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Lady Vernons weißer Metheglin

The Closet of the Eminently Learned Sir Kenelme Digbie Kt. Opened: Whereby is Discovered Several ways for making of Metheglin, Sider, Cherry-Wine, &c. Together with Excellent Directions for Cookery: As also for Preserving, Conserving, Candying, &c. · London · 1669

BochetGetränkLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10
BuchDas geöffnete Kabinett des Sir Kenelm Digby (~1669)

Nimm drei Gallonen Wasser (Regenwasser ist am besten) und koche darin breitblättrigen Thymian, Rosmarin und Poleiminze, von jedem drei Handvoll. Gib es dann zum Abkühlen in eine Steinzeugschüssel und seihe die Kräuter ab.

Wenn es kalt ist, gib ein Quart Honig hinein und verrühre es sehr gut. Gib dann eine Muskatnuss dazu, ein wenig Zimt, Nelken und Ingwer, etwas Orangen- und Zitronenschale. Koche es danach auf und schäume es sehr gut ab, solange noch Schaum aufsteigt. Dann gib deine Gewürze hinein und prüfe mit einem frisch gelegten Ei. Je stärker er ist, desto länger kannst du ihn aufbewahren.

Willst du ihn gleich trinken, fülle ihn auf Flaschen und reibe die Korken mit Bierhefe ein, damit sie ihn berührt. Dann ist er in drei oder vier Tagen trinkfertig.

Frühjahrsfassung: Setzt du ihn im Frühjahr an, nimm keine Gewürze außer Nelken und Zimt und gib Veilchen, Schlüsselblumen, Ringelblumen und Gartennelkenblüten dazu. Verschließe dein Gefäß unbedingt fest mit Kork. Hierzu gib keine Bierhefe, denn die Gartennelkenblüten bringen ihn zum Gären.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
three Gallons of water (rain water is best) Wasser, am besten Regenwasser 3 Gallonen - -
broad Thyme breitblättriger Thymian 3 Handvoll - -
Rose-mary Rosmarin 3 Handvoll - -
Peny-royal Poleiminze 3 Handvoll Kräutergärtnerei, Online-Kräuterhandel Ackerminze oder Grüne Minze, im Geschmack milder
one quart of honey Honig 1 Quart - -
one Nutmeg Muskatnuss 1 - -
a little Cinnamon Ein wenig Zimt - - -
Cloves Gewürznelken - - -
Ginger Ingwer - - -
some Orange and Limon-peels Etwas Orangen- und Zitronenschale - - -
a New-laid-egg frisch gelegtes Ei zur Prüfung 1 - -
yest Bierhefe, nur zum Einreiben der Korken - Heimbrau-Bedarf, Brauerei Obergärige Hefe aus dem Heimbrau-Bedarf
Violets, Cowslips, Marigolds, and Gilly-flowers Veilchen, Schlüsselblumen, Ringelblumen und Gartennelkenblüten, nur für die Frühjahrsfassung - Garten oder Kräutergärtnerei -

Was ist das? Ein Metheglin in zwei Fassungen: eine mit Kräutern und Gewürzen, die auf der Flasche binnen Tagen trinkfertig wird, und eine für das Frühjahr mit Blüten und nur zwei Gewürzen.

Sud und Honig. Zuerst werden die Kräuter im Wasser gekocht, dann kühlt der Sud in einer offenen Schüssel und wird abgeseiht. Der Honig, nach Raum gemessen, kommt erst in den kalten Sud, danach die Gewürze, und erst dann wird noch einmal gekocht. Eine Kochzeit nennt Digby nicht. Das Maß ist der Schaum: Gekocht und abgeschöpft wird, solange noch welcher aufsteigt.

Zweimal Gewürze. Digby gibt die Gewürze vor dem Kochen hinein und schreibt nach dem Abschäumen noch einmal "put in your spices". Ob das eine zweite Gabe ist oder dieselbe, lässt der Text offen. Mengen für eine zweite Gabe nennt er nicht.

Die Eierprobe. Das frisch gelegte Ei prüft die Stärke. Ein Zielmaß nennt Digby hier nicht, und die Honigmenge steht schon fest. Ob man bei zu schwachem Ausfall Honig nachgibt, sagt er nicht. Er sagt nur: je stärker, desto länger haltbar.

Hefe am Kork. Für die schnelle Fassung ist die eingeriebene Hefe am Korken die einzige genannte Hefegabe. Digbys "that it may touch it" setzt voraus, dass die Flüssigkeit den Kork erreicht; wie voll die Flaschen sein sollen, steht nicht da. Der Met gärt also in der verschlossenen Flasche, und die Kohlensäure aus dieser Flaschengärung kann nicht entweichen und bleibt im Getränk. Bei einem anderen Getränk der Sammlung, Doctor Harveys Wasser-Cider, warnt er, der Trunk treibe die Korken heraus, wenn man die Stopfen nicht festbindet.

