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Gefüllte Eierschalen am Spieß

Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460

VorspeiseVorspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10
Zubereitungszeit40 Min.Portionen4 EierBuchKochbuch des Meisters Hans (~1460)

Reibe feines Weißbrot und röste es in Butter kross an. Mische Eier darunter, dazu getrockneten Salbei und Pfeffer.

Fülle diese Masse in leere Eierschalen. Brate die gefüllten Schalen an einem Spieß und serviere sie.

OriginalModernMengeWo kaufenAlternative
weiss prot Weißbrot - - -
putter Butter - - -
ayer Eier - - -
durren saluan getrockneter Salbei - - -
pfeffer Pfeffer - - -
ayer schall leere Eierschalen - - -

Welches Gericht ist das? Ein Schaugericht: Eine geröstete Weißbrot-Ei-Salbei-Pfeffer-Farce wird zurück in leere Eierschalen gefüllt und am Spieß gebraten, sodass am Ende wieder ein scheinbar ganzes gebratenes Ei auf dem Tisch liegt. Modern am ehesten mit gefüllten Eiern verwandt - die Schale wird geleert, neu befüllt und wieder in Eiform gebracht -, allerdings ist die Füllung hier keine Eigelb-Kräuter-Masse, sondern eine herzhafte Brot-Ei-Farce.

Das Rezept steht in einem Cluster von vier aufeinanderfolgenden „gefüllte Eier“-Rezepten desselben Kochbuchs (mha-087 bis mha-090), die dieselbe Grundtechnik mit vier verschiedenen Füllungen durchspielen. Im Kochbuch der Küchenmeisterei findet sich mit kkm-071 ein direkter Verwandter: dort wird ebenfalls eine Brot-Ei-Masse in Eierschalen gefüllt und geröstet, nur mit Muskat und Salz statt Salbei und Pfeffer gewürzt.

Wie lange braten? Der Text nennt weder Zeitdauer noch Garzustand („prat sy an ainem spiss vnd gib sy hin"). Da die Füllung rohes Ei enthält, empfiehlt sich die vorsichtige, aber vollständige Garung: braten, bis die Masse in der Schale fest ist, bevor serviert wird. Ein historisch denkbares, aber sicherheitstechnisch fragwürdiges Vorgehen wäre nur ein kurzes Anrösten, bei dem die Schale außen Farbe bekommt, ohne dass die Füllung zwingend durchgegart ist - das wird hier nicht empfohlen.

Praxis. Weißbrot fein reiben und in Butter kross rösten. Die gerösteten Brösel mit rohen Eiern, getrocknetem Salbei und Pfeffer gut verrühren. Eier vorher an beiden Enden anstechen, Inhalt ausblasen, Schale mit Wasser ausspülen und trocknen lassen. Die Brot-Ei-Masse in die leeren Schalen füllen, die Schalen vorsichtig am Spieß braten, bis die Füllung fest ist, und sofort servieren.

Wie bekommt man die Eierschalen leer, ohne sie zu zerbrechen?

Ein kleines Loch an beiden Enden des Eis stechen, das Innere vorsichtig ausblasen oder ausschütteln, die Schale kurz mit Wasser ausspülen und trocknen lassen. Das braucht etwas Übung, ist aber mit einer Nadel oder einem dünnen Messer gut machbar.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Technisch ja: Weißbrot, Butter, Eier, Salbei und Pfeffer brauchen keine Kühlung, und alles läuft am offenen Feuer. In der Praxis ist es aber eher ein Schaustück als ein Alltagsgericht - dünne, ausgeblasene Eierschalen am Spieß zu braten, ohne dass sie reißen, braucht ruhige Hände und etwas Übung.

Warum heißt das Rezept 'Aber von gepraten ayren'?

'Aber' bedeutet hier 'ein weiteres' oder 'nochmals' - das Kochbuch enthielt offenbar bereits ein anderes Rezept für gebratene Eier, und dieses ist eine weitere Variante mit anderer Füllung.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Kochbuch des Meisters Hans (1460, Württemberg / Basel). Vollständiges Kochbuch des Küchenmeisters Graf Ulrichs V. von Württemberg, geschrieben 1460. Einzig erhaltener Textzeuge: Cod. AN V 12 der Universitätsbibliothek Basel. Enthält Senf- und Hanfspeisen, Fastenkost, Schau- und Scherzgerichte sowie ein eigenes Register vorneweg.

Aber von gepraten ayren Item Reib schon weiss prot vnd prat es hertt In putter vnd meng ayer dar zue vnd durren saluan vnd pfeffer fulle die ayer schall damit prat sy an ainem spiss vnd gib sy hin .
ayer schall

Die leeren Eierschalen dienen hier als kleine Backform: die Bröselmasse wird hineingefüllt, sodass am Ende ein 'ganzes Ei' entsteht, das aber innen aus Brot, Ei, Salbei und Pfeffer besteht.

spiss

Ein einfacher Bratspieß. Die gefüllten Schalen werden vermutlich in einer kleinen Halterung oder direkt am Spieß nahe der Glut gebraten, nicht über offener Flamme.

saluan

Salbei (Salvia officinalis), im Alemannischen 'saluan' geschrieben. Klassisches Würzkraut zu Eierspeisen im späten Mittelalter.

Handschrift
Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch
Folio
Fol. 042v
Sprache
Frühneuhochdeutsch (alemannisch-schwäbisch, 1460)
Entstehung
Württemberg / Basel, 1460
CoReMA

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartGarzustand der Füllung

Gewählte Lesart: Die Ei-Brot-Füllung wird vollständig durchgegart, bis sie in der Schale fest ist - das folgt der modernen Sicherheitsempfehlung bei roher Ei-Masse.

Andere mögliche Lesart:

  • Nur ein kurzes Anrösten am Spieß, bis die Schale außen Farbe bekommt, ohne dass die Füllung zwingend durchgegart ist. - Der Text nennt weder Zeitdauer noch Garzustand ('prat sy an ainem spiss vnd gib sy hin'). Diese Lesart ist historisch denkbar, aber wegen der rohen Ei-Masse ein Sicherheitsrisiko und wird hier nicht als Standard empfohlen.

Originalwerk (~1460) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 042v, Universitätsbibliothek Basel, Cod. AN V 12 (1460); bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz (CC BY-NC-SA 4.0)
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), TEI-Edition Böhm/Klug 2021, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Die Zutaten - Weißbrot, Butter, Eier, Salbei, Pfeffer - brauchen keine Kühlung, und alles lässt sich am offenen Feuer zubereiten. Der eigentliche Aufwand ist aber ein Vorführ-Trick: dünne, vorher angestochene und ausgeblasene Eierschalen müssen am Spieß gebraten werden, ohne durch den Hitzeschock zu reißen - das ist eher etwas für die Schaubude als für den schnellen Imbiss.
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