Ein Köstlich new Kochbuch Von allerhand Speisen/ an Gemüsen/ Obs/ Fleisch/ Geflügel/ Wildpret/ Fischen vnd Gebachens. Nicht allein vor Gesunde: sondern auch vnd fürnemlich vor Krancke ... auch Schwangere Weiber/ Kindbetterinnen/ vnd alte schwache Leut · Amberg (Oberpfalz) · 1598
Nimm einen schwarzen Kapaun, je älter, desto besser. Rupfe ihn ungebrüht und aufs Sauberste, ziehe die Haut samt dem ganzen Fett, das er hat, gut ab und lass ihn nach dem Stechen gut ausbluten. Wenn du ihn aufschneidest und er innen blutig ist, tränke ein sauberes Tüchlein in gutem Wein oder in gekochtem Trinkwasser, wringe es gut aus und wasche ihn damit ab, wo er blutig ist. Sonst soll kein Wasser und kein Wein dazukommen.
Haue ihn dann in kleine Stücke, hacke das Fleisch und stoße die Knochen. Gib ein Lot erlesenen Zimt dazu und auf drei Lot Zucker. Tu alles in einen gläsernen Destillierkolben. Verschließe ihn sehr gut mit einer schönen, gründlich gesäuberten Ochsenblase und binde sie mit Schnüren fest zu, damit nirgends Dampf entweichen kann.
Stelle den Kolben in einen ehernen Topf oder Brennkessel. Lege oben einen Teller oder eine Stürze darauf, damit dem Glas kein Schaden geschieht. Fülle den Kessel mit Wasser und bringe es zum Sieden, so wie man es sonst beim Destillieren tut. Halte ihn auch immer voll. Achte darauf, dass die Platte, die du hergerichtet hast, das Wasser nicht erreicht. Lass ihn so eine Stunde oder vier in stetig siedendem Wasser stehen.
Nimm ihn dann davon und lass ihn stehen, bis das Wasser ziemlich abgekühlt ist. Dann nimm das Glas heraus und öffne die Blase. So wird es eine schöne Brühe haben. Die lass durch eine „saure Stürzsuppe“ laufen, damit dir nichts von irgendeinem Stoff hineingerät. Fülle sie in Schüsselchen, so viele dir belieben. Sie steht wie eine Sülze.
Das ist eine gewaltige Stärkung, mit der die Kranken lange erhalten werden. Ist etwa auch eine Ruhr dabei, so lege einen Dukaten oder vier dazu. Dem Gold nimmt es nicht ein Quentlein. Bereite Perlen und rote Korallen.
Und so kannst du mit dieser Brühe, solange sie noch warm ist, klein gestoßene Mandeln durchtreiben. Lass danach einen Teil weiß, wie ihn die Mandeln ergeben, färbe einen Teil mit gutem rotem Sandel und lass einen Teil so, wie die Brühe von sich aus ist. Gieße einen Guss um den anderen, wie du auch einen weiter vorn hast. So ist es sehr schön und lieblich und stärkt und stopft gewaltig.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| einen ſchwartzen Koppen/ je aͤlter je beſſer | alter schwarzer Kapaun | 1 | Metzger, Geflügelhändler | Altes Suppenhuhn |
| ein Loth außerleſenẽ Zimet | erlesener Zimt | 1 Lot | - | - |
| drey Loth Zucker | Zucker | 3 Lot | - | - |
| einer ſchoͤnen vnnd wol geſaͤuberten Ochſenblaſen | gesäuberte Ochsenblase | 1 | Metzger auf Bestellung, Wurstzubehör | - |
| klein geſtoſſene Mandeln | Klein gestoßene Mandeln | - | Supermarkt | - |
| einem guten roten Sandel | Roter Sandel | - | Gewürzhandel | - |
| (erschlossen) | Arzneizusätze, siehe Text | - | - | - |
Praxis. Nur so viel Fleisch und Knochen in den Kolben füllen, dass er sich noch dicht mit der Blase zubinden lässt; Flüssigkeit kommt keine dazu. Das Kesselwasser stetig sieden lassen und nachfüllen, der aufgelegte Teller und der Blasenverschluss bleiben über dem Wasser. Die Zeit gibt der Text als eine bis vier Stunden an; bei einem ganzen alten Kapaun eher die längere. Den Kolben erst herausnehmen, wenn das Wasser lau ist.
Kolben und Kessel. Wie hoch das Wasser steht und worauf der Kolben im Kessel steht, nennt der Text nicht; das Glas schützt Wecker nur mit Teller oder Stürze obenauf.
Guss. Mengen für Mandeln und die drei Farbschichten nennt der Text nicht; Vorbild ist vermutlich das bunte Gelee aus wec-052.
Dieses Rezept stammt aus „Ein köstlich new Kochbuch“ (Amberg - Oberpfalz). Erstes gedrucktes deutschsprachiges Kochbuch einer Frau: Anna Wecker, Witwe eines Colmarer Stadtarztes, schrieb es 1596 vor allem als Kost für Kranke, Schwangere, Wöchnerinnen und alte Leute. 483 Rezepte in vier Teilen (Mandel/Gerste/Gemüse, Obst, Fleisch, Fisch/Sülzen/Soßen), süß und mandelbetont, mit diätetischen Hinweisen zu einzelnen Krankheiten. Erstausgabe 1597, transkribiert ist die zweite Auflage Amberg 1598.
Gläserner Kolben, wie man ihn zum Destillieren verwendete. Hier ist er fest verschlossen und dient als Kochgefäß im siedenden Wasser; es wird nichts abdestilliert.
Stürze: ein übergestülpter Deckel, wie in wec-004 und wec-005.
Altes Gewichtsmaß, ein Zweiunddreißigstel Pfund. Ein Quintlein ist ein Viertel Lot.
Bei Flüssigkeiten: abgekühlt, lauwarm geworden. Das Wasser im Kessel soll ziemlich abgekühlt sein, bevor man das Glas herausnimmt.
Goldmünze. „es benimt dem Golde nicht ein quintlein“ heißt: Das Gold verliert dabei nichts an Gewicht. Gold, Perlen und Korallen sind Arzneizusätze ihrer Zeit.
Durchfallerkrankung. Das „stopfen“ am Schluss meint nach Weckers Angabe eine Wirkung gegen den Durchfall, im Sinn der Säftelehre ihrer Zeit.
Rotes Sandelholz, ein Farbholz. Es färbt hier nur den roten Guss.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| drey Loth Zucker | unrefined cane sugar Q57656231 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
ſaur ſtuͤrtzſuppen
Gewählte Lesart: Wörtlich belassen: ein Gerät, durch das die Brühe läuft, „damit dir nichts von keiner materi darein komme“. Der Zweck spricht für ein Seihgerät; das Wort steht im Buch nur hier und ist in den Wörterbüchern nicht belegt.
Andere mögliche Lesarten:
ein ſtund oder vier
Gewählte Lesart: Eine Spanne von einer bis vier Stunden, wie die Formel „eine Stunde oder vier“ wörtlich sagt.
Andere mögliche Lesart:
bereite Perlen vnd rote Corallen
Gewählte Lesart: Wörtlich übersetzt: Wie und wozu Perlen und Korallen bereitet werden, sagt der Text nicht. Der Satz schließt an den Ruhr-Fall mit den Dukaten an.
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 23.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.