Frühjahrsfassung. Digby nennt die Gartennelkenblüten als das, was die Gärung in Gang bringt, und begründet es nicht weiter. Ein Fass nennt er nicht, nur ein fest mit Kork verschlossenes Gefäß; der Met gärt darin unter Druck. Wann die Blüten in den Sud kommen und ob die Kräuter des ersten Teils bleiben, sagt er nicht.

Für Metmacher: die Zahlen

Modellrechnung mit Literaturwerten für Honig (Dichte, Zuckergehalt), keine Messung an einem angesetzten Met.

LesartZuckerSG (OG)°Oe°BrixAlkohol bis trocken
1 Quart Honig auf 3 Gallonen Wasser (1 : 12), Einkochen nicht beziffert95-146 g/l1,037-1,05637-569,2-13,95,7-8,7 %

„Alkohol bis trocken“ gilt, wenn aller Zucker vergärt. Liegt der Wert über dem, was die Hefe verträgt, hört die Gärung früher auf, und der Met bleibt süß.

Annahmen: Honig und Wasser stehen im selben Maßsystem (ein Quart ist ein Viertel Gallone), die Frage nach der Größe der Gallone kürzt sich daher heraus. Digby beziffert weder das Einkochen beim Kräutersud noch das zweite Kochen mit dem Honig, das so lange dauert, wie Schaum aufsteigt; die Rechnung setzt deshalb einen Einkochverlust von 15-40 % an, der die Spanne erzeugt. Nicht eingerechnet sind Kräuter, Gewürze, Orangen- und Zitronenschale, die Hefe am Kork und in der Frühjahrsfassung die Blüten.

Praxis. Heutiger Hinweis, nicht bei Digby: Flaschengärung baut Druck auf, und gewöhnliche Flaschen können dabei platzen. Für die schnelle Fassung nimmt man druckfeste Flaschen (Bügel- oder Sektflaschen), lagert sie kühl und öffnet sie vorsichtig. Auch die Frühjahrsfassung baut im fest verschlossenen Gefäß Druck auf; wer sie nachmacht, lässt sie unter einem Gärspund gären und verschließt erst, wenn die Gärung ruht. Statt auf die Blüten zu bauen, setzt man heute Weinhefe zu. Poleiminze enthält Pulegon, das heute als leberschädigend gilt; die schweren Vergiftungen sind vom konzentrierten Öl bekannt, in der Schwangerschaft gilt das Kraut als ungeeignet. Wer das Rezept nachbraut, kann sie durch eine andere Minze ersetzen, hat dann aber nicht mehr Digbys Geschmack.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein. Nach Digby braucht der abgefüllte Metheglin drei oder vier Tage, bis er trinkfertig ist, und die Frühjahrsfassung gärt im fest verkorkten Gefäß. Gärung über Tage ist im Lager nicht verlässlich zu führen. Vorführen lässt sich höchstens das Kochen des Kräutersuds und das Abschäumen.

Wie prüfe ich den Metheglin mit dem frisch gelegten Ei?

Hier schreibt Digby nur "try with a New-laid-egg" und nennt kein Maß. In Sir John Arundels weißem Met ist er genauer: Die Flüssigkeit soll das Ei so tragen, dass ein Stück von der Breite eines Groat trocken zu sehen ist. Ob dieser Wert auch für Lady Vernons Metheglin gelten soll, sagt er nicht.

Warum kommt in die Frühjahrsfassung keine Hefe?

Digby begründet es selbst: "the Clove-gilly-flowers will set it to work", die Gartennelkenblüten bringen ihn zum Gären. Ein Fass nennt er nicht, nur ein fest verkorktes Gefäß, der Met gärt darin also unter Druck. Wer heute nachbraut, setzt Weinhefe zu und lässt unter einem Gärspund gären.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Das geöffnete Kabinett des Sir Kenelm Digby“ (London). Posthum 1669 gedruckte Rezeptsammlung von Sir Kenelm Digby: zuerst rund hundert Met- und Metheglin-Rezepte, dazu Ale, Cider und Fruchtweine, danach Speisen, Eingemachtes und Konfekt. Viele Rezepte nennen, von wem Digby sie hat.

