Wo Mittelalter stattfyndet. Where medieval times happen.
Im Viewer öffnenIm Viewer öffnen ÜbersetzenTranslate DokumentDruckversion DokumentTEI-XML

Salbeiwein

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

BochetGetränkLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10
BuchEin new Kochbuch (~1581)

Salbeiwein wird auf mancherlei Weise gemacht. Etliche hängen Salbei in ein Fässlein, etliche sieden ihn.

Er ist gut bei allen Gebrechen des Zahnfleisches, bei Zahnweh, bei Beschwerden des Zungengeäders und der Glieder. Er stärkt sie gegen Lähmung und Krampf und hilft gegen die fallende Sucht. Vor allem hilft er bei Leiden des Magens und der Gebärmutter, denn das sind aderreiche Stellen.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Salbey Salbei - - -
Wein Wein - - -

Was ist das? Kein Gericht, sondern ein Kräuterwein als Hausarznei aus der Weinfolge im Anhang, die vom Nelkenwein bis zum Ysopwein reicht. Rumpolt nennt zwei Ansetzweisen und eine Liste von Anwendungsgebieten, aber keine Mengen, keine Zeiten und keine Weinsorte.

Hängen im Fässlein. Der Salbei wird in ein Fässchen gehängt, ohne Hitze. Was im Fass ist und worin der Salbei hängt, sagt der Text nicht. Beim Nelkenwein (rum-1984) hängt Rumpolt die Nelken in einem Säcklein in ein Fass mit Most. Heute würde man den Salbei in einem Säckchen in Wein ziehen lassen; das ist ein moderner Weg, kein Wortlaut.

Sieden. Worin der Salbei gesotten wird, nennt der Text ebenfalls nicht. Rumpolts eigener Verweis im Alantwein (rum-1988), „Also magstu auch mit den Salbeyen thun“, beschreibt das Verfahren, das er für Salbei kennt: in frischem Most von der Kelter sieden, den klaren Sud in ein Fass mit Most gießen und vergären lassen. Hier wiederholt er das nicht. Wer den Salbei schlicht in Wein aufkocht, folgt dem Titel, nicht dem Verweis.

Praxis. Mengen und Dauer stehen weder hier noch im Alantwein und sind nicht zu ergänzen. Ein heutiger Versuch, Salbei in Wein ziehen zu lassen, ist ein eigener Ansatz ohne Grundlage im Text.

Wie wird Salbeiwein nach diesem Text gemacht?

Rumpolt nennt nur zwei Wege: Salbei in ein Fässlein hängen oder ihn sieden. Mengen, Zeiten, Weinsorte und die Flüssigkeit, in der gesotten wird, fehlen. Im Alantwein direkt davor schreibt er „Also magstu auch mit den Salbeyen thun“: Dort wird in frischem Most von der Kelter gesotten, der Sud in ein Fass mit Most gegossen und vergoren. Ob das hier genauso gemeint ist, lässt der Text offen.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein. Der Text ist ein Heilwein-Eintrag ohne Mengen und Arbeitsschritte, und Ansatz wie Ziehen oder Gären im Fass brauchen Zeit, die der Text nicht nennt. Am Stand lässt sich nichts vorführen.

Was bedeuten die genannten Leiden wie Paralysis und fallende Sucht?

Gemeint sind Lähmungen und die Fallsucht (Epilepsie). Der Text führt sie als Anwendungsgebiete der Zeit auf. Es handelt sich um historische Heilversprechen, nicht um gesicherte Wirkungen.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 2.000 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

Salbey Wein. Wirt mancherley weiß gemacht, etlich henckẽ Salbey in ein Faͤßlein, etlich sieden sie. Jst gut zu allen gebraͤchen deß Zanfleisches, Zanweh, Zungen Geaͤder vnd Gliedern, staͤrcket sie wider Paralysin, vnd den Krampff, hilfft zu der fallenden Sucht, vnd vorauß in den sachen deß Magens, vnnd der Mutter, denn es seind aͤderige staͤtt.
Salbey Wein

Mit Salbei angesetzter Wein als Hausarznei, einer der Kräuterweine im Anhang des Buches. Der Text nennt weder eine Weinsorte noch, ob Wein oder Most angesetzt wird.

henckẽ Salbey in ein Faͤßlein

Der Salbei wird in ein Fässchen gehängt. Was im Fass ist und wie lange er dort bleibt, nennt der Text nicht. Beim Nelkenwein (rum-1984) hängt Rumpolt die Nelken in einem Säcklein in ein Fass mit Most.

etlich sieden sie

„sie“ ist der Salbei, im Druck weiblich. Worin gesotten wird, sagt der Text nicht. Im Alantwein (rum-1988) verweist Rumpolt ausdrücklich auf Salbei; dort wird in frischem Most gesotten und der Sud im Fass vergoren.

