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Rindfleischmus mit Blut

Wien, Österr. Nationalbibl., Cod. 2897 · Wien, vermutlich Augustiner-Chorherrenstift St. Dorothea (Besitzvermerke 15. Jh. auf Bl. 1r, 15r, 28v, 54v, 91v) · 1450

RindHauptspeise · RindLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10
Zubereitungszeit60 Min.Portionen4-6 PersonenBuchWien, Österr. Nationalbibl., Cod. 2897 (~1450)

Ein Mus von Rindfleisch.

Nimm Rindfleisch, sei es roh oder bereits gegart. Lass es vorsieden und hacke es klein. Du musst Blut von Hühnern oder von einem Lamm haben. Rühre es so lange, bis es aufwallt. Nimm Essig, gib das Blut dazu und rühre es, bis es aufwallt.

Gib das gehackte Fleisch hinzu, so viel, dass es genug ist. Reibe Brot hinein und gib reines Schmalz dazu; so wird es glatt. Gib ein wenig Gewürz dazu, so schmeckt es gut. Wenn du anrichtest, streue Gewürzpulver darüber.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
rintvleisch es sey gruen oder gedigen Rindfleisch - Metzger -
swais von huner Hühnerblut - Metzger (auf Bestellung) -
von einem lamp Lammblut (optional) - Metzger (auf Bestellung) -
esseich Essig - - -
ein prot Brot - - -
ein rein smalcz Schmalz - - Butterschmalz oder Pflanzenöl
ein wenig gwurcz Gewürz - gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel Pfeffer, Ingwer, Nelken, Muskat
ain puluer Gewürzpulver - gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel Pfeffer, Ingwer, Nelken, Muskat

Was die Quelle vorgibt. Das Rindfleisch darf laut Text entweder roh (gruen) oder bereits gegart (gedigen) sein. Es wird in beiden Fällen vorgesotten und anschließend klein gehackt. Danach folgt eine Blut-Essig-Mischung: Blut von Hühnern oder einem Lamm wird genannt, die Mischung soll jeweils bis zum Aufwallen gerührt werden. Das gehackte Fleisch, geriebenes Brot und reines Schmalz kommen dazu; ein wenig Gewürz und beim Anrichten Gewürzpulver schließen die Anweisung ab.

Was offenbleibt. Mengen, Dauer, die Reihenfolge der beiden ersten Rührschritte und die genaue Zielkonsistenz nennt W1 nicht. Slecht kann im Zusammenhang mit Schmalz plausibel „glatt/geschmeidig“ heißen, bleibt aber eine Lesung. Der Text verlangt gehacktes Fleisch, nicht ein im Mörser zerstampftes Püree.

Für eine heutige Erprobung. Die belegte Reihenfolge lässt sich nachstellen: Fleisch kurz vorsieden und fein hacken, Blut und Essig nach Text erhitzen, dann Fleisch, geriebenes Brot, Schmalz und Gewürz einarbeiten. Jede Festlegung von Mengen, Hitze oder dem Umgang mit der offenen Stelle ist moderne Kochentscheidung und keine aus dem Text gewonnene Vorschrift. Das in der Quelle zentrale Blut wird nicht durch eine andere Zutat ersetzt; eine historische Ersatzlösung überliefert sie nicht.

Wo bekomme ich Hühner- oder Lammblut?

Hühner- oder Lammblut muss meist beim Metzger vorbestellt werden. Das Rezept nennt ausdrücklich diese beiden Blutarten; eine Ersatzlösung nennt die Quelle nicht.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Eingeschränkt geeignet, vor allem wegen der Beschaffung von Hühner- oder Lammblut. Das Fleisch wird laut Quelle klein gehackt; einen Mörser oder eine andere besondere Ausrüstung verlangt der Text nicht.

Was bedeutet ‚gmues' und ‚swais' im Rezept?

‚Gmues' bezeichnet hier ein Mus, also eine zusammengeführte, weiche Speise. ‚Swais' bedeutet Blut, nicht Schweiß. Der Text verbindet es mit Essig und lässt die Mischung aufwallen, erklärt aber keinen weitergehenden Zweck.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Wien, Österr. Nationalbibl., Cod. 2897 (Mitte 15. Jh. - Teil I). CoReMA-Handschrift W1 (Wien, Österr. Nationalbibl., Cod. 2897): dreiteilige Sammelhandschrift, Teil I (Kochrezepte, Bl. 1r-53v) aus der Mitte des 15. Jh., Teil III älter (Mitte 14. Jh.). Textlicher Zwilling von B4 (Berlin, Ms. germ. qu. 1187) - beide überliefern u.a. dasselbe "grün Met"-Rezeptpaar fast wortgleich.

