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Gefüllte Eier in Safran-Brot-Sauce

Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460

BeilageBeilageLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10
Zubereitungszeit30 Min.Portionen4 PersonenBuchKochbuch des Meisters Hans (~1460)

Nimm Milch, Eier, gutes, sauberes Brot, Safran und Salz. Das zu einem dicken Brei vermahlen beziehungsweise verrühren.

Zuletzt die Eier gekocht hineinlegen. Das nennt man gefüllte Eier.

OriginalModernMengeWo kaufenAlternative
milich Milch - - -
ayr Eier - - -
schon prot Gutes Weißbrot - - -
Saffran Safran - gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel -
salcz Salz - - -
erwellet hartgekochte Eier - - -

Welches Gericht ist das? Ein dicker Safran-Milch-Brot-Brei, in den ganze hartgekochte Eier eingelegt bzw. eingebettet werden - kein Halbieren, kein Herausnehmen und Wiedereinfüllen des Dotters wie bei modernen "gefüllten Eiern". Der Name beschreibt das Eingebettetsein der Eier in der Sauce, nicht eine Füllung im heutigen Sinn. Im selben Kochbuch trägt Rezept mha-087 denselben Namen, meint dort aber die klassische Stopf-Technik (Dotter herausblasen, mit Salbei mengen, zurückfüllen, braten) - zwei völlig unterschiedliche Verfahren unter einem Gerichtnamen.

Zur Garfrage. Der Text nennt für den Andick-Schritt der Milch-Brot-Safran-Masse nur "vermahlen/verrühren" (mal), kein eigenes Hitze-Verb - ob die Masse selbst erhitzt wird oder kalt bleibt, sagt der Wortlaut nicht. Auch beim Wort "erwellet" (die Eier hineinlegen) ist nicht restlos sicher, ob die Eier vorab getrennt hartgekocht und dann in die Masse gelegt wurden, oder ob Masse und Eier gemeinsam aufgewallt bzw. geköchelt werden - der Sprachgebrauch von "erwellet" in anderen Rezepten des Korpus (mha-092, bgs-055, bgs-079) beschreibt eher ein gemeinsames Aufwallen-Lassen der ganzen Zubereitung.

Praxis. Für ein sicheres, gut nachkochbares Ergebnis: Eier separat hart kochen und schälen. Milch mit in Stücke gezupftem oder geriebenem Weißbrot, Safran und Salz in einem Topf sanft erhitzen und verrühren, bis die Masse dickt. Die geschälten, hartgekochten Eier hineinlegen und kurz in der heißen Masse ziehen lassen, bevor serviert wird.

Werden die Eier hier wirklich befüllt wie bei modernen gefüllten Eiern?

Vermutlich nicht im klassischen Sinn. Der Originaltext beschreibt kein Halbieren der Eier oder Herausnehmen des Dotters. Stattdessen werden hartgekochte Eier ganz in einen dicken Brei aus Milch, Eiern, Brot, Safran und Salz gelegt. Der Name 'gefüllte Eier' bezieht sich wohl auf das Einbetten in die Sauce, nicht auf eine echte Füllung. Zum Vergleich: Im selben Kochbuch trägt Rezept mha-087 ebenfalls den Namen 'gefüllte Eier', meint dort aber tatsächlich die klassische Stopf-Technik mit herausgeblasenem und neu befülltem Dotter - der gleiche Name steht hier also für zwei unterschiedliche Gerichte.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Ja, sehr gut sogar. Milch, Eier, Brot, Safran und Salz sind robuste Zutaten ohne Kühlbedarf, die Zubereitung dauert keine 30 Minuten und braucht nur Topf und Schüssel am Feuer.

Was bedeutet 'erwellet' im Rezept?