Zanfleisches

Zahnfleisch.

Zungen Geaͤder

„Geäder“ meint die Adern, kann in der Sprache der Zeit aber auch die Sehnen bezeichnen. Die „äderigen Stätt“ am Satzende sprechen hier für die Adern.

Paralysin

Lähmung (von griechisch-lateinisch paralysis), hier als Akkusativ-Form auf -in.

fallenden Sucht

Die Fallsucht, also die Epilepsie, in der Sprache der Zeit.

Mutter

In der Heilkunde der Zeit die Gebärmutter, nicht die Mutter als Person.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Anhang: Wie man Wein macht, pflegt und bessert
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Salbeycommon sage Q1111359
Weinwine Q282

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartGeaͤder

Gewählte Lesart: Adern: Rumpolt begründet die Wirkung am Satzende mit „äderige Stätt“, das stützt den Sinn Adern.

Andere mögliche Lesart:

  • Sehnen - Das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch kennt für „geäder“ auch den Sinn Sehnen; im Alantwein (rum-1988) ist das Wort als Blutgefäße und Sehnen erklärt. Hier nicht ausgeschlossen.

LesartZungen Geaͤder vnd Gliedern

Gewählte Lesart: „bei Beschwerden des Zungengeäders und der Glieder“: zwei Bereiche, Zungengeäder als Zusammensetzung.

Andere mögliche Lesart:

  • „bei Leiden der Zunge, des Geäders und der Glieder“ als Aufzählung dreier Bereiche - Ohne Satzzeichen im Druck ist die Gruppierung offen; „Geäder“ könnte auch für sich stehen.

Lesartstaͤrcket sie wider Paralysin

Gewählte Lesart: „stärkt sie gegen Lähmung“: „sie“ bezieht sich auf die zuvor genannten Glieder.

Andere mögliche Lesart:

  • „sie“ als das Geäder - Das Bezugswort ist im Satz nicht eindeutig; ein Bezug auf die Adern wäre grammatisch ebenfalls möglich.

LesartParalysin

Gewählte Lesart: Lähmung: nach der Wortform (lateinische Entlehnung paralysis) und dem Zusammenhang mit Krampf und Fallsucht im selben Satz.

Andere mögliche Lesart:

  • Schlaganfall - Frühneuzeitlich wird Paralyse auch für den Schlagfluss gebraucht; die Nachbarschaft zu Krampf und Fallsucht spricht eher für Lähmung.

Lesartetlich sieden sie

Gewählte Lesart: Salbei wird gesotten; die Flüssigkeit nennt der Text nicht. Rumpolts eigener Verweis im Alantwein (rum-1988, „Also magstu auch mit den Salbeyen thun“) legt das dortige Verfahren nahe: in frischem Most von der Kelter sieden, den Sud in ein Fass mit Most gießen und vergären lassen. Die älteren Weinbücher (Hirnkofen 1478, Codex Breyell 1511) verbinden Alant- und Salbeiwein ebenso.

Andere mögliche Lesart:

  • Salbei in Wein sieden oder ziehen lassen (heutiger Weg) - Liegt vom Titel her nahe, steht aber nicht im Text und geht über Rumpolts Verweis auf das Most-Verfahren hinweg.

Lesarthenckẽ Salbey in ein Faͤßlein

Gewählte Lesart: Der Salbei wird ohne Hitze in ein Fass gehängt, in dem Most oder Wein liegt; Behältnis und Fassinhalt nennt der Text nicht. Beim Nelkenwein (rum-1984) hängt Rumpolt die Nelken „Jn einem Saͤcklein“ in ein Fass mit Most, und das Aufhängen des Salbeis im Fass kennt schon Arnald von Villanova.

Andere mögliche Lesart:

  • Salbei in einem Säckchen in Wein ziehen lassen (heutiger Weg) - Praktisch naheliegend, aber Säckchen und Wein sind hier ergänzt; Rumpolt nennt beides nicht.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CXCIIIIb, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-1989
LagerkücheLagerküche
Kein ausgearbeitetes Rezept, sondern ein Heilwein-Eintrag ohne Mengen und Arbeitsschritte. Ansatz und Ziehen oder Gären im Fass brauchen Zeit, der Text nennt keine; vorführen lässt sich am Stand nichts.
Alle Rezepte aus Ein new Kochbuch Alle Kochbücher

Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.

Stand dieser Fassung: 20.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.