THE LADY VERNON'S WHITE METHEGLIN Take three Gallons of water (rain water is best) boil in it broad Thyme, Rose-mary, Peny-royal, of each three handfuls. Then put it into a stone Pan to cool, and strain away the herbs; and when it is cold, put in one quart of honey, and mix it very well; then put to it one Nutmeg, a little Cinnamon; Cloves and Ginger; some Orange and Limon-peels. Then boil and scum it very well, while any scum will rise. Then put in your spices, and try with a New-laid-egg; and the stronger it is, the longer you may keep it; and if you will drink it presently, put it up in bottles, and rub the Corks with yest, that it may touch it, and it will be ready in three or four days to drink. And if you make it in the spring put no spices, but Cloves and Cinnamon, and add Violets, Cowslips, Marigolds, and Gilly-flowers; and be sure to stop your vessel close with Cork; and to this put no yest, for the Clove-gilly-flowers will set it to work.
Gallon

Englisches Hohlmaß, deutsch Gallone; ein Quart ist ein Viertel Gallone. Digby sagt nicht, welche Gallone er meint: Die Weingallone fasste rund 3,8 Liter, die Ale-Gallone rund 4,6 Liter. Hier kürzt sich das heraus, weil Honig und Wasser im selben Maßsystem stehen.

METHEGLIN

Digbys Wort für einen mit Kräutern und Gewürzen angesetzten Met. Das englische Wort bleibt als Fachbegriff stehen.

broad Thyme

Breitblättriger Thymian. Dieselbe Bezeichnung steht auch im Metheglin nach Sir Edward Bainton; welche Art genau gemeint ist, sagt Digby nicht.

Peny-royal

Poleiminze (Mentha pulegium), bei Ludwig 1706 "poley, flohkraut".

stone Pan

Offene Schüssel aus Steinzeug, zum Abkühlen des Suds.

New-laid-egg

Die Eierprobe auf die Stärke. In Sir John Arundels weißem Met beschreibt Digby sie genauer: Das Ei schwimmt, und ein Stück von der Breite eines Groat, einer englischen Vier-Pence-Münze, bleibt trocken. Hier nennt er kein Maß.

Gilly-flowers

Gartennelken, deren Blüten nach Nelken duften (Ludwig 1706: "clove-gilly-flower, nagelblümlein"). Nicht dasselbe wie die Gewürznelken (Cloves) im selben Satz.

Druck
The Closet of the Eminently Learned Sir Kenelme Digbie Kt. Opened: Whereby is Discovered Several ways for making of Metheglin, Sider, Cherry-Wine, &c. Together with Excellent Directions for Cookery: As also for Preserving, Conserving, Candying, &c.
Teil
Met und Metheglin
Sprache
Frühneuenglisch (London 1669, Restaurationszeit), Rezeptsammlung des Naturphilosophen Sir Kenelm Digby (1603-1665) mit vielen namentlich genannten Gewährsleuten aus England und vom Festland (Lüttich, Antwerpen); Maße nach englischem Weinmaß (Gallon, Pottle, Quart)
Entstehung
London, 1669

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

three Gallons of water (rain water is best)water Q283
Rose-maryrosemary Q122679
Peny-royalpennyroyal Q161235
one quart of honeyhoney Q10987
one Nutmegnutmeg Q83165
a little Cinnamoncinnamon Q28165
Clovesclove Q15622897
Gingerginger Q15046077

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartThen put in your spices

Gewählte Lesart: Wortlaut wiedergegeben: Die Gewürze stehen vor dem Kochen im Text und werden nach dem Abschäumen noch einmal genannt. Der Erstdruck 1669 hat dieselbe Stelle gleichlautend, ein Satzfehler der Ausgabe 1910 ist es also nicht.

Andere mögliche Lesart:

  • Dieselben Gewürze, die erst nach dem Abschäumen wirklich hineinkommen; die erste Nennung zählte sie nur auf. - "your spices" verweist auf schon Genanntes. Dagegen steht, dass die erste Stelle mit "put to it" ausdrücklich eine Zugabe anweist.

Lesartto this put no yest, for the Clove-gilly-flowers will set it to work

Gewählte Lesart: Die Frühjahrsfassung bekommt keine Hefe; Digby führt die Gärung auf die Gartennelkenblüten zurück. Ein Fass nennt er nicht, nur ein fest mit Kork verschlossenes Gefäß, der Met gärt darin also unter Druck.

Andere mögliche Lesart:

  • Die Hefen sitzen auf den Gartennelkenblüten selbst und setzen die Gärung in Gang. - So lässt sich Digbys eigene Begründung wörtlich nehmen. Wann die Blüten in den Sud kommen und ob sie mitgekocht werden, sagt er aber nicht.

Originalwerk (~1669) gemeinfrei.

Bildquelle
S. 60, The Closet of the Eminently Learned Sir Kenelme Digbie Kt. Opened (London 1669), Mikrofilm der Reihe Early English Books 1641-1700 via archive.org
Transkription
Project Gutenberg #16441, nach der Ausgabe von Anne Macdonell (London: Philip Lee Warner 1910) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/dig-044
LagerkücheLagerküche
Gärgetränk: Digby nennt drei oder vier Tage auf der Flasche, die Frühjahrsfassung gärt im verkorkten Gefäß. Gärung über Tage ist im Lager nicht verlässlich zu führen. Vorführbar ist höchstens das Kochen des Kräutersuds und das Abschäumen.
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Stand dieser Fassung: 31.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.