'Erwellet' kommt von mittelhochdeutsch 'erwellen' und bedeutet 'kochen, sieden'. Hier sind hartgekochte Eier gemeint, die in den fertigen Safran-Brei gelegt werden. Der genaue Ablauf ist nicht ganz sicher: Empfohlen wird, die Eier separat hart zu kochen und die Masse selbst sanft zu erhitzen, bevor beides zusammenkommt. Im Kochbuch-Korpus wird 'erwellet' andernorts aber auch für ein gemeinsames Aufwallen der ganzen Zubereitung benutzt - ganz sicher lässt sich das hier nicht entscheiden.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Kochbuch des Meisters Hans (1460, Württemberg / Basel). Vollständiges Kochbuch des Küchenmeisters Graf Ulrichs V. von Württemberg, geschrieben 1460. Einzig erhaltener Textzeuge: Cod. AN V 12 der Universitätsbibliothek Basel. Enthält Senf- und Hanfspeisen, Fastenkost, Schau- und Scherzgerichte sowie ein eigenes Register vorneweg.

Aber von gefullten ayren . Item nym milich ayr schon prot . Saffran . salcz mal das zue mal dick leg die darein erwellet das haissen gefullte ayer .
schon prot

'Schon' bedeutet hier eher 'fein, gut' (vgl. mhd. 'schœn-brôt' = feines Brot; auch die CoReMA-Objektseite glossiert 'schoen prot' als 'fine bread') und nicht in erster Linie zeitlich 'schon'. Eine Nebenbedeutung 'gründlich/sauber' ist im Alemannisch-Schwäbischen belegt, aber für Brot weniger einschlägig. Die Übersetzung 'gutes, sauberes Brot' deckt beide Lesarten pragmatisch ab.

erwellet

Von mhd. 'erwellen' = kochen, sieden (nicht zu verwechseln mit dem MHDBDB-Homograph-Lemma 'erweln' = erwählen). Meint hartgekochte bzw. gegarte Eier. Ob die Eier vor dem Einlegen separat gekocht wurden oder zusammen mit der Masse aufwallen - siehe interpretive_choices und preparation_note.

gefullte ayer

Der Gerichtname 'gefüllte Eier' beschreibt möglicherweise keine klassische Dotterfüllung, sondern gesottene Eier, die in einen dicken Safran-Brot-Milch-Brei eingebettet werden. Siehe editors_note.

Handschrift
Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch
Folio
Fol. 043r
Sprache
Frühneuhochdeutsch (alemannisch-schwäbisch, 1460)
Entstehung
Württemberg / Basel, 1460
CoReMA

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartgefullte ayer

Gewählte Lesart: Gesottene Eier, die in einen dicken Safran-Milch-Brot-Brei eingelegt bzw. damit ummantelt werden - der Name 'gefüllt' beschreibt das Eingebettetsein in der Sauce, nicht eine echte Füllung.

Andere mögliche Lesart:

  • Die Eier werden halbiert, das Eigelb mit dem Brei vermischt und zurück in die Eihälften gefüllt (klassische Eierfüllung wie in späteren Kochbüchern und wie in mha-087 im selben Buch). - So wird 'gefüllte Eier' in vielen späteren deutschsprachigen Kochbüchern und in mha-087 (selbes Buch) beschrieben, allerdings fehlt im vorliegenden Text jeder Hinweis auf ein Halbieren oder Entkernen der Eier.

Lesarterwellet (Garfolge)

Gewählte Lesart: Die Eier werden separat hartgekocht, die Safran-Milch-Brot-Masse eigenständig sanft erhitzt, und beides wird erst zum Schluss zusammengeführt - eine sichere, gut kontrollierbare Praxis.

Andere mögliche Lesart:

  • 'Erwellet' bezieht sich auf ein gemeinsames Aufwallen bzw. Köcheln der gesamten Zubereitung samt Eiern, statt auf den Zustand einer vorab getrennt gekochten Zutat. - Der Wortgebrauch von 'erwellet' andernorts im Korpus (mha-092: 'Gib sy hin erwellet'; bgs-055: 'mit erwellet'; bgs-079: 'dor inne erwellet') beschreibt durchgehend ein Aufwallen-Lassen der gerade beschriebenen Zubereitung als Ganzes, nicht das Attribut einer vorher getrennt gegarten Zutat.

Originalwerk (~1460) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 043r, Universitätsbibliothek Basel, Cod. AN V 12 (1460); bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz (CC BY-NC-SA 4.0)
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), TEI-Edition Böhm/Klug 2021, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
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