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Deftige Bratwürste mit Speck

Das kochbúch der sabina welserin · Augsburg · 1553

SchweinHauptspeise · SchweinLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 7/10
Zubereitungszeit90 Min.Portionenca. 20-25 Bratwürste (ca. 5 kg Fleisch und Speck, mit Wasser ca. 6,5 kg Füllmasse)BuchDas Kochbuch der Sabina Welserin (~1553)

Wollt ihr gute Bratwürste machen, nehmt 4 Pfund Schweinefleisch und 4 Pfund Rindfleisch und lasst beides fein hacken. Gebt danach 2 Pfund Speck darunter und hackt alles gut zusammen. Gießt etwa 1,5 Liter Wasser dazu und gebt Salz und Pfeffer hinzu, ganz nach eigenem Geschmack.

Wer gerne Kräuter in der Wurst mag, kann ein wenig Salbei und ein wenig Majoran dazugeben. So bekommt ihr gute Bratwürste.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
4 pfúnd schweinis Schweinefleisch 2000 g Metzger -
4 pfúnd rinderis Rindfleisch 2000 g Metzger -
2 pfúnd speck Speck 1000 g Metzger -
3 seidlen wasser ca. 1,5 Liter Wasser 1½ l Leitung -
saltz Salz - - -
pfeffer Pfeffer - - -
ain wenig ain salua Salbei - - -
ain wenig maseron Majoran - - -

Welches Gericht ist das? Eine klassische Bratwurst aus grob gehacktem Schweine- und Rindfleisch mit Speck, gebunden mit Wasser, gewürzt mit Salz und Pfeffer und wahlweise Salbei und Majoran. Verfahren und Zutatenprofil entsprechen im Kern der heutigen deutschen Bratwurst-Herstellung - Schweine-Rind-Speck-Mischungen mit Majoran als Würznote sind bis heute in vielen deutschen Regionalrezepten üblich, eine Zuordnung zu einer bestimmten heute geschützten Sorte lässt sich aus dem Text aber nicht belegen.

Der Text nennt weder das Füllen in Wursthüllen noch die Gar- oder Bratmethode - beides galt den Zeitgenossen offenbar als selbstverständliches Küchenwissen, das keiner eigenen Erwähnung bedurfte. Für die Praxis unten sind Füllen und Braten entsprechend eine naheliegende, aber im Text selbst nicht belegte Ergänzung.

Praxis. Schweinefleisch, Rindfleisch und Speck von Hand fein hacken - die vor-mechanische Vorstufe des heutigen Wolfens, bei den rund 5 Kilo Rohmasse dieses Rezepts eine reale, aber gut zu bewältigende Arbeit. Das Wasser (bei 0,5 Liter je Seidel etwa 1,5 Liter) unter die rohe Masse arbeiten, das macht die Füllung saftiger und bindet sie, ein Prinzip, das auch in der modernen Brühwurstherstellung üblich ist. Mit Salz und Pfeffer nach Geschmack würzen, nach Wunsch etwas Salbei und Majoran dazugeben - Majoran gilt bis heute als das klassische deutsche Bratwurstgewürz. Die gewürzte Masse in Naturdarm füllen und über offener Glut braten oder grillen; ohne Darm lässt sich dieselbe Masse auch als flache Bratlinge in der Pfanne braten.

Im Originaltext steht nichts vom Füllen in Wursthüllen oder vom Braten. Wie geht man da praktisch vor?

Das war für die Zeitgenossen offenbar so selbstverständlich, dass es nicht extra erwähnt wurde. Praktisch füllt man die gewürzte Fleisch-Speck-Masse in Naturdarm (beim Metzger erhältlich) und brät oder grillt die Würste danach über offener Glut. Wer keinen Darm verwenden will, kann die Masse auch als flache Bratlinge in der Pfanne braten, der Geschmack bleibt derselbe.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Nein. Das Mischen und Stopfen roher Wurstmasse aus Schweine-, Rindfleisch und Speck gehört in den Metzgerbetrieb, nicht an den Marktstand - ohne Kühlkette ist die Verarbeitung größerer Mengen rohen Hackfleischs unter freiem Himmel ein Hygienerisiko und stößt meist auch an die Lebensmittel-Auflagen für Marktstände. Fertig gegarte Bratwürste zum Grillen mitzubringen ist dagegen unproblematisch.

