Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz –, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187 · Bairischer Sprachraum, Entstehungsort unbekannt (Datierung 1438/39-Mitte 15. Jh. über Hartliebs "Namenmantik", nach Honold); später im Besitz der Grafen Starhemberg von Riedegg (Oberösterreich) · 1450
Nimm ganze Eier und stecke sie auf einen Spieß. Mache sie schwarz und gelb und vergiss den Zucker nicht.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| gancze ayr | Ganze Eier | - | - | - |
| zukchers | Zucker | - | - | - |
| gell | Safran | - | gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel | - |
Welches Gericht ist das? Ganze Eier am Spieß, in Schwarz und Gelb abgesetzt und mit Zucker bestreut - eine kleine Schauspeise für den Festtisch. Der nahezu wortgleiche W1-Paralleltext wählt zwischen Schwarz oder Gelb; b4-049 verlangt beide Farben.
Garzustand. b4-049 nennt für „gancze ayr“ keinen Garzustand. Der nahe Paralleltext mha-010 ergänzt ausdrücklich, die Eier sollen hart sein. Für eine heutige Umsetzung bietet es sich daher an, Eier hart zu kochen, zu schälen und erst dann auf einen Spieß zu reihen; das ist eine durch den Paralleltext gestützte Umsetzung, keine wörtliche Ergänzung von B4.
Farbe und Zucker. Gelb ist durch die CoReMA-Glosse als Safran belegt. Womit „schwarz“ erzeugt wurde, sagen B4, W1 und mha-010 nicht; die Stelle bleibt offen. Historisch möglich, aber für diese Stelle nicht bewiesen, sind zwei Lesarten: Die Eier könnten goldgelb beziehungsweise dunkel bis braun-schwarz gebraten worden sein; oder sie könnten durch einen gelb beziehungsweise dunkel gefärbten Tauch- oder Überzugsteig geführt worden sein. Zum Schluss mit Zucker bestreuen, wie der Text verlangt.
Praxis. Hart gekochte, geschälte Eier vorsichtig auf einen Spieß reihen. Für Gelb Safran in wenig warmer Flüssigkeit lösen und die Eier damit bestreichen. Die dunkle Fassung bleibt wegen der offenen Quellenstelle ohne nachgestelltes Verfahren. Als kleine Schau-Beilage mit Zucker anrichten.
Die gelbe Farbe wird durch Safran erzielt - direkt per CoReMA-Glosse zu diesem Rezept bestätigt. Für Schwarz nennt der Text kein Mittel; dieselbe Offenheit zeigen der W1-Paralleltext und mha-010. Historisch denkbar, aber hier nicht quellenbewiesen, sind ein Goldgelb- beziehungsweise Dunkelbraten oder ein gelb beziehungsweise dunkel gefärbter Tauch- oder Überzugsteig.
Ja. Eier lassen sich vorab hart kochen und schälen; Safran und Zucker sind lagerfest. Am Stand bleiben Aufspießen, die gelbe Fassung mit Safran und das Bestreuen mit Zucker. Für die dunkle Fassung überliefert die Quelle kein gesichertes Verfahren.
Ein Spieß zum Aufreihen und Präsentieren der Eier. Der nahe Paralleltext mha-010 verlangt harte Eier; b4-049 selbst nennt den Garzustand nicht.
Dieses Rezept stammt aus dem Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz –, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187 (Mitte 15. Jh.). CoReMA-Handschrift B4 (Berlin, Staatsbibliothek, Ms. germ. qu. 1187): bairisches Kochbuch der Mitte des 15. Jahrhunderts, 112 Blatt Papier. Enthält u.a. ein Paar-Rezept für "grünen Met" und ein Grundrezept "Wie du mett solt machen" (Honig-Wasser-Ansatz mit Hopfen und Hefe-Nachgärung) - textlich eng verwandt mit W1 (Wien, Cod. 2897), das dieselben zwei Met-Rezepte fast wortgleich überliefert.
Ein Spieß zum Aufreihen und Präsentieren der Eier. Der nahe Paralleltext mha-010 sagt ausdrücklich, dass die Eier vorher hart sein sollen; b4-049 selbst nennt keinen Garzustand.
B4 verlangt Schwarz und Gelb. Die CoReMA-Glosse belegt Safran für „gell“. Für „swarcz“ nennt der Text kein Mittel. Als historische, aber nicht quellenbewiesene Lesarten kommen ein Goldgelb- beziehungsweise Dunkelbraten oder ein gelb beziehungsweise dunkel gefärbter Tauch- oder Überzugsteig in Betracht; W1 und mha-010 entscheiden die Frage nicht.
Zucker wurde im Mittelalter oft auch in herzhaften Gerichten verwendet, um den Geschmack abzurunden oder als Statussymbol, da er ein teures Importgut war.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| gancze ayr | chicken egg Q15260613 |
| zukchers | unrefined cane sugar Q57656231 |
| gell | saffron Q25434 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
gancze ayr
Gewählte Lesart: b4-049 verlangt ganze Eier am Spieß, nennt aber keinen Garzustand. Der nahe Paralleltext mha-010 sagt ausdrücklich, die Eier sollen hart sein; hart gekochte, geschälte Eier sind daher eine begründete Umsetzung, keine in b4-049 selbst ausgesprochene Ergänzung.
swarcz
Gewählte Lesart: Für Schwarz nennt b4-049 kein Mittel. W1 und mha-010 präzisieren diese Stelle ebenfalls nicht; die konkrete Ausführung bleibt offen.
Andere mögliche Lesarten:
gell
Gewählte Lesart: Die Eier werden mit Safran gelb gefärbt, wie es die CoReMA-Glosse zu diesem Rezept (b4.49: gell = saffron) bestätigt.
Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.
Stand dieser Fassung: 11.08.2026 - 2-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.