Tegernseer Wirtschaftsbüchlein (Speisenbuch) · Kloster Tegernsee, Bayern · 1460
Zwiebelsuppe: Schneide das Brot wie für eine Schmalzsuppe, gib ein wenig Gewürz und Ingwer darauf.
| Original | Modern | Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| zwifel | 4 Zwiebeln, in Streifen | 4 Stück | Supermarkt | - |
| 22 prot gesnitten | geröstetes Brot | 4 Scheiben | - | - |
| Brühe oder Wasser | 600 ml | - | - | |
| ymber darauf | Ingwer zum Bestreuen | - | - | - |
| gewürz | Pfeffer/Salz nach Geschmack | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Eine klösterliche Brot-Zwiebel-Suppe - die direkte Vorfahrin der bis heute gereichten geschmälzten Zwiebelsuppe, bei der geröstetes Brot in den Teller kommt und mit der heißen Suppe übergossen wird. Sie gehört zur teg-Reihe der Brotsuppen, die alle nach demselben Muster aus geröstetem Brot, Brühe und einer Würzung aufgebaut sind (vgl. teg-012 Mandelsuppe, teg-013 Feigensuppe).
Der überlieferte Eintrag ist extrem knapp: Er nennt nur den Speisennamen, das Stichwort, das Brot als zu ainer smalzsuppen (wie für eine Schmalzsuppe) zu schneiden, sowie ain wenig gewürz und ymber (Ingwer) zum Bestreuen. Eine Zwiebelmenge oder Flüssigkeit gibt die Quelle nicht an - beides ist hier period-plausibel ergänzt.
Als zu ainer smalzsuppen verweist auf die geläufige Schmalzsuppe: dünne Brotscheiben werden geröstet, in den Teller gelegt und mit der heißen Suppe übergossen. Das geröstete Brot bindet und sättigt zugleich.
Praxis. Etwa 4 Zwiebeln in Streifen schneiden und in Schmalz (an Fastentagen Öl) langsam goldbraun schmoren - das gibt Süße und Tiefe statt einer dünnen, scharfen Brühe. Mit rund 600 ml Brühe oder Wasser aufgießen und kurz aufkochen. 4 Scheiben Brot rösten, in die Teller legen, die Suppe darübergießen, mit etwas Pfeffer/Salz würzen und mit gemahlenem Ingwer bestreuen.
Im Original eine schlichte Brot-Zwiebel-Suppe. An Nicht-Fastentagen briet man die Zwiebeln in Schmalz an; in der Fastenzeit in Öl oder nur in Wasser gedünstet.
Dieses Rezept stammt aus dem Tegernseer Speisenbuch (1453-1534, Kloster Tegernsee, Bayern). Klösterliches Speisenbüchlein des Benediktiner-Klosters Tegernsee (BSB München, Cgm 8137). Das Speisenbuch (fol. 45r-85r) dokumentiert den Klosteralltag: welche Speisen zu Fastenzeiten und Festtagen aufzutischen waren. Typische bayerische Klosterküche - Fastengerichte, Fischspeisen, Milch- und Mehlspeisen. Datiert 1453-1534. Das Fischbüchlein (fol. 97r-109v) enthält Anweisungen zur Fischerei. Im CoReMA-Projekt (Uni Graz) als Manuskript M13 katalogisiert.
Wie für eine Schmalzsuppe - dünne Brotscheiben werden geröstet, in den Teller gelegt und mit der heißen Suppe übergossen.
Ingwer, hier zum Bestreuen der fertigen Suppe.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
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