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Kirschsuppe mit Nelken über Weißbrot

Kunstbuch Von mancherley Essen, Gesotten, Gebraten, Posteten, von Hirschen, Vogelen, Wildtprat, vnd andern Schawessen, so auff Fürstlichen, vnd andern Pancketen zuzurichten gehörich · Wolfenbüttel · 1598

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10
Zubereitungszeitca. 35 Min. KüchenzeitBuchKunstbuch von mancherley Essen (~1598)

Jede Kirsche mit zwei ganzen Nelken bestecken. Die Kirschen in einen Topf mit Wein und Zucker geben und aufkochen lassen.

Die Kirschen über Weißbrot geben, das in Butter gebraten ist, und mit Zucker und Muskatblüte bestreuen.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Kirſen Kirschen - - -
zwey gantze Negelein Gewürznelken, ganz (zwei je Kirsche) - - -
Wein Wein - - -
Zucker Zucker - - -
weiß Brot Weißbrot - - -
Butter Butter - - -
Muſcatenblumen Muskatblüte - gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel Frisch geriebene Muskatnuss, sparsam dosiert

Welches Gericht ist das? Eine süße Kirschsuppe im Sinn des 16. Jahrhunderts: Kirschen werden in Wein und Zucker aufgekocht und über in Butter gebratenes Weißbrot gegeben, zum Schluss kommen Zucker und Muskatblüte darüber. Die Suppe ist das übergossene Brot, keine Brühe zum Löffeln.

Die Nelken. Jede Kirsche bekommt zwei ganze Nelken. Sie würzen Frucht und Wein beim Aufkochen und lassen sich ganz wieder herausziehen, ohne den Sud mit Nelkenpulver zu trüben.

Mit Stein? Vom Entsteinen sagt der Text nichts, während die beiden folgenden Kirschrezepte es eigens verlangen. Die Kirschen bleiben hier also ganz, mit Stein, und tragen die Nelken.

Praxis. Kirschen waschen, Stiele abzupfen und in jede Frucht zwei Nelken stecken. Mit Wein und Zucker in einen Topf geben und nur kurz aufkochen lassen, damit die Früchte nicht zerfallen. Kirschsorte, Weinsorte und Mengen nennt der Text nicht; Sauerkirschen brauchen mehr Zucker als süße. Weißbrotscheiben in Butter in der Pfanne goldbraun braten, in eine Schüssel legen, Kirschen mit dem Sud darübergeben, mit Zucker und Muskatblüte bestreuen. Beim Servieren auf Steine und Nelken hinweisen. Die Zubereitungszeit von etwa 35 Minuten ist eine Schätzung, der Text gibt keine Zeit an.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, Goldstandard. Ein Topf für die Kirschen und eine Pfanne für das Brot am Feuer genügen, die Garzeit ist kurz. Frische Kirschen gibt es nur im Frühsommer. Das Weißbrot darf einen Tag alt sein, es wird ohnehin in Butter gebraten.

Was sind „Muſcatenblumen“ im Rezept?

Gemeint ist die Muskatblüte (Macis), der getrocknete Samenmantel der Muskatnuss. Sie schmeckt feiner und blumiger als die Nuss selbst. Ersatzweise passt frisch geriebene Muskatnuss, die aber herber ist.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Kunstbuch von mancherley Essen. Kochbuch des braunschweigisch-lüneburgischen Mundkochs Frantz de Rontzier, gedruckt 1598 in Wolfenbüttel. Höfische Bankett- und Schauessen-Küche: Gesottenes, Gebratenes, Pasteten, Hirsch, Geflügel und Wildbret für fürstliche Tafeln. Rontzier konnte nicht schreiben und hat das Buch diktiert.

Item / man beſtreicht ein jegliche Kirſen mit zwey gantze Negelein / thut ſie in einen Hauen mit Wein vnd Zucker / leſt ſie auffkochen / gibt ſie vber weiß Brot / in Butter gebraten / beſprenget ſie mit Zucker vnd Muſcatenblumen.
Hauen

Ein Hauen (auch Hafen) ist ein Topf, hier das Kochgefäß für die Kirschen in Wein und Zucker.

Druck
Kunstbuch Von mancherley Essen, Gesotten, Gebraten, Posteten, von Hirschen, Vogelen, Wildtprat, vnd andern Schawessen, so auff Fürstlichen, vnd andern Pancketen zuzurichten gehörich
Teil
Kirschensuppen
Sprache
Frühneuhochdeutsch (braunschweigische Druckersprache, 16. Jh.)
Entstehung
Wolfenbüttel, 1598

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Kirſencherry Q196
zwey gantze Negeleinclove Q15622897
Weinwine Q282
Zuckerunrefined cane sugar Q57656231
weiß Brotwhite bread Q1501889
Butterbutter Q34172
Muſcatenblumenmace Q1882876

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartbeſtreicht ein jegliche Kirſen mit zwey gantze Negelein

Gewählte Lesart: Jede Kirsche mit zwei ganzen Nelken bestecken. Ganze Nelken lassen sich nicht aufstreichen, und Rontzier schreibt an anderer Stelle selbst „beſteckts mit gantzen Negelein“.

Andere mögliche Lesart:

  • Jede Kirsche mit den Nelken einreiben - Wörtlich heißt bestreichen „einreiben, mit etwas überstreichen“, so gebraucht Rontzier das Wort sonst durchweg; mit zwei ganzen Nelken pro Frucht ergibt das aber keinen Sinn.

Originalwerk (~1598) gemeinfrei.

Bildquelle
Scan 030, Österreichische Nationalbibliothek, Alt Prunk *44.S.114, Austrian Books Online Quelle öffnen
Transkription
Eigene Transkription nach den Seitenscans der Österreichischen Nationalbibliothek (Alt Prunk *44.S.114), an den Scans korrigiert Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/ron-0055
LagerkücheLagerküche · ⭐ Gold - vollständig lagerküchentauglich
Goldstandard: ein Topf für die Kirschen und eine Pfanne für das Brot am Feuer, kurze Garzeit. Frische Kirschen gibt es nur im Frühsommer; das Bestecken mit Nelken ist Fleißarbeit, aber einfach.
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Stand dieser Fassung: 27.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.