Aber ein gmues von rintvleisch NIm rintvleisch es sey gruen oder gedigen das lasz vorsieden hakch ez chlain du muest haben swais von huner oder von einem lamp haben so rur es als lang bis es walt nym esseich vnd tue den swais daran vnd rur ez bis er= welt das gehachkt vleisch tu daran als vil das es genueg sey ein prot reib darin vnd ein rein smalcz tue daran so wirt es slecht von vnd ein wenig gwurcz tue daran so smekcht es wol wann du richtest an so strewu ain puluer daran
gmues

‚Gmues' (modern: Mus) bezeichnet eine breiige oder pürierte Speise, oft aus Fleisch oder Gemüse.

gruen

In diesem Kontext bedeutet ‚gruen' ‚roh' oder ‚unverarbeitet', nicht die Farbe Grün.

gedigen

‚Gedigen' bedeutet hier ‚gar' oder ‚gekocht', also bereits zubereitet.

vorsieden

‚Vorsieden' bedeutet, etwas vorzukochen, bevor es weiterverarbeitet wird.

swais

‚Swais' bedeutet hier Blut, nicht Schweiß. Seine genaue kulinarische Funktion wird im Text nicht erläutert; die Quelle setzt es mit Essig an und lässt die Mischung aufwallen.

walt / er=welt

Das Verb ‚wallen' (hier in den Formen ‚walt' und ‚erwelt') bedeutet ‚aufkochen' oder ‚sieden', bis eine Flüssigkeit Blasen wirft.

slecht von

‚Slecht' bedeutet ‚glatt' oder ‚eben', was die gewünschte feine Konsistenz des Mus beschreibt.

puluer

Wie in vielen mittelalterlichen Rezepten bezeichnet ‚puluer' hier eine Mischung aus gemahlenen Gewürzen, nicht Mehl.

Handschrift
Wien, Österr. Nationalbibl., Cod. 2897
Folio
Fol. 010v
Sprache
Frühneuhochdeutsch (bairisch-österreichisch)
Entstehung
Wien, vermutlich Augustiner-Chorherrenstift St. Dorothea (Besitzvermerke 15. Jh. auf Bl. 1r, 15r, 28v, 54v, 91v), 1450
CoReMA

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

rintvleisch es sey gruen oder gedigenbeef Q192628
swais von hunerchicken blood Q107246464
von einem lamplamb blood Q107246635
esseichvinegar Q41354
ein protbread Q7802
ein rein smalczanimal fat Q1423543
ein wenig gwurczspice Q42527

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartgruen oder gedigen

Gewählte Lesart: ‚Roh oder bereits gegart' - ‚gruen' bedeutet hier ‚roh' oder ‚unverarbeitet', während ‚gedigen' ‚gar' oder ‚gekocht' meint. Dies bietet Flexibilität in der Zubereitung.

Lesartswais von huner oder von einem lamp

Gewählte Lesart: ‚Hühner- oder Lammblut' - CoReMA glossiert ‚swais' eindeutig als Blut. Die Quelle setzt es mit Essig an und lässt die Mischung aufwallen; eine darüber hinausgehende Funktionsbeschreibung steht nicht im Text.

Lesartvorsieden

Gewählte Lesart: ‚Vorkochen' - Das Verb ‚vorsieden' ist eine klare Anweisung, das Fleisch vor dem Hacken zu kochen.

Lesarthakch

Gewählte Lesart: ‚Hacke' - Eine gängige Schreibweise für ‚hacken' in diesem Dialekt.

Lesartwalt / er=welt

Gewählte Lesart: ‚Aufwallt / aufwallt' - Das Verb ‚wallen' bedeutet ‚aufkochen' oder ‚sieden', was im Kontext des Kochens von Blut und Essig sinnvoll ist.

Lesartgehachkt

Gewählte Lesart: ‚Gehackt' - Eine gängige Schreibweise für ‚gehackt' in diesem Dialekt.

Lesartslecht von

Gewählte Lesart: ‚Glatt davon' - ‚Slecht' bedeutet ‚glatt' oder ‚eben', was die gewünschte feine Konsistenz des Mus beschreibt.

Lesartstrewu

Gewählte Lesart: ‚Streue' - Eine dialektale Form des Imperativs von ‚streuen'.

Lesartpuluer

Gewählte Lesart: ‚Gewürzpulver' - Wie in vielen mittelalterlichen Rezepten bezeichnet ‚puluer' hier eine Mischung aus gemahlenen Gewürzen, nicht Mehl.

Originalwerk (~1450) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 010v, Wien, Österr. Nationalbibl., Cod. 2897; bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), W1 (Wien, Österr. Nationalbibl., Cod. 2897), CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Eingeschränkt (Beschaffung): Hühner- oder Lammblut ist nicht regulär erhältlich und muss in der Regel beim Metzger vorbestellt werden. Die Quelle verlangt gehacktes Fleisch; sie schreibt weder Mörser noch eine andere besondere Ausrüstung vor.
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Stand dieser Fassung: 15.08.2026 - 2-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.