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Stachelbeersuppe mit Eigelb und Wein auf Weißbrot

Kunstbuch Von mancherley Essen, Gesotten, Gebraten, Posteten, von Hirschen, Vogelen, Wildtprat, vnd andern Schawessen, so auff Fürstlichen, vnd andern Pancketen zuzurichten gehörich · Wolfenbüttel · 1598

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 7/10
Zubereitungszeitca. 25 Min. KüchenzeitBuchKunstbuch von mancherley Essen (~1598)

Die Stachelbeeren im Mörser stoßen und mit Eigelb und Wein durch ein Haartuch schlagen.

Danach weitere Beeren daruntergeben und alles zusammen über geröstetes Weißbrot gießen. Zuvor müssen die Beeren aber mit Zucker und Muskatblüte angemacht sein.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
die Stichbirn Stachelbeeren - im Sommer frisch, sonst tiefgekühlt -
andere Birn Weitere Beeren - - -
Eyerdottern Eigelb - - -
Wein Wein - - -
geroͤſtet weiß brot Geröstetes Weißbrot - - -
Zucker Zucker - - -
Muſcatenblumen Muskatblüte - gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel Muskatnuss, gemahlen, sparsam dosiert

Welches Gericht ist das? Eine süße Stachelbeersuppe: zerstoßene Stachelbeeren, mit Eigelb und Wein durch ein Haartuch geschlagen, mit weiteren Beeren, Zucker und Muskatblüte über geröstetes Weißbrot gegossen.

Stoßen und Durchschlagen. Das Stoßen im Mörser öffnet die Beeren, das Haartuch (ein Seihtuch, meist aus Pferdehaar) hält Schalen und Kerne zurück. Was durchläuft, ist eine glatte, säuerliche Creme aus Fruchtmark, Eigelb und Wein.

Weitere Beeren und Anmachen. Die weiteren Beeren kommen erst nach dem Durchschlagen dazu und bleiben ganz; ob das zusätzliche Stachelbeeren oder eine andere Beerensorte sind, sagt der Text nicht. Zucker und Muskatblüte gehören laut Text schon vor dem Übergießen an die Beeren.

Erwärmen. Rontzier nennt keinen Garschritt. Rohes Eigelb bindet kalt nicht; in der Praxis die Masse unter Rühren behutsam erwärmen, bis sie leicht dicklich wird, und nicht kochen lassen, sonst gerinnt das Eigelb.

Praxis. Weißbrotscheiben rösten und in die Schüssel legen, die Suppe darübergießen und gleich auftragen. Mengen nennt der Text nicht. Die Zubereitungszeit von etwa 25 Minuten ist eine Schätzung, der Text gibt keine Zeit an.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja. Gebraucht werden ein Mörser, ein Seihtuch und ein Feuer zum Brotrösten und zum behutsamen Erwärmen der Suppe. Engpass sind die Stachelbeeren, die es frisch nur im Sommer gibt (tiefgekühlte gehen auch), und das frische Eigelb: Die Suppe gehört gleich auf den Tisch und sollte nicht über Stunden in der Wärme stehen.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Kunstbuch von mancherley Essen. Kochbuch des braunschweigisch-lüneburgischen Mundkochs Frantz de Rontzier, gedruckt 1598 in Wolfenbüttel. Höfische Bankett- und Schauessen-Küche: Gesottenes, Gebratenes, Pasteten, Hirsch, Geflügel und Wildbret für fürstliche Tafeln. Rontzier konnte nicht schreiben und hat das Buch diktiert.

Item / die Stichbirn ſtoſſet man in einem Moͤrſel / ſchlecht ſie mit Eyerdottern vnnd Wein durch ein hartuch / alßdan thut man andere Birn darunter geuſt ſie zuſamen vber geroͤſtet weiß brot, doch dasſie zuuor mit Zucker vnd Muſcatenblumen angemacht ſein.
Muſcatenblumen

Muskatblüte (Macis), die getrocknete rote Samenhülle der Muskatnuss. Sie schmeckt milder und feiner als die Muskatnuss selbst.

Druck
Kunstbuch Von mancherley Essen, Gesotten, Gebraten, Posteten, von Hirschen, Vogelen, Wildtprat, vnd andern Schawessen, so auff Fürstlichen, vnd andern Pancketen zuzurichten gehörich
Teil
Stichbirnsuppen
Sprache
Frühneuhochdeutsch (braunschweigische Druckersprache, 16. Jh.)
Entstehung
Wolfenbüttel, 1598

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

andere Birnpear Q13099586
Eyerdotternyolk Q16336079
Weinwine Q282
Zuckerunrefined cane sugar Q57656231
Muſcatenblumenmace Q1882876

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartStichbirn

Gewählte Lesart: Stachelbeere. Das Grimmsche Wörterbuch führt stichbeere, niederdeutsch stickbeere, als Stachelbeere, ebenso Campe; Rontzier schreibt die Endung -birn regelmäßig für Beeren (Johansbirn, Wacholderbirn, Weinbirn). Er nimmt Stichbirn grün oder zeitig für Torten und setzt sie wie hier säuerlich mit Eigelb, Wein und Muskatblüte ein. Zerstoßen und durch ein Tuch geschlagen ergibt eine Beere ein glattes Mark.

Andere mögliche Lesart:

  • Eine Birnensorte (Stichbirne) - Dafür spricht hier allein der Satz thut man andere Birn darunter, der wie ein Vergleich mit anderen Birnen klingt. Die Form Stichbirne als Birnensorte ist in den Wörterbüchern nicht belegt, und bei Rontzier heißen auch Beeren Birn; der Satz passt deshalb ebenso zu weiteren Beeren.

LesartErwärmen der Eigelb-Wein-Masse

Gewählte Lesart: Der Text nennt keinen Garschritt: Die durchgeschlagene Masse aus Beeren, Eigelb und Wein wird angemacht und über das geröstete Brot gegossen.

Andere mögliche Lesart:

  • Behutsam erwärmen, bis die Masse leicht bindet - Eigelb bindet erst warm; in der Praxis unter Rühren erwärmen und nicht kochen lassen, sonst gerinnt das Eigelb. Das ist eine heutige Empfehlung, nicht Rontziers Wortlaut.

Originalwerk (~1598) gemeinfrei.

Bildquelle
Scan 033, Österreichische Nationalbibliothek, Alt Prunk *44.S.114, Austrian Books Online Quelle öffnen
Transkription
Eigene Transkription nach den Seitenscans der Österreichischen Nationalbibliothek (Alt Prunk *44.S.114), an den Scans korrigiert Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/ron-0066
LagerkücheLagerküche
Ja: Mörser, Seihtuch und ein Feuer zum Brotrösten und Erwärmen reichen. Frische Stachelbeeren gibt es nur im Sommer, das Eigelb muss frisch sein, und die fertige Suppe wird gleich gegessen.
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Stand dieser Fassung: 28.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.