Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581
Ysopwein zehrt auf und zieht an sich. Man soll Süßholz dazugeben.
Ein solcher Wein ziemt den Alten. Er ist gut für den feuchten Husten und die fallende Sucht, am meisten aber bei Kindern.
Er trocknet und heilt die heimlichen Orte, wenn man sie damit wäscht. Er macht eine klare Stimme und ziemt den Wassersüchtigen.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Wein | Wein | - | - | - |
| Jsopen | Ysop | - | Wochenmarkt, Kräutergärtnerei, Online-Gewürzhandel | - |
| suͤß Holtz | Süßholz | - | Gewürzhandel, Reformhaus, Teehandel | - |
Was ist das? Kein Gericht, sondern ein Kräuterwein-Eintrag aus der Weinfolge im Anhang: Der Kopf nennt den Ysopwein, der Text zählt seine Wirkungen auf. Eine Herstellung beschreibt Rumpolt nicht; der einzige Handgriff ist „Man sol suͤß Holtz darzu thun“.
Wie kommt der Ysop in den Wein? Für Ysop schreibt Rumpolt keinen Weg vor. Die Nachbarn zeigen mehrere: das Kraut ins Fass hängen (Nelken- und Salbeiwein, rum-1984 und rum-1989), den Wein durch das Kraut seihen (Wermutwein, rum-1986) oder im Most sieden und vergären (Alantwein, rum-1988). Keiner davon wird hier ausdrücklich auf Ysop übertragen. Ob frisch oder getrocknet, wie viel und wie lange, bleibt offen.
Wein oder Most. Der Text sagt nur „Wein“. Die benachbarten Kräuterweine für Borretsch und Alant setzen in Most an; heute liegt fertiger Wein nahe, ohne dass der Text das entscheidet.
Das Süßholz. Wann es dazukommt und ob es im Wein bleibt, sagt Rumpolt nicht. Beim Süßholzwein (rum-1985) gibt er es in den Wein, dort mit einem Mengenverhältnis; hier fehlt jede Menge.
„Verzehret vnd zeucht an sich“. Der erste Satz beschreibt eine Wirkung, kein Verfahren: Der Wein zehrt auf und zieht an sich, ein Objekt nennt der Text nicht. Nach der Säftelehre liegt Feuchtigkeit nahe, ausgesprochen ist das nicht.
Praxis. Ansatz, Mengen und Ziehzeit stehen nicht im Text und werden hier nicht ergänzt; eine Zubereitungszeit lässt sich deshalb nicht angeben. Wer einen Ysopwein versucht, folgt einem eigenen Weg, nicht Rumpolt. Moderner Hinweis, nicht aus Rumpolt: Das ätherische Öl des Ysops wird zu den krampfauslösenden Pflanzenölen gezählt (Burkhard u. a. 1999, „Plant-induced seizures“); die Wirkung gegen die fallende Sucht ist eine historische Angabe, kein Rat.
Das sagt der Text nicht. Rumpolt nennt weder Mengen noch eine Ziehzeit und beschreibt auch keinen Ansatz; überliefert ist nur, dass Süßholz dazugegeben wird. Mengen werden hier nicht ergänzt.
Nein. Der Eintrag ist eine Wirkungsliste ohne Herstellungsanweisung: keine Mengen, kein Ansatz, keine Zeit. Der einzige Handgriff ist die Zugabe von Süßholz, zum Nachstellen reicht das nicht.
Die Fallsucht, also die Epilepsie. Die Zuschreibung der Wirkung beruht auf der Säftelehre des 16. Jahrhunderts und ist kein medizinischer Rat. Moderner Hinweis, nicht aus Rumpolt: Das ätherische Öl des Ysops wird zu den krampfauslösenden Pflanzenölen gezählt (Burkhard u. a. 1999).
Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 2.000 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.
Ysopwein, nach dem Ysop (Hyssopus officinalis), einem würzigen Heil- und Küchenkraut, benannt. Wie der Ysop in den Wein kommt, sagt der Text nicht. Rumpolts Anhang führt eine ganze Reihe solcher Kräuterweine mit Wirkungsbeschreibung.
Wirkungsbeschreibung nach der Säftelehre: „verzehren“ meint hier aufzehren oder aufbrauchen. Ein Objekt nennt der Text nicht; das Subjekt, der Wein, kommt aus der Überschrift.
Süßholz, die Wurzel der Lakritzpflanze (Glycyrrhiza glabra).
Die Fallsucht, also die Epilepsie, in der Sprache der Zeit.
Wörtlich „heimliche Orte“, eine verhüllende Wendung für Körperstellen, über die man nicht offen spricht. Hier werden sie mit dem Wein gewaschen. Ob die Scham, der After oder verborgene Wunden gemeint sind, bleibt offen; dieselbe Wendung steht beim Wermutwein (rum-1986).
Menschen mit Wassersucht, also Wasseransammlungen im Körper (Ödemen).
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| Wein | wine Q282 |
| Jsopen | hyssop Q137931 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
Verzehret vnd zeucht an sich
Gewählte Lesart: Wörtlich „zehrt auf und zieht an sich“, ohne Objekt, weil der Text keines nennt. Die Wörterbücher kennen „verzehren“ als aufzehren und aufbrauchen, einen Beleg für ein absolutes „an sich ziehen“ bieten sie nicht.
Andere mögliche Lesart:
Gewählte Lesart: Wörtlich als „heimliche Orte“ belassen: eine verhüllende Wendung für Körperstellen, die man mit dem Wein wäscht, ohne genauere Festlegung, weil kein Wörterbuchbeleg die Stelle klärt. So auch beim Wermutwein (rum-1986).
Andere mögliche Lesarten:
Wein als Grundlage
Gewählte Lesart: „Wein“, wie Kopf und Text sagen; ob Most oder ausgebauter Wein, lässt der Text offen. Die benachbarten Kräuterweine für Borretsch und Alant (rum-1987, rum-1988) setzen in Most an.
Andere mögliche Lesart:
Ansatz des Ysops
Gewählte Lesart: Wie bei den Nachbarn: das Kraut ins Fass hängen (rum-1984, rum-1989) oder den Wein durch das Kraut seihen (rum-1986). Für Ysop schreibt Rumpolt keinen der Wege ausdrücklich vor.
Andere mögliche Lesart:
Zugabe des Süßholzes
Gewählte Lesart: Das Süßholz mit dem Kraut ansetzen oder dem Wein zugeben, wie beim Süßholzwein (rum-1985), wo Rumpolt es „in den Wein“ gibt.
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 20.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.