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Mangold in gleicher Weise

Wien, Österr. Nationalbibl., Cod. 2897 · Wien, vermutlich Augustiner-Chorherrenstift St. Dorothea (Besitzvermerke 15. Jh. auf Bl. 1r, 15r, 28v, 54v, 91v) · 1450

BeilageBeilageLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10
Zubereitungszeit5 Min.Portionen1-2 PersonenBuchWien, Österr. Nationalbibl., Cod. 2897 (~1450)

In derselben Weise kannst du auch Mangold zubereiten.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
piessen Mangold - Supermarkt, Wochenmarkt -

Was dieser Kurzeintrag sagt. w1-082 liefert keine selbständige Kochanweisung, sondern erweitert unmittelbar das vorhergehende Petersilienwurzel-Mus in w1-081 um eine Mangold-Variante: "In derselben Weise" soll auch Mangold zubereitet werden. Der Berliner Paralleltext b4-078 überliefert denselben Zusammenhang zusammenhängend; die verwandte Fassung mon-232 gehört zur selben Gemüse-Mus-Familie, setzt aber zusätzlich Mangold und gelbe Färbung ein. Diese Färbung ist für w1-082 nicht belegt und wird deshalb nicht übernommen.

Der übernommene Ablauf. Als Bezugstext nennt w1-081 Petersilienwurzeln: in Wasser garen, den Kern entfernen, den Rest klein hacken, in Mandelmilch sieden und zum Schluss Schmalz oder Öl zugeben und nochmals sieden lassen. Für die Mangold-Fassung ist allein die Übertragung dieses Verfahrens belegt. Der Kern-Schritt gehört erkennbar zu den Wurzeln, nicht zum Mangold.

Für die heutige Umsetzung. Das Rezept setzt die Kenntnis des vorigen Eintrags voraus und gibt weder Menge noch Dauer noch eine eigene Behandlung von Stielen und Blättern an. Deshalb ist es quellentreuer, w1-081 als Grundlage mitzulesen, statt für w1-082 eine scheinbar vollständige, moderne Einzelanweisung zu ergänzen. Als Gericht lässt sich die Variante nur allgemein als Gemüse-Mus mit Mandelmilch und abschließendem Fett beschreiben.

Was bedeutet ‚piessen‘ im Rezept?

Das Wort kann allgemein auch Hülsenfrüchte meinen. Für diese W1-Stelle führen die CoReMA-Glosse und der Paralleltext B4 jedoch zu Mangold; diese konkrete Lesung passt zur Gemüse-Mus-Anweisung des vorausgehenden Rezepts.

Wie wird der Mangold hier zubereitet?

Der Eintrag verweist auf w1-081: Dort werden Petersilienwurzeln gegart, zerkleinert, in Mandelmilch gesiedet und am Ende mit Schmalz oder Öl fertiggestellt. Für Mangold nennt w1-082 keine zusätzlichen Handgriffe, Mengen oder Garzeiten.

Ist das ein eigenständiges Rezept?

Als Text ist es ein eigenständiger Kurzeintrag, inhaltlich aber eine Variantenanweisung zum unmittelbar vorhergehenden Petersilienwurzel-Mus. B4-078 bewahrt beide Teile zusammen.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Wien, Österr. Nationalbibl., Cod. 2897 (Mitte 15. Jh. - Teil I). CoReMA-Handschrift W1 (Wien, Österr. Nationalbibl., Cod. 2897): dreiteilige Sammelhandschrift, Teil I (Kochrezepte, Bl. 1r-53v) aus der Mitte des 15. Jh., Teil III älter (Mitte 14. Jh.). Textlicher Zwilling von B4 (Berlin, Ms. germ. qu. 1187) - beide überliefern u.a. dasselbe "grün Met"-Rezeptpaar fast wortgleich.

In der selbem weis machtu mit piessen auch machen
selbem weis

Bedeutet ‚derselben Weise‘. Der unmittelbare vorausgehende Eintrag w1-081 liefert die Bezugszubereitung.

machtu

Frühneuhochdeutsche Form von ‚kannst du‘.

Handschrift
Wien, Österr. Nationalbibl., Cod. 2897
Folio
Fol. 010v
Sprache
Frühneuhochdeutsch (bairisch-österreichisch)
Entstehung
Wien, vermutlich Augustiner-Chorherrenstift St. Dorothea (Besitzvermerke 15. Jh. auf Bl. 1r, 15r, 28v, 54v, 91v), 1450
CoReMA

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

piessenchard Q157954

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartpiessen

Gewählte Lesart: Mangold (Chard)

Andere mögliche Lesart:

  • Hülsenfrüchte (Erbsen oder Bohnen) - Das mittelhochdeutsche pîse kann Hülsenfrüchte bezeichnen. Die CoReMA-Glosse zu W1 und der Paralleltext B4 bezeichnen hier jedoch Mangold; im Kontext der unmittelbar vorausgehenden Gemüse-Mus-Anweisung ist diese Lesung maßgeblich.

LesartIn der selbem weis

Gewählte Lesart: In derselben Weise

Andere mögliche Lesart:

  • Verweis auf w1-081 - Die knappe Anweisung folgt direkt auf w1-081 und übernimmt dessen Petersilienwurzel-Mus als Verfahren für Mangold. B4-078 bewahrt beide Teile zusammen.

Originalwerk (~1450) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 010v, Wien, Österr. Nationalbibl., Cod. 2897; bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), W1 (Wien, Österr. Nationalbibl., Cod. 2897), CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Die Quelle selbst enthält nur einen Verweis auf w1-081. Für eine Lagerumsetzung sind deshalb keine eigenen Aussagen zu Geschwindigkeit, Ausrüstung oder Haltbarkeit dieses Mangold-Gerichts belegbar.
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Stand dieser Fassung: 14.08.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.