, mageren Speck ohne Schwarte würfeln und in der Pfanne braten, bis er braun ist und Fett austritt. Den heißen Speck samt ausgelassenem Fett über die Erbsen geben und sofort anrichten.
Ja, Goldstandard. Die Erbsen werden bereits gekocht vorausgesetzt - das Rezept knüpft an ein vorheriges Erbsengericht an. Zu tun bleibt nur, den Speck zu würfeln, knusprig zu braten und über die Erbsen zu geben: unter 30 Minuten, nur Topf und Pfanne nötig, keine Kühlung erforderlich.
Würfelig oder rautenförmig schneiden. Die Lesart ist über den Schwesterrezept w1-075 sowie weitere Korpusbelege (u.a. MHDBDB 'würfeleht') gut abgesichert - vergleichbar mit modernen Speckwürfeln.
Dieses Rezept stammt aus dem Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz –, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187 (Mitte 15. Jh.). CoReMA-Handschrift B4 (Berlin, Staatsbibliothek, Ms. germ. qu. 1187): bairisches Kochbuch der Mitte des 15. Jahrhunderts, 112 Blatt Papier. Enthält u.a. ein Paar-Rezept für "grünen Met" und ein Grundrezept "Wie du mett solt machen" (Honig-Wasser-Ansatz mit Hopfen und Hefe-Nachgärung) - textlich eng verwandt mit W1 (Wien, Cod. 2897), das dieselben zwei Met-Rezepte fast wortgleich überliefert.
Würfelig oder rautenförmig einschneiden. Die Lesart ist über den Zwilling w1-075 (dort 'werffelat') sowie weitere Korpusbelege (u.a. MHDBDB 'würfeleht') abgesichert.
Mhd. 'lûter' = rein, klar. Gemeint ist wohl mageres, sauberes Speckstück ohne Schwarte oder Verunreinigungen, nicht ausdrücklich 'ausgelassen'.
Bairische Dialektform für Erbsen (verwandt mit 'Arbeis'/'Erbeis'), nicht die Ackerbohne.
Bezieht sich konkret auf die Erbsen aus dem unmittelbar vorangehenden Rezept b4-071 (Böhmisches Erbsenmus mit Schweinefleisch) - beide Rezepte stehen auf derselben Handschriftenseite (Fol. 083v) und sind fortlaufend nummeriert (71/72). Unabhängig durch den Zwilling bestätigt: w1-074 (Böhmisches Erbsenmus) und w1-075 (dieses Rezept) stehen ebenfalls fortlaufend und auf derselben Wiener Seite (Fol. 010r).
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| Arbais | garden pea Q29472543 |
| gesotten lautteren spekch | bacon Q11106 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
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Stand dieser Fassung: 15.08.2026 - 2-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.