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Gebratenes Hirschwildbret mit Honig-Feigen-Sauce

Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Donaueschingen 793 · Unteres Inntal (Mühldorf am Inn), Bayern · 1445

WildHauptspeise · WildLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10
Zubereitungszeit75 Min.Portionen2-4 PersonenBuchHaus- und Arzneibuch (Ka2) (~1445)

Nimm Wildbret vom Hirsch, bereite es vor und brate es auf der Stelle. Nimm reinen Honig, Wein und Feigen, seihe die Mischung durch und richte es an, gewürzt mit gutem Gewürz.

OriginalModernMengeWo kaufenAlternative
Wiltprat von hirschen Hirschwildbret - Metzger, Wildhändler Rinderbraten
eitel honig Reiner Honig - - -
wein Wein - - -
feigen Feigen - Supermarkt (Trockenfrüchte) -
gutem gewurtz Gute Gewürzmischung - gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel Pfeffer, Ingwer, Zimt, Nelken

Welches Gericht ist das? Gebratenes Hirschwildbret in einer süß-säuerlichen Sauce aus Honig, Wein und durchgeseihten Feigen - eine Frucht-Wein-Sauce zu gebratenem Wild. Die Grundidee (Wildfleisch, süße Frucht, Wein/Säure, Gewürz) findet sich bis heute in Wildgerichten mit Feigen-, Portwein- oder Preiselbeersauce zu Hirsch- oder Rehbraten wieder - ein durchgehendes Prinzip über Jahrhunderte, keine Besonderheit dieses Rezepts.

Der Text nennt zwei knappe Arbeitsschritte. Zuerst wird das Wildbret zugerichtet und gebraten ("das mach ein vnd prat das an dy stat") - vermutlich klassischer Spießbraten am offenen Feuer, wie auch in den benachbarten Rezepten ka2-020/ka2-021 desselben Manuskripts für Wildbret belegt. "an dy stat" bleibt in der genauen Bedeutung unklar (siehe Annotation), liest sich aber als "am Feuer/dort weiterbraten" oder "sogleich braten" - für die Praxis läuft beides auf dasselbe hinaus: direkt und ohne Verzug am Feuer garen.

Danach folgt die Sauce: reiner Honig, Wein und Feigen werden verrührt und durch ein Tuch geschlagen ("slachs durch"), um Kerne und Schalenreste abzuscheiden. Der Text nennt keinen eigenen Hitzeschritt für die Sauce - im Korpus nicht unüblich (vergleichbar mon-007, eine strukturell identische durchgeschlagene Sauce, die kalt serviert wird). Die Feigen liefern über ihr Fruchtfleisch nach dem Passieren selbst Bindung, ohne dass Mehl oder Ei nötig wären.

Praxis. Das Wildbret am Spieß oder auf dem Rost über offener Glut braten, bis es gar ist. Für die Sauce Feigen (frisch oder eingeweicht) mit Wein und Honig kurz ziehen lassen, durch ein Tuch oder feines Sieb passieren und mit einer Gewürzmischung (Pfeffer, Ingwer, Zimt, Nelken) abschmecken - kalt oder handwarm zum heißen Braten anrichten. Auf dem Mittelaltermarkt ist der einzige echte Engpass die Kühlkette für das rohe Wildbret; wie bei jedem anderen Spießbraten-Angebot lässt sich das über mobile Kühlung lösen.

Wo bekomme ich Hirschwildbret?

Hirschwildbret ist saisonal bei gut sortierten Metzgern, auf Wochenmärkten oder direkt bei Jägern erhältlich. Außerhalb der Saison kann es tiefgekühlt bezogen werden. Eine Alternative ist Rinderbraten, der jedoch einen anderen Geschmack und eine andere Textur hat.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Die Zubereitung am offenen Feuer ist gut machbar. Der Hauptengpass ist die Kühlung des Hirschwildbrets, das eine durchgehende Kühlkette benötigt. Die Sauce ist schnell zubereitet und unkompliziert.

Was bedeutet 'an dy stat' im Rezept?

Die Phrase ‚an dy stat‘ ist im Mittelhochdeutschen mehrdeutig zwischen einer örtlichen Lesart (‚an Ort und Stelle‘, z. B. am Feuer) und einer zeitlichen (‚sogleich, auf der Stelle‘). Im selben Manuskript folgt eine fast identische Formulierung (ka2-021) unmittelbar auf die Anweisung, das Fleisch ans Feuer zu legen - das stützt eine orts- oder zeitbezogene Deutung. Eine Lesart als ‚Hauptgericht‘ ist dagegen durch keine Parallelstelle im Korpus gedeckt.

Welche Gewürze sind mit 'gutem Gewürz' gemeint?

