Wien, Österr. Nationalbibl., Cod. 2897 · Wien, vermutlich Augustiner-Chorherrenstift St. Dorothea (Besitzvermerke 15. Jh. auf Bl. 1r, 15r, 28v, 54v, 91v) · 1450
Nimm Petersilienwurzeln und koche sie in sauberem Wasser. Wenn sie gar sind, entferne das harte Herz der Wurzeln. Den Rest hacke klein.
Nimm ein halbes Talent Mandeln und bereite daraus Mandelmilch. Gib die gehackten Wurzeln in die Mandelmilch und lass sie darin sieden. Wenn es gar ist, richte es an.
Nimm Schmalz oder Öl, gib es hinzu und lass es darin sieden, bis das Mus glatt und geschmeidig wird.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| petersil wurczen | Petersilienwurzeln | - | Supermarkt, Wochenmarkt | - |
| schon wasser | Wasser | - | Leitung | - |
| 1/2 talentum mandel | W1: 1/2 talentum Mandeln; B4-078: ein halb phuntt (ca. 250 g) | 250 g | Supermarkt (Backregal) | Ganze Mandeln, selbst gemahlen |
| smalcz oder ol | Schmalz oder Öl | - | - | Pflanzenöl (für eine vegetarische Variante) |
Quellengebundener Ablauf. Petersilienwurzeln in sauberem Wasser sieden, nach dem Garen das ‚Herz‘ entfernen und den übrigen Teil klein hacken. Mandelmilch aus Mandeln bereiten, die gehackten Wurzeln darin sieden lassen, anrichten und anschließend Schmalz oder Öl zugeben und nochmals darin sieden lassen. Der Text bezeichnet das Ergebnis als ‚slecht‘, also glatt oder geschmeidig.
Zur Mandelmenge. W1 nennt ‚1/2 talentum Mandeln‘. Die nahezu wortgleiche Parallelhandschrift B4-078 liest an derselben Stelle ‚ein halb phuntt Mandel‘; darauf beruht die moderne Orientierung an etwa 250 g. Die abweichende W1-Lesung bleibt dabei bestehen.
W1 schreibt ‚1/2 talentum Mandeln‘. Die nahezu wortgleiche Parallelhandschrift B4-078 nennt an dieser Stelle dagegen ‚ein halb phuntt Mandel‘. Deshalb führt die moderne Zutatenliste rund 250 g auf: Die Menge ist durch B4-078 gestützt, während der W1-Wortlaut unverändert dokumentiert bleibt.
Ja, gut geeignet. Die Zutaten sind robust und benötigen keine besondere Kühlung. Die Zubereitung ist einfach und erfordert nur einen Topf und eine Feuerstelle. In etwa 45 Minuten ist das Mus fertig.
Um Mandelmilch herzustellen, weiche gemahlene Mandeln für einige Stunden in Wasser ein. Anschließend püriere die Mischung fein und seihe sie durch ein feines Tuch oder einen Nussmilchbeutel ab. Die Flüssigkeit ist die Mandelmilch, der Rückstand kann für andere Zwecke verwendet werden.
Dieses Rezept stammt aus dem Wien, Österr. Nationalbibl., Cod. 2897 (Mitte 15. Jh. - Teil I). CoReMA-Handschrift W1 (Wien, Österr. Nationalbibl., Cod. 2897): dreiteilige Sammelhandschrift, Teil I (Kochrezepte, Bl. 1r-53v) aus der Mitte des 15. Jh., Teil III älter (Mitte 14. Jh.). Textlicher Zwilling von B4 (Berlin, Ms. germ. qu. 1187) - beide überliefern u.a. dasselbe "grün Met"-Rezeptpaar fast wortgleich.
‚Schon‘ bedeutet hier ‚sauber‘ oder ‚rein‘, nicht ‚schön‘ im ästhetischen Sinne. Es ist eine Anweisung zur Qualitätskontrolle des Wassers.
Das ‚Herz‘ der Petersilienwurzel bezieht sich auf den oft holzigen oder faserigen Kern älterer Wurzeln, der für ein feines Mus entfernt werden sollte.
In diesem Kontext bedeutet ‚slecht‘ ‚glatt‘ oder ‚geschmeidig‘, was die gewünschte Konsistenz des Pürees beschreibt.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| petersil wurczen | parsley root Q68220931 |
| schon wasser | water Q283 |
| 1/2 talentum mandel | almond Q184357 |
| smalcz oder ol | lard or cooking oil Q72827 · Q427457 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
1/2 talentum mandel
Gewählte Lesart: W1 liest ‚1/2 talentum mandel‘. Die nahezu wortgleiche Parallelhandschrift B4-078 hat an derselben Stelle ‚ein halb phuntt Mandel‘; diese Parallellesung stützt für die moderne Zutatenliste die ungefähre Menge von 250 g, ohne den W1-Wortlaut zu ersetzen.
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 15.08.2026 - 3-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.