Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz –, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187 · Bairischer Sprachraum, Entstehungsort unbekannt (Datierung 1438/39-Mitte 15. Jh. über Hartliebs "Namenmantik", nach Honold); später im Besitz der Grafen Starhemberg von Riedegg (Oberösterreich) · 1450
Nimm Milch und Eier und rühre sauberes, geriebenes Brot, Safran und Salz darunter. Mach die Mischung dick. Lege die Eier hinein. Lass es aufwallen und gib es dann hin. Das nennt man gefüllte Eier im Salbei.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| milich | Milch | - | - | - |
| ayr | Eier | - | - | - |
| prat | Geriebenes Brot | - | - | - |
| Saffran | Safran | - | gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel | - |
| salcz | Salz | - | - | - |
| saluay | Salbei | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Ein mit Safran gelb gefärbter, mit geriebenem Brot gebundener Milchsud, in dem ganze Eier aufgewallt und heiß serviert werden. Die Grundidee - gekochte Eier in einer sämigen, gewürzten weißen Sauce - ist strukturell mit bis heute bekannten Gerichten wie Eiern in Senfsoße oder Rahmsauce verwandt, ohne dass eine direkte Abstammung behauptet wird. Die Bindung über eingeweichtes, geriebenes Brot statt einer Mehlschwitze ist eine im Mittelalter breit belegte Technik, kein Merkmal nur dieser Handschrift.
Unklar bleibt, ob die Eier vor dem Einlegen bereits gegart waren oder roh in die heiße Sauce gegeben und nur kurz miterhitzt wurden - der Text nennt weder einen Vorgarschritt noch eine Gardauer danach für die Eier.
Praxis. Milch mit sauberem, geriebenem Brot, Safran und Salz bei mittlerer Hitze einkochen, bis die Masse dick bindet - das Original nennt dafür keine Zeit oder Hitzestufe, hier hilft nur die eigene Erfahrung. Vorgekochte, geschälte Eier ganz oder halbiert in die fertige Sauce legen, kurz darin erwärmen und einmal aufwallen lassen, dann sofort servieren. Gesamtzeit am Feuer unter 20 Minuten, kein Ofen und keine Spezialausrüstung nötig.
Ja, Goldstandard. Milch, Eier, Brot, Safran und Salz sind robuste Zutaten ohne Kühlbedarf, das Gericht ist in einem Topf am Feuer in unter 20 Minuten fertig.
Das ist eine der bekannten Lücken mittelalterlicher Kochtexte: der Titel nennt zweimal ‚Saluay' (Salbei), doch die Anweisung, es tatsächlich zuzugeben, fehlt im überlieferten Text. Die Lesart als Salbei ist sprachlich am besten belegt, doch die CoReMA-Datenbank führt den Begriff für dieses Rezept ausdrücklich auch als ungeklärt - denkbar wäre auch ein bestimmtes Kochgefäß. Wer der Kraut-Lesart folgen möchte, kann beim Nachkochen ein paar fein gehackte frische Salbeiblätter mit dem Brot unterrühren.
Vermutlich sind ganze, vorgekochte Eier gemeint, die in die dicke Safran-Milch-Sauce eingelegt und darin aufgewallt werden - das Gericht ist also mit Eiern ‚gefüllt', nicht die Eier selbst mit einer Masse.
Dieses Rezept stammt aus dem Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz –, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187 (Mitte 15. Jh.). CoReMA-Handschrift B4 (Berlin, Staatsbibliothek, Ms. germ. qu. 1187): bairisches Kochbuch der Mitte des 15. Jahrhunderts, 112 Blatt Papier. Enthält u.a. ein Paar-Rezept für "grünen Met" und ein Grundrezept "Wie du mett solt machen" (Honig-Wasser-Ansatz mit Hopfen und Hefe-Nachgärung) - textlich eng verwandt mit W1 (Wien, Cod. 2897), das dieselben zwei Met-Rezepte fast wortgleich überliefert.
‚Schon' heißt hier nicht ‚schön' im ästhetischen Sinn, sondern ‚sauber, gründlich'. Gemeint ist sauberes, geriebenes Brot als Bindemittel, nicht Mehl.
‚Gefüllte Eier' meint hier vermutlich nicht mit einer Masse gefüllte Eier, sondern in die dicke Milch-Brot-Sauce eingelegte, ganze (gekochte) Eier - das Gericht ist mit Eiern ‚gefüllt'.
Namensgebendes Kraut des Gerichts, vermutlich Salbei - taucht aber im Zubereitungstext selbst nicht mehr auf. Siehe interpretive_choices für die offene Alternativlesart.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| milich | milk Q8495 |
| ayr | chicken egg Q15260613 |
| prat | bread Q7802 |
| Saffran | saffron Q25434 |
| salcz | table salt Q11254 |
| saluay | common sage Q1111359 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
saluay
Gewählte Lesart: Salbei (Salvia officinalis), das namensgebende Kraut des Gerichts. Wörterbuchbelege (Diefenbach: 'der-, velt-saluay'; Wülcker: 'salbei, saluay') stützen diese Lesart. Dass es im Zubereitungstext nicht erwähnt wird, ist vermutlich eine Textlücke.
Andere mögliche Lesart:
leg die ayr dar In . er well sy
Gewählte Lesart: Die Eier sind bereits vorgegart (z. B. hart gekocht, geschält) und werden in die fertige, dicke Sauce eingelegt, dort nur kurz erwärmt und einmal aufgewallt.
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 15.08.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.