Met mit Erdbeer- und Veilchenblättern
The Closet of the Eminently Learned Sir Kenelme Digbie Kt. Opened: Whereby is Discovered Several ways for making of Metheglin, Sider, Cherry-Wine, &c. Together with Excellent Directions for Cookery: As also for Preserving, Conserving, Candying, &c. · London · 1669
Nimm ein Quart Honig, vermische es mit einer Gallone Quellwasser und arbeite die Mischung vier Tage lang gut durch, viermal am Tag. Am fünften Tag setze sie über das Feuer, lass sie eine Stunde kochen und schäume sie gut ab.
Dann nimm das Eiweiß von zwei Eiern, schlage es zu Schaum und gib es in die Flüssigkeit. Rühre gut um, bis das Eiweiß einen Schaum aus Abschaum hochgetrieben hat. Nimm sie dann vom Feuer und schäume die Flüssigkeit sauber ab.
Nimm dann eine Handvoll Erdbeerblätter und Veilchenblätter zusammen, dazu ein kleines Zweiglein Rosmarin und zwei oder drei kleine Zweiglein Lavendel, und koche sie so noch einmal (mit diesen Kräutern darin) eine Viertelstunde. Nimm sie dann vom Feuer, und wenn sie kalt ist, fülle sie in ein kleines Fass, gib einen halben Löffel Bierhefe hinein und lass sie gären.
Wenn das geschehen ist, nimm eine Muskatnuss in Scheiben, doppelt so viel Ingwer in Scheiben, sechs zerstoßene Nelken und eine kleine Zimtstange, nähe diese Gewürze in einen kleinen Beutel und verspunde es gut. Der Met ist dann innerhalb von vierzehn Tagen trinkfertig und hält sich ein halbes Jahr.
Willst du deinen Metheglin stärker haben, gib eine größere Menge Honig hinein.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| a quart of honey | Honig | 1 Quart | - | - |
| a Gallon of Fountain-water | Quellwasser | 1 Gallone | - | - |
| the whites of two Eggs | Eiweiß von 2 Eiern | 2 | - | - |
| a handful of Strawberry-leaves | Erdbeerblätter (zusammen mit den Veilchenblättern eine Handvoll) | - | Garten, Kräutergärtnerei | - |
| Violet-leaves | Veilchenblätter (zusammen mit den Erdbeerblättern eine Handvoll) | - | Garten, Wald, Kräutergärtnerei | - |
| a little Sprig of Rosemary | 1 kleines Zweiglein Rosmarin | 1 Zweig | - | - |
| two or three little Sprigs of Spike | 2 bis 3 kleine Zweiglein Lavendel | - | Kräutergärtnerei, Wochenmarkt | - |
| half a spoonful of Ale-yest | Löffel Bierhefe | ½ | Brauereibedarf, Online-Handel | - |
| one Nutmeg sliced | Muskatnuss in Scheiben | 1 | - | - |
| twice as much Ginger sliced | Ingwer in Scheiben, doppelt so viel wie Muskatnuss | - | - | - |
| six Cloves bruised | Nelken, zerstoßen | 6 | - | - |
| a little stick of Cinamon | kleine Zimtstange | 1 | - | - |
Was ist das? Ein Met aus einem Quart Honig auf eine Gallone Wasser, beides nach Hohlmaß, mit einem kurzen Kräutersud und einem Gewürzbeutel. Trinkfertig innerhalb von vierzehn Tagen und haltbar ein halbes Jahr: Digby rechnet hier nicht mit langer Lagerung.
Vier Tage Durcharbeiten. Vor dem ersten Kochen wird die kalte Mischung vier Tage lang viermal täglich durchgearbeitet. Womit, sagt Digby nicht. Im Rezept direkt davor wird der Honig im Wasser mit sauberen Holzkellen auf und ab geschlagen. Modern gesehen: Eine ungekochte Honiglösung kann in vier Tagen von selbst zu gären beginnen, das Kochen am fünften Tag beendet das. Der Text spricht davon nicht.
Klären mit Eiweiß. Nach einer Stunde Kochen und Abschäumen kommt das geschlagene Eiweiß hinein. Es soll den Schaum hochtreiben, der danach abgenommen wird. Die Kräuter kommen erst in die abgeschäumte Flüssigkeit und kochen nur eine Viertelstunde. Ob sie danach herausgenommen werden, steht nicht da.
Hefe und Gewürzbeutel. Die Bierhefe kommt erst in die kalte Flüssigkeit im Fass. Eine Gärdauer und ein Zeichen für das Ende der Gärung nennt Digby nicht, auch nicht, wie groß der Löffel ist. Dass der genähte Beutel ins Fass gehört, sagt der Satz nicht ausdrücklich. Andere Rezepte des Buchs hängen ihn ins Gefäß, und das liegt auch hier nahe.
