Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581
Willst du aber ein solches Gebäck geben, das schön warm ist, dann nimm kleine Krüglein oder Töpfchen, einen Finger hoch, schiebe es mit ihnen in den Ofen und backe es. Zerschlage die Krüglein und Töpfchen, damit das Gebäck schön ganz bleibt.
Nimm frische Maibutter und zerlasse sie, wälze das Gebäck darin herum und bestreue es gut mit weißem Zucker. Gib es warm auf den Tisch, so ist es ein gutes warmes Gebäck.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| ein solchs Gebackens | ein solches Gebäck | - | - | - |
| frische Meybutter | frische Maibutter | - | Supermarkt | frische Butter |
| weissem Zucker | weißer Zucker | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Die warme Spielart des Krug-Gebäcks aus Nr. 43 (rum-1695): Statt in einem großen Krug wird der Teig in kleinen, fingerhohen Krüglein oder Töpfchen gebacken. Die Formen werden zerschlagen, die ganzen Stücke in zerlassener Maibutter gewälzt und mit weißem Zucker bestreut, dann warm aufgetragen. Heute erinnert das an kleines Hefegebäck aus der Form mit Butter-Zucker-Überzug.
Welcher Teig? Das Rezept nennt ihn nicht. Die Kette im Kapitel führt zum Hefeteig aus Nr. 41 (rum-1693): Milch, Eier, schönes weißes Mehl und wenig Bierhefe, nicht zu fest, an der Wärme aufgehen lassen. Das ist erschlossen, nicht ausdrücklich gesagt.
Füllen und Backen. Wie hoch gefüllt wird und ob die Töpfchen ausgefettet werden, steht nicht da. Nr. 43 füllt den Krug zur Hälfte, lässt den Teig aufgehen, bis die Form voll ist, und schiebt ihn erst dann in den heißen Ofen. Als moderner Richtwert gelten etwa 180 bis 200 °C und 20 bis 30 Minuten je nach Größe.
Zerschlagen. Die Form wird zerschlagen, damit das Gebäck ganz bleibt; das ist Rumpolts Verfahren. Wer mit feuerfesten Förmchen arbeitet und nicht zerschlagen will, muss sie gut ausfetten und das Gebäck stürzen, weicht damit aber vom Text ab.
Butter und Zucker. Das noch heiße Gebäck in der zerlassenen Butter wälzen, dann gut mit Zucker bestreuen; die Butter hält den Zucker. Warm servieren: Darin liegt der Unterschied zu Nr. 43, das kalt und ganz „wie ein Krug“ auf den Tisch kommt.
Praxis. Hefeteig nach Nr. 41 ansetzen und aufgehen lassen, kleine Formen etwa zur Hälfte füllen, nochmals aufgehen lassen, backen, aus der Form lösen, sofort in zerlassener Butter wälzen und zuckern. Mengen nennt Rumpolt keine.
Kein fertiges Gebäck, sondern der Teig der vorangehenden Nummern, hier in kleinen Töpfchen gebacken. Nr. 43 (rum-1695) bäckt „ein solchen Teig“ im Krug, und ausgeführt ist dieser Teig nur in Nr. 41 (rum-1693): ein Hefeteig aus Milch, Eiern, weißem Mehl und Bierhefe. Rumpolt nennt die Nummer nicht; die Zuordnung ergibt sich aus der Reihenfolge im Kapitel.
So steht es im Text: Die Krüglein und Töpfchen werden zerschlagen, damit das Gebäck ganz bleibt. Mit gut ausgefetteten feuerfesten Förmchen lässt sich das Gebäck auch stürzen; das ist eine moderne Abweichung, nicht Rumpolts Verfahren.
Maibutter. Grimms Wörterbuch erklärt sie als im Mai bereitete, besonders schmackhafte Butter, das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch als im Mai gewonnene Butter. Frische, gute Butter tut es heute.
Nein. Gebraucht werden ein Backofen, ein aufgegangener Hefeteig nach Nr. 41 und für jedes Stück ein Töpfchen, das nach dem Backen zerschlagen wird.
Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 2.000 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.
Das gebackene Teigstück. „ein solchs Gebackens“ verweist zurück auf die vorangehenden Nummern des Kapitels: auf das Krug-Gebäck Nr. 43 (rum-1695) und den dort verwendeten Teig, den nur Nr. 41 (rum-1693) ausführt.
Kleine Krüglein oder Töpfchen, einen Finger hoch. Sie dienen als Backform und werden nach dem Backen zerschlagen, damit das Gebäck ganz bleibt.
„scheub es damit“: Geschoben wird das Gebäck, und zwar mit den Töpfchen, in denen es steckt.
Maibutter: nach Grimms Wörterbuch eine im Mai bereitete, besonders schmackhafte Butter; das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch führt meienbutter als im Mai gewonnene Butter.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
Gebackens
Gewählte Lesart: Rückverweis auf den Teig der vorangehenden Nummern: Nr. 43 (rum-1695) füllt „ein solchen Teig“ in den Krug, Nr. 42 nimmt „ein solchen Teig“, ausgeführt ist nur der Hefeteig aus Milch, Eiern, weißem Mehl und Bierhefe in Nr. 41 (rum-1693). Dass Nr. 44 diesen Teig meint, ist aus der Kette erschlossen; Rumpolt nennt keine Nummer.
Andere mögliche Lesart:
scheubs darmit
Gewählte Lesart: „scheub es damit“: Objekt ist das Gebäck, „darmit“ meint die Krüglein und Töpfchen, in denen es gebacken wird.
Andere mögliche Lesart:
Ausschmieren der Töpfchen
Gewählte Lesart: Der Text sagt nichts vom Ausfetten; da die Gefäße ohnehin zerschlagen werden, bleibt es offen.
Andere mögliche Lesart:
Ofenhitze und Backzeit
Gewählte Lesart: Nr. 44 sagt nur „in Ofen“; Nr. 43 nennt einen „heissen Ofen“. Zeit und Hitze gibt Rumpolt nicht an.
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 19.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.