Köln, Historisches Archiv der Stadt Köln, Best. 7004, 27 · Westmitteldeutscher/ripuarischer Sprachraum (Entstehungsort unbekannt); Handschrift heute Historisches Archiv der Stadt Köln · 1475
Um schnell Essig zu machen: Nimm ein Stahlblech und glühe es gut durch. Lösche es dreimal in gutem, starkem Essig. Lege es hin und bewahre es für deinen Bedarf auf.
Wenn du dann schnell Essig machen willst, nimm es und glühe es gut durch und lösche es in Wein. So wird er auf der Stelle zu Essig.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Steilen blech | Stahlblech | - | Baumarkt | - |
| gutem starcken essige | Starker Essig | - | Supermarkt | - |
| win | Wein | - | Supermarkt | - |
Was ist das? Keine Speise, sondern eine handwerkliche Anleitung zur beschleunigten Essigherstellung aus dem fünften, der Essigherstellung gewidmeten Teil der Handschrift. Ein glühendes Stahlblech wird abgeschreckt, um damit später schnell aus Wein Essig zu machen.
Das Blech. Die Handschrift schreibt „Steilen blech“ - die Schreibung ist für sich genommen mehrdeutig. Der textgleiche Zwilling so1-123 hat an derselben Stelle eindeutig „stehelenn blech“ (stählernes Blech) und klärt damit, dass ein Stahlblech gemeint ist.
Zwei Löschvorgänge, zwei Zeugen. Für den ersten, vorbereitenden Abschreckvorgang nennt k1-160 nur Essig; der Zwilling so1-123 hat an dieser Stelle „in win oder essig“ (Wein oder Essig) - eine echte Abweichung zwischen den beiden Abschriften, keine Lesefalle. Beim zweiten, eigentlichen Vorgang stimmen beide Zeugen wortgleich überein: Es ist ausschließlich Wein.
Die Behauptung „auf der Stelle“. Die Handschrift schreibt dem Verfahren zu, dass der Wein dadurch augenblicklich zu Essig werde. Das ist ein Anspruch der Quelle selbst - ob und wie stark ein glühendes Metallblech die Essigbildung tatsächlich beschleunigt, ist von uns nicht geprüft und wird hier nicht als erwiesen dargestellt.
Herkunft und Datierung. Entstehungsort und genaue Entstehungszeit dieser ripuarischen Abschrift sind unbekannt beziehungsweise in der Forschung umstritten (Datierungsvorschläge reichen von der zweiten Hälfte des 15. bis ins 16. Jahrhundert); über ein gesellschaftliches Milieu lässt sich keine gesicherte Aussage treffen. Verwahrt wird die Handschrift heute im Historischen Archiv der Stadt Köln.
Praxis. Als Vorratstechnik gehört das Verfahren in eine Zeit, in der Wein rasch verdarb und seine Haltbarmachung als Essig eine alltägliche Sorge der Haushaltsführung war - unabhängig davon, ob die beschriebene Methode tatsächlich wirkte. Zum Nachmachen ist das Rezept nicht gedacht: Es dokumentiert eine historische Praxis, keine geprüfte Anleitung.
Der Text selbst nennt keinen Wirkmechanismus - er behauptet nur, dass der Wein nach dem Abschrecken des glühenden Blechs ‚auf der Stelle‘ zu Essig werde. Ob und warum dieses Verfahren tatsächlich wirkt, ist durch die Quelle nicht erklärt und wurde von uns nicht geprüft. Der textgleiche Zwilling so1-123 hatte eine entsprechende chemische Erklärung nach eigener Prüfung ausdrücklich verworfen, weil der Wortlaut sie nicht hergibt.
Nein, dieses Rezept ist keine Kochanleitung, sondern eine handwerkliche Anleitung zur Essigherstellung. Es ist historisch interessant, aber nicht als praktische Anwendung fürs Lager gedacht.
Das ist die Behauptung der Quelle selbst, keine von uns bestätigte Tatsache. Ob und wie stark das beschriebene Verfahren die Essigbildung tatsächlich beschleunigt, ist nicht geprüft.
Dieses Rezept stammt aus dem Kölner Küchenmeisterei (2. Hälfte 15. Jh. oder 16. Jh. - umstritten). CoReMA-Handschrift K1: 182 Rezepte der Kölner Abschrift der "Küchenmeisterei" - derselben Drucktradition wie So1 (Solothurn), aber textlich vollständiger erhalten. Systematisch in fünf Teile gegliedert wie So1: Fleisch/Fisch, Eierspeisen, Gebackenes, Essig-/Kräuterwein-Herstellung, ein ausführliches lateinisch-deutsches Diätetik-Kapitel. Enthält denselben Brombeer-Honigwein wie So1 (dort §133), hier unter dem lateinischen Titel "Vinum de morisrubi" (k1-167) - K1 überliefert an dieser Stelle einen Rezepttitel, den So1 nicht hat.
Bezeichnet ein stählernes Blech. Der textgleiche Zwilling so1-123 schreibt an derselben Stelle eindeutig „stehelenn blech“ (stählernes Blech) und klärt damit die im k1-Wortlaut für sich genommen mehrdeutige Schreibung „Steilen“ zugunsten von „Stahl“.
Bedeutet ‚dreimal‘. Die Wiederholung des Abschreckens war wichtig für den Prozess.
Bedeutet ‚für deinen Bedarf‘ oder ‚für deine Notwendigkeit‘. Das vorbereitete Blech konnte also bei Bedarf immer wieder verwendet werden.
Bedeutet ‚auf der Stelle‘ bzw. ‚sofort‘. Der Text behauptet damit selbst eine augenblickliche Umwandlung - das ist eine Aussage der Quelle, keine von uns geprüfte oder bestätigte Tatsache.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| win | wine Q282 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
Steilen blech
Gewählte Lesart: Stahlblech (stählernes Blech). Die Schreibung ‚Steilen‘ ist im k1-Wortlaut für sich genommen mehrdeutig; der textgleiche Zwilling so1-123 hat an derselben Stelle eindeutig ‚stehelenn blech‘, was die Lesart als ‚Stahl‘ bestätigt.
leschs
Gewählte Lesart: lösche es. Eine phonetische Variante von ‚löschen‘, passend zum Kontext des Abschreckens von heißem Metall in Flüssigkeit.
In gutem starcken essige (erster Löschvorgang)
Gewählte Lesart: k1 nennt für den ersten, vorbereitenden Abschreckvorgang nur Essig. Die Übersetzung folgt dem k1-eigenen Wortlaut.
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 02.08.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.