Wien, Österr. Nationalbibl., Cod. 2897 · Wien, vermutlich Augustiner-Chorherrenstift St. Dorothea (Besitzvermerke 15. Jh. auf Bl. 1r, 15r, 28v, 54v, 91v) · 1450
Nimm 500 g Feigen und wasche das Mehl davon ab. Lasse sie dann wieder trocken werden und hacke sie anschließend klein. Stoße sie dann gut mit einer guten Gewürzmischung und gib Safran hinzu, damit es rot wird. Den Zucker sollst du nicht vergessen. Wenn die Masse klein gestoßen ist, sollst du sie zusammenschlagen und einen Igel daraus formen. Stecke ihn gründlich mit silbernen Nelken, die seine Borsten sein sollen. Gib ihm eine Feige in den Mund.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| ein libra feigen | Feigen | 500 g | Supermarkt | - |
| guetem gwuercz | Gewürzmischung | - | gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel | Pfeffer, Ingwer, Zimt, Nelken, Muskat |
| saffran | Safran | - | gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel | - |
| des czukerrs | Zucker | - | - | - |
| silbren negln | Silberne Nelken | - | Online-Gewürzhandel (für essbares Silberblatt), gut sortierter Supermarkt (für Nelken) | Gewürznelken |
| ein veigen | 1 Feige | 1 Stück | Supermarkt | - |
Der ‚Igel‘ ist hier ein Schaugericht, das in Form eines Igels präsentiert wird. Es handelt sich um eine süße Feigenmasse, die geformt und mit Nelken als Stacheln dekoriert wird, nicht um das Tier selbst.
Schaugericht: Die Feigenmasse kann gut vorbereitet und mitgebracht werden. Das Formen des Igels und das Dekorieren mit den Nelken ist ein schönes, publikumswirksames Element für die Vorführung am Lager. Die Zutaten sind robust und benötigen keine Kühlung.
Für die ‚silbernen Nelken‘ kannst du entweder normale Gewürznelken verwenden oder diese mit essbarem Silberblatt überziehen, das du im Online-Gewürzhandel oder in gut sortierten Backzubehörgeschäften findest.
Dieses Rezept stammt aus dem Wien, Österr. Nationalbibl., Cod. 2897 (Mitte 15. Jh. - Teil I). CoReMA-Handschrift W1 (Wien, Österr. Nationalbibl., Cod. 2897): dreiteilige Sammelhandschrift, Teil I (Kochrezepte, Bl. 1r-53v) aus der Mitte des 15. Jh., Teil III älter (Mitte 14. Jh.). Textlicher Zwilling von B4 (Berlin, Ms. germ. qu. 1187) - beide überliefern u.a. dasselbe "grün Met"-Rezeptpaar fast wortgleich.
Ein „Igel“ ist hier ein Schaugericht, das in Form eines Igels präsentiert wird, nicht das Tier selbst.
Ein Pfund, im Mittelalter regional unterschiedlich, hier etwa 500 g.
Getrocknete Feigen sind oft mit einer pudrigen Schicht überzogen, die hier abgewaschen werden soll, um die Masse sauberer und bindiger zu machen.
Eine allgemeine Bezeichnung für eine Gewürzmischung. Typische mittelalterliche Gewürze wären Pfeffer, Ingwer, Zimt, Nelken, Muskat und Galgant.
Bedeutet hier ‚gründlich‘ oder ‚sorgfältig‘, nicht ‚schön‘ im ästhetischen Sinne.
Wörtlich ‚silberne Nelken‘. Dies könnte Nelken bedeuten, die mit essbarem Silberblatt überzogen wurden (ein Luxus für Schaugerichte), oder einfach sehr dunkle, glänzende Nelken, die poetisch als ‚silbern‘ beschrieben werden.
Borsten oder Stacheln. Die Nelken werden hier verwendet, um die Stacheln des Igels darzustellen.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| ein libra feigen | fig Q2746643 |
| guetem gwuercz | spice Q42527 |
| saffran | saffron Q25434 |
| des czukerrs | unrefined cane sugar Q57656231 |
| ein veigen | fig Q2746643 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
gwuercz
Gewählte Lesart: Gewürzmischung. Die Lesart ist durch den Kontext einer Zutat und die Wikidata-Verlinkung gesichert.
czukerrs
Gewählte Lesart: Zucker. Die Lesart ist durch den Kontext einer Zutat und die Wikidata-Verlinkung gesichert.
poersterr
Gewählte Lesart: Borsten. Die Nelken werden in die Igelform gesteckt, um die Stacheln oder Borsten des Tieres darzustellen.
Andere mögliche Lesart:
silbren negln
Gewählte Lesart: Silberne Nelken. Dies bezieht sich auf Gewürznelken, die entweder mit echtem Silberblatt überzogen sind oder aufgrund ihres dunklen Glanzes poetisch als ‚silbern‘ beschrieben werden.
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 07.08.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.