Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581
Süßholz, Anis und Fenchelsaft in den Wein geben, und zwar so, dass das Süßholz doppelt so viel ausmacht wie das andere. Diesen Wein soll man stets trinken.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Suͤß Holtz | Süßholz | - | Apotheke, Kräuterhandel (Süßholzwurzel) | - |
| Eniß | Anis | - | - | - |
| Fenchelsafft | Fenchelsaft | - | - | Fenchelsamen (moderne Näherung, nicht aus dem Text) |
| Wein | Wein | - | - | - |
Was ist das für ein Getränk? Kein Gericht, sondern ein Heilwein gegen Husten: Süßholz, Anis und Fenchelsaft kommen in Wein, der Wein ist Auszugsmittel und Träger. Gekocht, vergoren oder geklärt wird nicht.
„in Wein gelassen“. Rumpolt sagt nur, dass die Zutaten im Wein bleiben. Dauer, Wärme und Gefäß nennt er nicht, ein Abseihen ebenso wenig. Heute setzt man kalt an, lässt einige Tage ziehen und seiht dann ab; das ist moderne Praxis, nicht der Text.
Das Verhältnis. Das Süßholz soll „zwyfach gegen dem andern“ sein, also doppelt so viel. Ob jede der beiden anderen Zutaten gemeint ist oder beide zusammen, bleibt offen. Absolute Mengen gibt es nicht, und hier wird keine festgelegt.
Fenchelsaft. Rumpolt schreibt ausdrücklich Saft, nicht Samen und nicht Fenchelwasser. Wie er gewonnen wurde, sagt er nicht. Wer keinen bekommt, kann Fenchelsamen mitziehen lassen; das ist eine moderne Näherung.
Süßholz und Wein. Ob die Wurzel ganz oder geschnitten hineinkommt und welcher Wein es sein soll, steht nicht da. Jeder Wein passt, Most ist nicht gemeint.
Praxis. Das Rezept nennt weder Mengen noch Zeiten, eine Zubereitungszeit lässt sich daher nicht angeben. „staͤts trincken“ heißt regelmäßig trinken; eine Dosis nennt der Text nicht, und hier wird keine empfohlen. Die Wirkung gegen Husten ist Rumpolts Angabe, kein medizinischer Rat. Moderner Hinweis, nicht aus Rumpolt: Süßholz kann in größeren Mengen über längere Zeit den Blutdruck erhöhen.
Eingeschränkt. Der Ansatz braucht kein Feuer, nur Wein und die Zutaten. Der Text nennt aber weder Mengen noch eine Ziehzeit, und Fenchelsaft bekommt man nicht ohne Weiteres. Fenchelsamen sind nur eine moderne Näherung.
Das Süßholz soll doppelt so viel ausmachen wie „das andere“. Ob damit jede der beiden anderen Zutaten gemeint ist oder Anis und Fenchelsaft zusammen, lässt der Satz offen. Absolute Mengen nennt der Text nicht, und hier wird keine vorgegeben.
Es ist ein historisches Hausmittel und kein ärztlicher Rat. Die Wirkung gegen Husten ist Rumpolts Angabe. Moderner Hinweis, nicht aus der Quelle: Süßholz kann bei regelmäßigem Genuss größerer Mengen den Blutdruck erhöhen und den Kaliumspiegel senken, außerdem enthält das Getränk Alkohol. Bei echten Beschwerden bitte ärztliche Hilfe suchen.
Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 2.000 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.
Süßholz, die Wurzel der Lakritzpflanze (Glycyrrhiza glabra). Das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch nennt es als Mittel gegen Heiserkeit.
Anis, die Samen der Anispflanze.
Fenchelsaft. Das Wort ist seit dem 14. Jahrhundert belegt, wie der Saft gewonnen wurde, sagt Rumpolt nicht. Am nächsten liegt der ausgepresste Saft der Pflanze. Beim Augentrostwein unterscheidet Rumpolt davon das „Fenchelwasser“.
Zweifach, doppelt. Worauf sich „gegen dem andern“ bezieht, ist offen: auf jede der beiden anderen Zutaten oder auf beide zusammen.
Stets, beständig, also regelmäßig.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| Eniß | anise Q33873455 |
| Wein | wine Q282 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
Fenchelsafft
Gewählte Lesart: Fenchelsaft im Wortlaut, am ehesten ausgepresster Saft der Pflanze. Das Wort ist als Zutat belegt (DWB, Macer floridus 14. Jh.; englisch „Juys of Fenel“ in der Forme of Cury), die Gewinnung nennt Rumpolt nicht.
Andere mögliche Lesart:
in Wein gelassen
Gewählte Lesart: Die Zutaten in den Wein geben und darin lassen. Von Erhitzen ist nicht die Rede; die Nachbarrezepte der Serie setzen ihre Zutaten ebenfalls ohne Feuer im Wein an.
Andere mögliche Lesart:
zwyfach gegen dem andern
Gewählte Lesart: Süßholz doppelt so viel wie jede der beiden anderen Zutaten. „zwyfach“ heißt sicher „doppelt“, offen ist allein der Bezug.
Andere mögliche Lesart:
Ziehdauer und Temperatur
Gewählte Lesart: Nicht benannt. Wie beim Ochsenzungenwein bleiben die Zutaten im Wein, und man trinkt davon.
Andere mögliche Lesart:
Mengen und Weinmenge
Gewählte Lesart: Nur das Verhältnis ist angegeben, die Menge richtet sich nach Gefäß und Bedarf.
Andere mögliche Lesart:
Wein: Farbe und Art
Gewählte Lesart: Rumpolt schreibt nur „Wein“, ohne Farbe oder Herkunft.
Andere mögliche Lesart:
Süßholz ganz oder zerkleinert
Gewählte Lesart: Nicht benannt, bleibt offen.
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 20.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.