Mittelalterliche Rezepte nennen oft keine spezifischen Gewürze, da die Köche die gängigen Mischungen kannten. Für ein Wildgericht in dieser Zeit wären typische Gewürze Pfeffer, Ingwer, Zimt und Nelken gewesen, die oft in Kombination mit süßen und sauren Komponenten verwendet wurden.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Haus- und Arzneibuch (Ka2) (15. Jh., Unteres Inntal (Mühldorf am Inn), Bayern). CoReMA-Handschrift Ka2: Rezeptteil (fol. 27v-28v + 94r-98r, zwei getrennte Lagen) des "Haus- und Arzneibuch" genannten Sammelbandes, Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Donaueschingen 793 - 56 Rezepte, mittelbairisch (unteres Inntal/Mühldorf am Inn), ca. 1445-1470. Anders als das alemannische Ka1 (Reichenauer Kochbuch) aus derselben Bibliothek - Cross-Link-Potential zu den anderen mittelbairischen CoReMA-Büchern (ri15632/Rott am Inn, m5919/Regensburg).

Wiltprat von hirschen das mach ein vnd prat das an dy stat Nim eitel honig wein vnd feigen vnd slachs durch vnd richcz an mit gutem gewurtz
Wiltprat

Mittelhochdeutsch für Wildbret, also das Fleisch von Wildtieren, hier speziell vom Hirsch.

an dy stat

Diese Phrase ist mehrdeutig zwischen einer örtlichen Lesart ("an der Stelle, wo es liegt") und einer zeitlichen ("sogleich, auf der Stelle"). Im selben Manuskript folgt dieselbe Formel in ka2-021 unmittelbar auf "leg In zu dem fewer" ("lege es ans Feuer") - dort eindeutig ortsbezogen. Andere Korpusbelege (m5919-091, mon-085) stützen daneben eine schlichte Garformel ("gar braten" bzw. "alsbald/sogleich"). Eine Lesart als "Hauptgericht" ist durch keine Parallelstelle im Korpus gedeckt.

eitel honig

‚Eitel‘ bedeutet hier ‚rein‘ oder ‚unvermischt‘ und betont die Qualität des Honigs.

slachs durch

‚Schlagen‘ oder ‚durchschlagen‘ bedeutet hier ‚durchseihen‘ oder ‚passieren‘, um eine glatte Sauce zu erhalten, insbesondere bei der Verwendung von Feigen.

gutem gewurtz

Die genaue Zusammensetzung der Gewürzmischung wird nicht genannt. Typische mittelalterliche Gewürze für Fleischsaucen waren Pfeffer, Ingwer, Zimt und Nelken, oft in süß-saurer Kombination.

Handschrift
Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Donaueschingen 793
Sprache
Frühneuhochdeutsch (mittelbairisch, unteres Inntal/Mühldorf am Inn, ca. 1445-1470)
Entstehung
Unteres Inntal (Mühldorf am Inn), Bayern, 1445

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartan dy stat

Gewählte Lesart: ‚An Ort und Stelle‘ bzw. ‚sogleich, auf der Stelle‘. Im selben Manuskript folgt dieselbe Formel in ka2-021 unmittelbar auf ‚lege es ans Feuer‘, was eine orts- oder zeitbezogene Lesart nahelegt.

Andere mögliche Lesart:

  • Eine schlichte Garformel im Sinne von ‚gar braten‘. - Parallelbelege im Korpus (m5919-091, mon-085) stützen diese Deutung als Alternative zur orts-/zeitbezogenen Lesart; beide sind mit dem knappen Rezepttext vereinbar und lassen sich nicht abschließend trennen.

Lesartslachs durch

Gewählte Lesart: ‚Seihe die Mischung durch‘. Dies ist eine gängige Methode, um eine glatte Sauce aus flüssigen und festen Bestandteilen (wie Feigen) zu erhalten.

Andere mögliche Lesart:

  • ‚Schlage es durch‘ (im Sinne von verrühren oder aufschlagen). - Während ‚schlagen‘ auch ‚verrühren‘ bedeuten kann, ist ‚durchschlagen‘ im Sinne von ‚durchseihen‘ bei einer Sauce mit Feigen wahrscheinlicher, um eine feine Textur zu erzielen.

Originalwerk (~1445) gemeinfrei.

Bildquelle
Haus- und Arzneibuch - Cod. Donaueschingen 793. Unteres Inntal (Mühldorf), [1445/1470]. Badische Landesbibliothek Karlsruhe, Cod. Donaueschingen 793, https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:31-37968 / Public Domain Mark 1.0
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ka2 (Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Donaueschingen 793), CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Eingeschränkt (Kühlung): Hirschwildbret benötigt eine durchgehende Kühlkette. Die Zubereitung am offenen Feuer ist unkompliziert und die Sauce aus Honig, Wein und Feigen schnell gemacht.
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