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Stachelbeeren in Rotwein auf Röstbrot

Kunstbuch Von mancherley Essen, Gesotten, Gebraten, Posteten, von Hirschen, Vogelen, Wildtprat, vnd andern Schawessen, so auff Fürstlichen, vnd andern Pancketen zuzurichten gehörich · Wolfenbüttel · 1598

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 7/10
Zubereitungszeitca. 20 Min. KüchenzeitBuchKunstbuch von mancherley Essen (~1598)

Die Stachelbeeren mit rotem Wein und Zucker abschmecken. Über geröstetes Brot geben und mit Zucker bestreuen.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Stichbirn Stachelbeeren - frisch im Frühsommer, Markt oder Obsthandel -
rotem Wein Rotwein - - -
Zucker Zucker - - -
geroͤſtet Brot Geröstetes Brot - - -

Welches Gericht ist das? Stachelbeeren werden mit Rotwein und Zucker fertig gemacht, über geröstetes Brot gegeben und mit Zucker bestreut. Heute erinnert das an ein warmes Beerenkompott auf Röstbrot.

Welche Frucht? Rontzier schreibt „Stichbirn“. Weil „Stichbeere“ in den Wörterbüchern die Stachelbeere ist und Rontzier „-birn“ auch für andere Beeren schreibt, lesen wir Stachelbeeren. Ob grüne oder reife gemeint sind, sagt der Text nicht.

Garen. Der Text nennt nur das Abmachen mit Wein und Zucker, keinen Garschritt. Bei den Weinbeeren kurz zuvor bringt Rontzier die Beeren ausdrücklich mit Wein zum Feuer. Roh im Wein bleiben Stachelbeeren hart und sehr sauer; in der Praxis die Beeren im Rotwein mit dem Zucker kurz aufkochen, bis sie weich werden und aufplatzen. Ob Rontzier sie auch roh angemacht hat, lässt der Text offen.

Praxis. Die Beeren von Stiel und Blütenrest befreien, im Wein mit Zucker kurz aufkochen und nach Geschmack nachsüßen. Das Brot rösten, die Beeren mit dem Wein erst kurz vor dem Auftragen darübergeben, damit es nicht ganz durchweicht, und mit Zucker bestreuen. Die Zubereitungszeit von etwa 20 Minuten ist eine Schätzung, der Text gibt keine Zeit an.

Sind das Stachelbeeren oder Birnen?

Wir lesen Stachelbeeren. „Stichbeere“ ist in den Wörterbüchern ein alter Name der Stachelbeere, Anna Wecker gebraucht ihn 1598 genauso, und Rontzier schreibt „-birn“ auch bei Johannis-, Heidel- und Erdbeeren. Eine Birnensorte dieses Namens ist nicht belegt.

Muss ich die Stachelbeeren kochen?

Der Text sagt es nicht. Roh im Wein bleiben sie hart und sehr sauer, darum in der Praxis kurz mit Wein und Zucker aufkochen, bis sie weich sind.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, Goldstandard. Ein Topf und ein Rost oder eine Pfanne für das Brot genügen. Frische Stachelbeeren gibt es nur im Frühsommer und sie halten sich nur wenige Tage; Wein, Zucker und Brot brauchen keine Kühlung.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Kunstbuch von mancherley Essen. Kochbuch des braunschweigisch-lüneburgischen Mundkochs Frantz de Rontzier, gedruckt 1598 in Wolfenbüttel. Höfische Bankett- und Schauessen-Küche: Gesottenes, Gebratenes, Pasteten, Hirsch, Geflügel und Wildbret für fürstliche Tafeln. Rontzier konnte nicht schreiben und hat das Buch diktiert.

Man macht die Stichbirn mit rotem Wein vnd Zucker ab / gibt ſie vber geroͤſtet Brot beſprengt ſie mit Zucker.
beſprengt

Bei Zucker heißt das bestreuen, nicht mit Flüssigkeit benetzen.

Druck
Kunstbuch Von mancherley Essen, Gesotten, Gebraten, Posteten, von Hirschen, Vogelen, Wildtprat, vnd andern Schawessen, so auff Fürstlichen, vnd andern Pancketen zuzurichten gehörich
Teil
Stichbirnsuppen
Sprache
Frühneuhochdeutsch (braunschweigische Druckersprache, 16. Jh.)
Entstehung
Wolfenbüttel, 1598

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Zuckerunrefined cane sugar Q57656231

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartStichbirn

Gewählte Lesart: Stachelbeeren. Grimm führt „stichbeere“, niederdeutsch „stickbeere“, als Stachelbeere, ebenso Campe und das Bayerische Wörterbuch; Anna Wecker nennt im selben Jahr 1598 „Erd oder Stichbeer“ für eine Stachelbeertorte. Rontzier schreibt „-birn“ auch sonst für Beeren (Johansbirn, Heydelbirn, Erdtbirn, Maulbirn), und an anderen Stellen macht er mit Stichbirn Saucen über Fisch und Braten säuerlich ab, wie es zu Stachelbeeren passt.

Andere mögliche Lesart:

  • Eine Birnensorte - „Birn“ kann wörtlich Birne heißen, und im folgenden Rezept heißt es „thut man andere Birn darunter“. Für eine Form auf „-birn“ als Birnensorte findet sich aber kein Wörterbuchbeleg, und Rontzier verlangt bei Stichbirn nie Schälen, Entkernen oder Zerschneiden.

Originalwerk (~1598) gemeinfrei.

Bildquelle
Scan 032, Österreichische Nationalbibliothek, Alt Prunk *44.S.114, Austrian Books Online Quelle öffnen
Transkription
Eigene Transkription nach den Seitenscans der Österreichischen Nationalbibliothek (Alt Prunk *44.S.114), an den Scans korrigiert Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/ron-0065
LagerkücheLagerküche · ⭐ Gold - vollständig lagerküchentauglich
Einfaches Obstgericht aus Beeren, Wein, Zucker und Brot; ein Topf und ein Rost oder eine Pfanne genügen. Frische Stachelbeeren gibt es nur im Frühsommer und sie halten sich nur wenige Tage.
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Stand dieser Fassung: 28.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.