Hie vahet an alle artzenie von dem wine, wie man yme helffen sol, vnd wie man alle gebresten an dem win [bessern sol] · Südwestdeutschland · 1500
Merke: Wenn der Wein einen frischen Geschmack hat und im Glas oder im Becher springt, dann bleibt er gut. Welcher Wein das nicht tut, der will umschlagen.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
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| win | Wein | - | - | - |
Was leistet dieses Kapitel?
Kein Kochrezept, sondern eine reine Sinnenprobe an bereits eingeschenktem Wein: Ein Kellermeister prüft anhand von Geschmack und sichtbarem Verhalten im Glas, ob ein Wein sich hält oder bald „verkehrt“ (umschlägt, verdirbt). Das Kapitel gehört zur Reihe der Verderbniszeichen-Texte im Weinbuch, nicht zu den Herstellungs- oder Behandlungsrezepten.
Was bedeutet „springet“?
Die Lesart „perlt/moussiert“ lässt sich lexikalisch stützen: Das Grimmsche Wörterbuch (Bd. 10, Stichwort SPRINGEN) zitiert wörtlich „der wein springt im glasz ... wenn er stark moussiert“, und in Bd. 8 (Stichwort „resch“) findet sich eine fast wortgleiche Parallelformel: „wann der wein springt und resch ist am einschenken, so ist er gut“. Zwei Korpustreffer zu „springen“ (ka2-035, koe-015) betreffen dagegen einen zerspringenden/reissenden Mörser am Feuer - ein anderes Sem, das für diese Stelle nicht einschlägig ist.
Vergleich mit Hirnkofen 1478.
Eine verwandte Prüf-Logik findet sich bei Hirnkofen (deutsche Übersetzung des Arnald de Villa Nova, 1478, Esslingen): Wein wird dort eigens geschlagen, bis er schäumt - verschwindet der Schaum sofort, gilt das als Zeichen für gesunden Wein, bleibt er stehen, für kranken. Zusätzlich gilt: Schaum guten Weins sammelt sich beim Eingießen in der Mitte, der schlechten am Rand, und „spritzende Tröpfchen sind ein gutes Zeichen“. Dieselbe Prüf-Logik wie hier - sichtbares Blasen-/Schaumverhalten der Flüssigkeit als Vorhersage künftigen Verderbs -, aber als aktive Prozedur mit zwei Kriterien statt als passive Beobachtung beim gewöhnlichen Einschenken mit einem einzigen Kriterium.
Praxis.
Der Text leitet keine Zubereitung an, sondern eine Zwei-Kriterien-Prüfung beim Einschenken: Schmeckt der Wein frisch, und zeigt er im Glas oder Becher ein springendes/perlendes Verhalten? Beides zusammen deutete ein Kellermeister als Zeichen, dass der Wein noch hält; fehlte beides, erwartete er baldigen Verderb. Eine verlässliche Vorhersage im heutigen Sinn ist das nicht - die Beobachtung korreliert allenfalls lose mit Restkohlensäure aus einer noch nicht ganz abgeschlossenen Gärung, ohne dass das etwas über spätere Anfälligkeit für Essigstich oder Zähwerden aussagt. Als Einordnung, nicht als Abwertung: mehr Analytik konnte der Text nicht kennen.
Vermutlich ein Perlen oder leichtes Moussieren im Glas, feine aufsteigende Bläschen - das Grimmsche Wörterbuch belegt für 'springen' beim Wein wörtlich '...wenn er stark moussiert' sowie eine fast gleichlautende Parallelformel ('wann der wein springt und resch ist am einschenken, so ist er gut'). Das wurde als Zeichen gedeutet, dass der Wein noch frisch und lebendig ist und nicht bald umschlagen wird.
Verkehren meint hier den Verderb des Weins, also Umschlagen, Sauerwerden oder Trübwerden. Der Test soll genau das vorab erkennbar machen.
Dieses Rezept stammt aus dem Weinbuch im Codex Donaueschingen (um 1500 - nach Ankenbrand zwischen 1484 und 1509, Südwestdeutschland). 118 durchnummerierte Kapitel zur Kellermeisterei: Traubenlese, Treten, Fassbereitung, Gärung, Verderbniszeichen, Wiederherstellung verdorbenen Weins, Abziehen, Farbe und Geschmack ändern, Essigherstellung, Bierbewahrung. Nach Ankenbrand Teile aus Gottfried von Frankens Pelzbuch mit zahlreichen Erweiterungen; die Zusätze gelten als wertvolle Ergänzungen zur Kenntnis der spätmittelalterlichen südwestdeutschen Kellermeisterei. Systematischer Parallelbestand zu Hirnkofen 1478.
Umschlagen, sauer oder schlecht werden. Bezieht sich auf den Verderb des Weins, nicht auf eine Zubereitungstechnik.
Vermutlich perlt/moussiert - das Grimmsche Wörterbuch (Bd. 10, Stichwort SPRINGEN) belegt für Wein wörtlich '...wenn er stark moussiert', dazu eine fast wortgleiche Parallelformel in Bd. 8 (Stichwort 'resch'): 'wann der wein springt und resch ist am einschenken, so ist er gut'. Zwei Korpustreffer zu 'springen' (ka2-035, koe-015) betreffen dagegen einen zerspringenden Mörser am Feuer - ein anderes Sem, kein Beleg für diese Stelle.
Reine Kopfformel im Sinn von 'Merke!' oder 'Beachte!', leitet einen Hinweistext ein, ist kein Gerichtsname. Das 'auch' im Transkript (in der Übersetzung nicht eigens wiedergegeben) signalisiert, dass dieser Merksatz an eine Reihe vorangehender Prüf-/Hinweistexte im Weinbuch anschließt.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| win | wine Q282 |
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Stand dieser Fassung: 03.08.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.