Was ist ein 'Seidel' Wasser?

Ein Seidel ist ein historisches Flüssigkeitsmaß, das regional zwischen etwa 0,35 und 0,5 Liter schwankte. Für dieses Rezept haben wir 0,5 Liter je Seidel angesetzt, macht bei 3 Seideln rund 1,5 Liter Wasser - wer von einem kleineren regionalen Seidel-Maß ausgeht, landet eher bei etwas über einem Liter.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch der Sabina Welserin“. Von der Verfasserin selbst 1553 datiertes Kochbuch aus dem Augsburger Patriziat - eines der wenigen frühneuzeitlichen deutschen Kochbücher, das eine Frau als Autorin nennt. Gloning zählt 205 Rezeptnummern, dazu sechs als Sub-Buchstaben gezählte Zweitschriften (1a, 2a, 3a, 7a, 136a, 137a), die im Codex an anderer Stelle stehen als ihre Originale. Handschrift: Augsburg, Staats- und Stadtbibliothek, 4° Cod 137 (XXI + 55 Bl., Register auf Bl. I-XXI, Rezepte ab Bl. 1r).

Weltt jr gútt prattwirst machen So nempt 4 pfúnd schweinis vnnd 4 pfúnd rinderis, das last klainhacken, nempt darnach 2 pfúnd speck darúnder vnnd hackts anainander vnnd vngeferlich 3 seidlen wasser giest daran, thiet aúch saltz, pfeffer daran, wie jrs geren est, oder wan jr geren kreúter darin megt haben/ múgt jr nemen ain wenig ain salua vnnd ain wenig maseron, so habt jr gút brattwirst/.
seidlen

Seidel, ein historisches Flüssigkeitsmaß, regional unterschiedlich, hier grob mit 0,5 Liter je Seidel angesetzt.

salua

Salbei, hier als optionales Würzkraut für die Wurst genannt.

maseron

Majoran, klassisches Bratwurst-Gewürz, das bis heute in vielen deutschen Bratwurst-Rezepten steckt.

prattwirst

Bratwurst, schwäbische Schreibweise mit p statt b, ein für den Dialekt typischer Lautwechsel.

Handschrift
Das kochbúch der sabina welserin
Folio
Fol. 8 verso
Sprache
Frühneuhochdeutsch (ostschwäbisch/augsburgisch, Mitte 16. Jh.)
Entstehung
Augsburg, 1553

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

2 pfúnd speckbacon Q11106
saltztable salt Q11254
pfefferpepper Q3143131
ain wenig ain saluacommon sage Q1111359

Originalwerk (~1553) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 8 verso, Augsburg, Staats- und Stadtbibliothek, 4° Cod 137 (urn:nbn:de:bvb:37-dtl-0000005911)
Transkription
Uni Giessen (Gloning, Internet-Ausgabe nach Stopp 1980) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Nicht für die Lagerküche: Das Mischen und Stopfen roher Wurstmasse (Schweine-/Rindfleisch, Speck) am offenen Marktstand ist eine Aufgabe für den Metzgerbetrieb, nicht fürs Lager - ohne Kühlkette und unter freiem Himmel ist das Verarbeiten größerer Mengen rohen Hackfleischs ein Hygienerisiko und in aller Regel auch mit den Lebensmittel-Auflagen eines Marktstandes nicht vereinbar. Fertige, bereits gegarte Bratwürste zum Grillen mitzubringen ist unproblematisch - das Herstellen roher Wurstmasse vor Ort nicht.
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Stand dieser Fassung: 16.08.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.