Das kochbúch der sabina welserin · Augsburg · 1553
Für ein Schüsselmus schlag Eier und Milch untereinander. Nimm eine zinnerne Schüssel, gib ausgelassenes Schmalz hinein und setz sie auf einen Rost, unter dem glühende Kohlen liegen.
Schütt die Eier und die Milch in die Schüssel und deck eine zweite Schüssel darüber. Sobald die obere Schüssel zu schwitzen beginnt, wisch das Wasser mit sauberen Tüchern ab und deck sie wieder zu, bis die Masse gestockt ist.
Dann mach ein Schmalz heiß, gieß es darüber und seih es wieder ab, damit es oben braun wird.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| air | Eier | - | - | - |
| milch | Milch | - | - | - |
| ergangen schmaltz | Schmalz | - | - | Butterschmalz |
Welches Gericht ist das? Eine gestockte Eier-Milch-Masse ohne Zucker und Gewürze - im Ergebnis nah an einem ungesüßten Eierstich bzw. einem schlichten herzhaften Flan. Besonders ist die Gartechnik: Ohne Ofen wird die Masse zwischen zwei zinnernen Schüsseln über der Glut gegart.
Die Technik der zwei Schüsseln. Die untere Zinnschüssel dient als flache Pfanne direkt auf dem Rost über der Glut; das zergangene Schmalz darin verhindert das Anhaften und überträgt zusätzlich Hitze von unten. Die zweite, umgekehrt aufgesetzte Schüssel wirkt als Behelfsdeckel: Sie staut die Wärme, sodass die Masse eher gedünstet als nur von unten gebraten gart. Der Wasserdampf aus der garenden Masse schlägt sich an der kühleren Innenseite der oberen Schüssel nieder („schwitzen“) - genau wie bei jedem gedeckelten Topf mit feuchtem Inhalt. Wird das Kondenswasser nicht abgewischt, tropft es zurück und verwässert die Masse; das wiederholte Abwischen ist bei dieser Deckel-Konstruktion aus zwei gleichartigen Gefäßen funktional notwendig, anders als bei einem passenden Topfdeckel.
Die Bräunung am Schluss. Das abschließende Übergießen mit heißem, sofort wieder abgeseihtem Schmalz ersetzt eine fehlende Oberhitze-Quelle: Das sehr heiße Fett bräunt die Oberfläche durch direkten Kontakt, wird aber gleich wieder abgegossen statt in der Speise zu versacken - ökonomisch, weil das Schmalz weiterverwendbar bleibt.
Praxis. Rost über Glutkohle, zwei flache Zinn- oder Metallteller (ersatzweise hitzefeste Teller oder Auflaufformen). Eier und Milch verquirlen, in die mit zergangenem Schmalz ausgelegte untere Schale gießen, mit der zweiten Schale abdecken. Sobald sich innen Kondenswasser bildet: aufdecken, abwischen, wieder zudecken - so lange wiederholen, bis die Masse gestockt ist. Zum Schluss heißes Schmalz darübergießen und sofort wieder abgießen, bis die Oberfläche braun ist.
Ja, gut geeignet. Zwei flache Metallteller und ein Rost über der Glut genügen als Equipment, Eier, Milch und Schmalz sind unproblematisch ohne Kühlung zu lagern. Der einzige Aufwand ist das wiederholte Abwischen des Kondenswassers, bis die Masse fest wird.
Gemeint ist eine zinnerne Schüssel bzw. ein Zinnteller. Zwei solche Teller werden hier wie eine Art Deckel-Pfanne kombiniert: die Eier-Milch-Masse gart zwischen ihnen über der Glut.
Die obere Schüssel wirkt wie ein Deckel, an dessen Innenseite sich Wasserdampf aus der garenden Masse niederschlägt. Würde man das Kondenswasser nicht abwischen, tropfte es zurück in die Eier-Milch-Masse und würde sie zu wässrig machen.
Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch der Sabina Welserin“. Von der Verfasserin selbst 1553 datiertes Kochbuch aus dem Augsburger Patriziat - eines der wenigen frühneuzeitlichen deutschen Kochbücher, das eine Frau als Autorin nennt. Gloning zählt 205 Rezeptnummern, dazu sechs als Sub-Buchstaben gezählte Zweitschriften (1a, 2a, 3a, 7a, 136a, 137a), die im Codex an anderer Stelle stehen als ihre Originale. Handschrift: Augsburg, Staats- und Stadtbibliothek, 4° Cod 137 (XXI + 55 Bl., Register auf Bl. I-XXI, Rezepte ab Bl. 1r).
Schüsselmus, eine Eier-Milch-Speise, die direkt in einer Schüssel gegart wird, nicht in einem Topf.
Zinnerne Schüssel bzw. Zinnteller - Zinngeschirr war im Patrizierhaushalt gängiges Alltagsgeschirr.
Zergangenes, also geschmolzenes Schmalz. Das 'er-' steht hier für 'zer-', eine im Ostschwäbischen übliche Lautform.
Von 'gestehen' im alten Sinn von 'fest werden, gerinnen' - die Eier-Milch-Masse soll stocken.
Tüchern (von Tuch) - saubere Tücher zum Abwischen des Kondenswassers auf der oberen Schüssel.
Abseihen bzw. abtropfen lassen - das überschüssige heiße Schmalz wird nach dem Übergießen wieder abgegossen.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| air | chicken egg Q15260613 |
| ergangen schmaltz | animal fat Q1423543 |
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Stand dieser Fassung: 15.08.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.