Für Metmacher: die Zahlen
Modellrechnung mit Literaturwerten für Honig (Dichte, Zuckergehalt), keine Messung an einem angesetzten Met.
| Lesart | Zucker | SG (OG) | °Oe | °Brix | Alkohol bis trocken |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 Quart Honig auf 1 Gallone Wasser (1 : 4), Einkochen nicht beziffert | 247-381 g/l | 1,096-1,147 | 96-147 | 22,8-33,7 | 14,7-22,6 % |
„Alkohol bis trocken“ gilt, wenn aller Zucker vergärt. Liegt der Wert über dem, was die Hefe verträgt, hört die Gärung früher auf, und der Met bleibt süß.
Annahmen: Honig und Wasser stehen im selben Maßsystem (ein Quart ist ein Viertel Gallone), die Frage nach der Größe der Gallone kürzt sich daher heraus. Digby beziffert das Einkochen nicht (eine Stunde Kochen, dann eine Viertelstunde mit den Kräutern); die Rechnung setzt deshalb einen Einkochverlust von 15-40 % an, der die Spanne erzeugt. Nicht eingerechnet sind das Eiweiß und der abgenommene Schaum, die Kräuter, die Gewürze und die Bierhefe.
Praxis. Ab wann die vierzehn Tage laufen, bleibt offen. Für den stärkeren Metheglin nennt Digby keine Menge. Modern gesehen: Heute verspundet man erst, wenn die Gärung sichtbar nachgelassen hat, weil ein fest geschlossenes Fass sonst unter Druck gerät.
Wie lange dauert es, bis der Met trinkfertig ist?
Nach Digby ist er innerhalb von vierzehn Tagen „fit for use“ und hält sich ein halbes Jahr. Ab wann er diese Frist rechnet, sagt er nicht. Vorher kommen vier Tage Durcharbeiten, eine Stunde Kochen, das Klären mit Eiweiß und eine Viertelstunde Kochen mit den Kräutern.
Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?
Nein. Vier Tage Vorarbeit und die Gärung im Fass sind im Lager nicht verlässlich zu führen. Vorführbar ist höchstens das Klären mit Eiweiß über dem Feuer.
Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?
Dieses Rezept stammt aus „Das geöffnete Kabinett des Sir Kenelm Digby“ (London). Posthum 1669 gedruckte Rezeptsammlung von Sir Kenelm Digby: zuerst rund hundert Met- und Metheglin-Rezepte, dazu Ale, Cider und Fruchtweine, danach Speisen, Eingemachtes und Konfekt. Viele Rezepte nennen, von wem Digby sie hat.
- Meath / Metheglin
Meath ist Digbys Schreibung für Met, Metheglin meist ein mit Kräutern oder Gewürzen angesetzter Met. Hier meinen beide Wörter dasselbe Getränk.
- Quart / Gallon
Englische Hohlmaße, deutsch Quart und Gallone; eine Gallone hat vier Quart. Digby misst den Honig hier wie das Wasser nach Hohlmaß, nicht nach Gewicht, das Verhältnis ist also ein Teil Honig auf vier Teile Wasser. Digby sagt nicht, welche Gallone er meint: Die Weingallone fasste rund 3,8 Liter, die Ale-Gallone rund 4,6 Liter. Hier kürzt sich das heraus, weil Honig und Wasser im selben Maß stehen.
- sow
Hier „nähen“, heute sew: Die Gewürze werden in den Beutel eingenäht.
Normdaten der Zutaten
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| a quart of honey | honey Q10987 |
| the whites of two Eggs | egg white Q796758 |
| a little Sprig of Rosemary | rosemary Q122679 |
| a little stick of Cinamon | cinnamon Q28165 |
Lesarten
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
work it well four days together, four times a day
Gewählte Lesart: Durcharbeiten von Honig und Wasser von Hand. Es steht transitiv, vor der Hefegabe und viermal täglich. Digby gebraucht das Wort auch sonst so: „work and Labour it together a whole day“, „work it in the water, till all the honey is dissolved“.
Andere mögliche Lesart:
- Gären lassen, vier Tage lang. - So heißt „work“ bei Digby meist, auch in diesem Rezept beim „let it work“ nach der Hefe. Das viermal tägliche Tun passt aber nicht zu einem Gärvorgang.
Spike
Gewählte Lesart: Lavendel. Ludwig 1706 führt „lavender-spike“, Campe nennt für Spike an erster Stelle den Lavendel. Welche Lavendelart Digby meint, lässt sich nicht festlegen.
Andere mögliche Lesart:
- Römische Speik (Valeriana celtica). - Campe führt sie als zweite Bedeutung. Neben Rosmarin als frisches Zweiglein ist Lavendel näherliegend.
sow these Spices in a little bag, and stop it well
Gewählte Lesart: „it“ ist das Fass, das gut verspundet wird, wie „stop it well“ auch sonst im Buch das Gefäß meint. Der Beutel kommt wohl ins Fass, auch wenn der Satz es nicht sagt: Andere Rezepte hängen ihn ins Gefäß („Hang these in a little bag in the vessel“).
Andere mögliche Lesart:
- „it“ ist der Beutel, der gut verschlossen wird. - Grammatisch möglich. Dann bliebe das Verspunden des Fasses ungenannt.
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Stand dieser Fassung: 31.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.
