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Dottermus mit Wein und Ingwer

Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz –, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187 · Bairischer Sprachraum, Entstehungsort unbekannt (Datierung 1438/39-Mitte 15. Jh. über Hartliebs "Namenmantik", nach Honold); später im Besitz der Grafen Starhemberg von Riedegg (Oberösterreich) · 1450

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10
Zubereitungszeit60 Min.Portionen6-8 PersonenBuchBerlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz –, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187 (~1450)

Nimm sechzig harte Dotter und gib sie in eine Reibschale. Ziehe sie mit gutem Wein ab, gib weißen Ingwer und ein wenig Zucker dazu.

Mach es warm und versalze es nicht. Gib es hin.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Sechczigk hertt tutter Eidotter, hart gekocht 60 - -
gutten wein Wein - - -
ein weissen Ingwer weißer Ingwer - Gewürzhandel, Online-Gewürzhandel Gewöhnlicher gemahlener oder geriebener frischer Ingwer
ein wenig zukers Zucker - - -
versalcz nicht Salz - - -

Welches Gericht ist das? Ein warmes Dottermus: hart gekochte Eidotter werden zerstoßen, mit Wein abgezogen und mit Ingwer und Zucker gewürzt. Die Zutaten-Trias Eidotter-Wein-Zucker, warm serviert, lebt entfernt in der Zabaglione-/Sabayon-Familie und in der deutschen Weinschaumcreme fort - dort wird allerdings roher Dotter zu Schaum aufgeschlagen, während hier bereits durchgegarter, gestoßener Dotter zu einer Paste verarbeitet wird. Der nächste tatsächlich belegte Verwandte ist der fast wortgleiche Zwilling w1-077 (Wien, Cod. 2897).

Wie die Dotter genau zu einer Masse werden ("zeuch die ab"), lässt der Text offen. Der Zwilling w1-077 legt an derselben Stelle dieselbe Alternative nahe: schlichtes Verrühren mit dem Wein oder zusätzliches Passieren durch ein Sieb für eine feinere Konsistenz. Der Text nennt kein Zielergebnis - eine "geschmeidige, streichfähige Masse" wäre eine unbelegte Zutat.

Praxis. Ausgangspunkt sind bereits hart gekochte, gepellte Eidotter - der Text beschreibt das Kochen nicht als eigenen Schritt, sondern setzt sie als fertige Zutat voraus. Sechzig Dotter im Mörser zerstoßen: von Hand bleibt das eher körnig, da weder Sieben noch Durchstreichen erwähnt wird. Mit gutem Wein abziehen - eine Menge nennt der Text nicht, hier hilft nur Erfahrung. Weißen Ingwer und wenig Zucker einrühren, dann erwärmen. Salz ist im Text nicht als eigene Zutat genannt, aber die Warnung "versalcz nicht" setzt es voraus - sparsam salzen. Warm auftragen.

Was genau ist ein 'Tutter muss'?

Ein Dottermus ist eine Paste aus hart gekochten, im Mörser zerstoßenen Eidottern, die mit Wein abgezogen sowie mit Ingwer und Zucker gewürzt wird. Warm serviert, ist es entfernt mit der späteren Zabaglione- und Weinschaumcreme-Familie verwandt, auch wenn dort roher statt gekochter Dotter verarbeitet wird.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Ja, gut geeignet. Equipment und Zutaten sind unkompliziert und ohne Ofen oder Kühlung machbar; etwas Geduld braucht das Zerstoßen der sechzig harten Dotter von Hand im Mörser. Das fertige Mus wird sofort warm serviert und ist nicht für längere Lagerung gedacht.

Was ist mit 'Reib scherben' im Rezept gemeint?

Gemeint ist ein Mörser bzw. eine Reibschale, in der die gekochten Eidotter fein zerstoßen werden - kein zerbrochenes Tongefäß, wie der Wortlaut vermuten lassen könnte.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz –, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187 (Mitte 15. Jh.). CoReMA-Handschrift B4 (Berlin, Staatsbibliothek, Ms. germ. qu. 1187): bairisches Kochbuch der Mitte des 15. Jahrhunderts, 112 Blatt Papier. Enthält u.a. ein Paar-Rezept für "grünen Met" und ein Grundrezept "Wie du mett solt machen" (Honig-Wasser-Ansatz mit Hopfen und Hefe-Nachgärung) - textlich eng verwandt mit W1 (Wien, Cod. 2897), das dieselben zwei Met-Rezepte fast wortgleich überliefert.

Ain Tutter muss NIm Sechczigk hertt tutter Tue die In ein Reib scherben zeuch die ab mit gutten wein ein weissen Ingwer tu darczu vnd ein wenig zukers mach es warmm vnd versalcz nicht vnd gib es hin
tutter

Bairische Form für 'Dotter' - Eigelb.

muss

Mus, ein feiner Brei oder Püree, hier aus zerstoßenen Eidottern.

Reib scherben

Bezeichnet hier einen Mörser bzw. eine Reibschale, in der die Dotter fein zerstoßen werden - kein Gefäß aus Ton oder Scherben im heutigen Wortsinn.

weissen Ingwer

Weißer Ingwer meint vermutlich eine helle, geschälte oder getrocknete Ingwerqualität, im Unterschied zu dunklerem, ungeschältem Ingwer.

versalcz nicht

Warnung, das Mus nicht zu versalzen - setzt voraus, dass Salz zuvor zugegeben wird, auch wenn Salz im Text nicht ausdrücklich als Zutat genannt ist.

Handschrift
Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz –, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187
Folio
Fol. 084r
Sprache
Frühneuhochdeutsch (bairisch)
Entstehung
Bairischer Sprachraum, Entstehungsort unbekannt (Datierung 1438/39-Mitte 15. Jh. über Hartliebs "Namenmantik", nach Honold); später im Besitz der Grafen Starhemberg von Riedegg (Oberösterreich), 1450
CoReMA

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

gutten weinwine Q282
ein weissen Ingwerwhite ginger Q107262395
ein wenig zukersunrefined cane sugar Q57656231
versalcz nichttable salt Q11254

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartzukers

Gewählte Lesart: Zucker, wie von der Handschrift und dem Sachkommentar (unraffinierter Rohrzucker) übereinstimmend nahegelegt. Der Kontext ('ein wenig zukers' neben Wein und Ingwer zum Süßen und Würzen des Dottermuses) macht diese Lesart eindeutig.

Lesartzeuch die ab

Gewählte Lesart: Verrühre sie zu einer Masse

Andere mögliche Lesart:

  • Passiere sie durch ein Sieb - Der Zwilling w1-077 legt an derselben Stelle ('zeuch dy ab') dieselbe Alternative nahe: 'abziehen' kann auch das Passieren durch ein Sieb meinen, um eine feinere Konsistenz zu erzielen.

Originalwerk (~1450) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 084r, Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz -, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187; bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), B4 (Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz -, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187), CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Sechzig Eier kochen, pellen und im Mörser zerstoßen dauert am Feuer etwa eine Stunde, ist aber technisch simpel und ohne Kühlbedarf machbar, da die fertigen Eidotter sofort verarbeitet und warm serviert werden.
Alle Rezepte aus Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz –, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187 Alle Kochbücher

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Stand dieser Fassung: 13.08.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.