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Schüsselmus zwischen zwei Zinntellern

Das kochbúch der sabina welserin · Augsburg · 1553

RezeptSonstigesLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 7/10
Zubereitungszeit30 Min.Portionen2-3 PersonenBuchDas Kochbuch der Sabina Welserin (~1553)

Für ein Schüsselmus schlag Eier und Milch untereinander. Nimm eine zinnerne Schüssel, gib ausgelassenes Schmalz hinein und setz sie auf einen Rost, unter dem glühende Kohlen liegen.

Schütt die Eier und die Milch in die Schüssel und deck eine zweite Schüssel darüber. Sobald die obere Schüssel zu schwitzen beginnt, wisch das Wasser mit sauberen Tüchern ab und deck sie wieder zu, bis die Masse gestockt ist.

Dann mach ein Schmalz heiß, gieß es darüber und seih es wieder ab, damit es oben braun wird.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
air Eier - - -
milch Milch - - -
ergangen schmaltz Schmalz - - Butterschmalz

Welches Gericht ist das? Eine gestockte Eier-Milch-Masse ohne Zucker und Gewürze - im Ergebnis nah an einem ungesüßten Eierstich bzw. einem schlichten herzhaften Flan. Besonders ist die Gartechnik: Ohne Ofen wird die Masse zwischen zwei zinnernen Schüsseln über der Glut gegart.

Die Technik der zwei Schüsseln. Die untere Zinnschüssel dient als flache Pfanne direkt auf dem Rost über der Glut; das zergangene Schmalz darin verhindert das Anhaften und überträgt zusätzlich Hitze von unten. Die zweite, umgekehrt aufgesetzte Schüssel wirkt als Behelfsdeckel: Sie staut die Wärme, sodass die Masse eher gedünstet als nur von unten gebraten gart. Der Wasserdampf aus der garenden Masse schlägt sich an der kühleren Innenseite der oberen Schüssel nieder („schwitzen“) - genau wie bei jedem gedeckelten Topf mit feuchtem Inhalt. Wird das Kondenswasser nicht abgewischt, tropft es zurück und verwässert die Masse; das wiederholte Abwischen ist bei dieser Deckel-Konstruktion aus zwei gleichartigen Gefäßen funktional notwendig, anders als bei einem passenden Topfdeckel.

Die Bräunung am Schluss. Das abschließende Übergießen mit heißem, sofort wieder abgeseihtem Schmalz ersetzt eine fehlende Oberhitze-Quelle: Das sehr heiße Fett bräunt die Oberfläche durch direkten Kontakt, wird aber gleich wieder abgegossen statt in der Speise zu versacken - ökonomisch, weil das Schmalz weiterverwendbar bleibt.

Praxis. Rost über Glutkohle, zwei flache Zinn- oder Metallteller (ersatzweise hitzefeste Teller oder Auflaufformen). Eier und Milch verquirlen, in die mit zergangenem Schmalz ausgelegte untere Schale gießen, mit der zweiten Schale abdecken. Sobald sich innen Kondenswasser bildet: aufdecken, abwischen, wieder zudecken - so lange wiederholen, bis die Masse gestockt ist. Zum Schluss heißes Schmalz darübergießen und sofort wieder abgießen, bis die Oberfläche braun ist.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Ja, gut geeignet. Zwei flache Metallteller und ein Rost über der Glut genügen als Equipment, Eier, Milch und Schmalz sind unproblematisch ohne Kühlung zu lagern. Der einzige Aufwand ist das wiederholte Abwischen des Kondenswassers, bis die Masse fest wird.

Was bedeutet 'zinnie schissel' im Rezept?

Gemeint ist eine zinnerne Schüssel bzw. ein Zinnteller. Zwei solche Teller werden hier wie eine Art Deckel-Pfanne kombiniert: die Eier-Milch-Masse gart zwischen ihnen über der Glut.

Warum muss man das Wasser von der oberen Schüssel abwischen?

Die obere Schüssel wirkt wie ein Deckel, an dessen Innenseite sich Wasserdampf aus der garenden Masse niederschlägt. Würde man das Kondenswasser nicht abwischen, tropfte es zurück in die Eier-Milch-Masse und würde sie zu wässrig machen.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch der Sabina Welserin“. Von der Verfasserin selbst 1553 datiertes Kochbuch aus dem Augsburger Patriziat - eines der wenigen frühneuzeitlichen deutschen Kochbücher, das eine Frau als Autorin nennt. Gloning zählt 205 Rezeptnummern, dazu sechs als Sub-Buchstaben gezählte Zweitschriften (1a, 2a, 3a, 7a, 136a, 137a), die im Codex an anderer Stelle stehen als ihre Originale. Handschrift: Augsburg, Staats- und Stadtbibliothek, 4° Cod 137 (XXI + 55 Bl., Register auf Bl. I-XXI, Rezepte ab Bl. 1r).

Ain schisselmúsß zú machen Ain schisselmúsß zú machen, so klopff air vnnd milch vnnderainander, nitz ain zinnie schissel, thú ain ergangen schmaltz darein, setz aúff ain rost/ da glieent kollen darúnder seind, schitt die air vnnd milch jn die schissel/ vnnd deck ain schissel dariber/ vnd wan die ober schissel schwitzen wirt, so múß man das wasser mit saúbern diechern abwischen vnnd wider zúdecken, bis es gestat, so músß man ain schmaltz haisß machen, daribergiessen vnnd wider abseichen, das oben braún wirt.
schisselmúsß

Schüsselmus, eine Eier-Milch-Speise, die direkt in einer Schüssel gegart wird, nicht in einem Topf.

zinnie schissel

Zinnerne Schüssel bzw. Zinnteller - Zinngeschirr war im Patrizierhaushalt gängiges Alltagsgeschirr.

ergangen schmaltz

Zergangenes, also geschmolzenes Schmalz. Das 'er-' steht hier für 'zer-', eine im Ostschwäbischen übliche Lautform.

gestat

Von 'gestehen' im alten Sinn von 'fest werden, gerinnen' - die Eier-Milch-Masse soll stocken.

diechern

Tüchern (von Tuch) - saubere Tücher zum Abwischen des Kondenswassers auf der oberen Schüssel.

abseichen

Abseihen bzw. abtropfen lassen - das überschüssige heiße Schmalz wird nach dem Übergießen wieder abgegossen.

Handschrift
Das kochbúch der sabina welserin
Folio
Fol. 13 recto
Sprache
Frühneuhochdeutsch (ostschwäbisch/augsburgisch, Mitte 16. Jh.)
Entstehung
Augsburg, 1553

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

airchicken egg Q15260613
ergangen schmaltzanimal fat Q1423543

Originalwerk (~1553) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 13 recto, Augsburg, Staats- und Stadtbibliothek, 4° Cod 137 (urn:nbn:de:bvb:37-dtl-0000005911)
Transkription
Uni Giessen (Gloning, Internet-Ausgabe nach Stopp 1980) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Zwei flache Zinn- oder Metallteller plus Rost über der Glut reichen als Equipment, dazu ein sauberes Tuch zum Abwischen des Kondenswassers. Das mehrfache Aufdecken, Abwischen und Wiederzudecken braucht Geduld und Aufmerksamkeit am Feuer, insgesamt aber unter einer Stunde.
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Stand dieser Fassung: 15.08.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.