Met mit Rosinen, im Beutel mitgekocht
The Closet of the Eminently Learned Sir Kenelme Digbie Kt. Opened: Whereby is Discovered Several ways for making of Metheglin, Sider, Cherry-Wine, &c. Together with Excellent Directions for Cookery: As also for Preserving, Conserving, Candying, &c. · London · 1669
Gib vierzig Gallonen Wasser in deinen Kessel und nimm mit einem Stock die Höhe des Wassers ab: Schneide eine Kerbe ein, wo die Oberfläche des Wassers hinreicht. Dann gib zehn Gallonen Honig zum Wasser und löse ihn unter vielem Schöpfen auf. Koche es dann sogleich sanft und schäume dabei die ganze Zeit ab, bis es frei von Schaum ist.
Dann gib einen dünnen Beutel aus Beuteltuch hinein, der vierzig Pfund der besten blauen Sonnenrosinen enthält, gut verlesen, gewaschen und trockengewischt. Der Beutel soll so groß sein, dass die Rosinen bequem und locker darin liegen.
Wenn du merkst, dass die Rosinen genug gekocht und sehr weich sind, sodass du ihre ganze Substanz ausseihen kannst, nimm den Beutel heraus und presse alle Flüssigkeit in einer starken Presse aus. Gib sie zurück in die Honigflüssigkeit und koche alles zusammen (die Hülsen der Rosinen hast du mit dem Beutel weggeworfen), bis deine Flüssigkeit auf die Kerbe deines Stocks gesunken ist. Das ist das Zeichen der rechten Stärke.
Dann lass es in einem Holzgefäß abkühlen und durch ein Seihtuch laufen, um es vom Bodensatz zu trennen. Fülle es in ein starkes Fass, in dem Sack oder Muskatellerwein gelegen hat, und lass dabei oben drei Fingerbreit frei (sonst sprengt es beim Gären das Fass). Lass den Spund offen, solange es gärt. Das sind sechs Wochen, sehr kräftig, auch wenn es in einem kalten Keller steht. Nach neun Monaten kannst du anfangen, es zu trinken.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| forty Gallons of water | Wasser | 40 Gallonen | - | - |
| ten Gallons of Honey | Honig | 10 Gallonen | - | - |
| forty pound weight of the best blew Raisins of the Sun, well picked and washed and wiped dry | der besten blauen Sonnenrosinen, verlesen, gewaschen und trockengewischt | 40 Pfund | - | - |
Was ist das? Ein Met aus Honig, Wasser und dem ausgepressten Saft blauer Sonnenrosinen. Kräuter und Gewürze nennt Digby nicht. Verhältnisse und Ablauf entsprechen seinem „To make Excellent Meathe“: ein Teil Honig auf vier Teile Wasser, ein Pfund Rosinen auf jede Gallone Wasser, hier auf vierzig Gallonen Wasser angesetzt.
Die Kerbe statt einer Kochzeit. Digby nennt keine Zeit am Feuer. Die Kerbe hält die Höhe des reinen Wassers fest. Honig und Rosinensaft vergrößern die Menge, und gekocht wird, bis die Flüssigkeit wieder nur so hoch steht wie anfangs das Wasser allein. Das bestimmt für ihn die Stärke, ohne dass gewogen oder eine Probe genommen wird.
Rosinen im Beutel. Anders als im Parallelrezept kochen die Rosinen von Anfang an im Beutel. Sie sollen locker liegen und werden sehr weich gekocht, und der Beutel kommt dann als Ganzes unter die Presse. Der Saft geht zurück in den Kessel, die Hülsen werden mit dem Beutel weggeworfen. Was mit dem Saft durchgeht, trennt das Seihtuch nach dem Abkühlen zusammen mit dem Bodensatz ab.
Gärung mit der Fasshefe. Digby nennt keine Hefe. Der gekochte Sud bringt selbst keine mit, die Gärung kommt aus dem Fass: Ein Fass, das immer wieder für Met oder Wein dient, trägt im Holz eine eingefahrene Hefe. Über die vielen Ansätze haben sich darin die gärkräftigen Stämme durchgesetzt, und sie gären den Ansatz zuverlässig durch. Digby verlangt ein Fass, in dem Sack oder Muskatellerwein gelegen hat. Es bleibt oben drei Fingerbreit leer, weil die aktive Gärung aufschäumt; ein randvolles Fass liefe über, und Digby sagt selbst, sonst breche das Gären das Fass. Der Spund bleibt offen, solange es gärt. Ein Tuch über dem Spund erwähnt er hier nicht, ein Abziehen oder späteres Verspunden auch nicht. Dass die Gärung sechs Wochen sehr kräftig läuft, schreibt er auch für den kalten Keller.
Für Metmacher: die Zahlen
Modellrechnung mit Literaturwerten für Honig (Dichte, Zuckergehalt), keine Messung an einem angesetzten Met.
| Lesart | Zucker | SG (OG) | °Oe | °Brix | Alkohol bis trocken |
|---|---|---|---|---|---|
| 10 Gallonen Honig auf 40 Gallonen Wasser, eingekocht bis zur Kerbe des Wassers allein | 263-286 g/l | 1,102-1,110 | 102-110 | 24,1-26,0 | 15,6-17,0 % |
„Alkohol bis trocken“ gilt, wenn aller Zucker vergärt. Liegt der Wert über dem, was die Hefe verträgt, hört die Gärung früher auf, und der Met bleibt süß.
Annahmen: Honig und Wasser stehen im selben Maß, die Frage nach der Größe der Gallone kürzt sich daher heraus. Digby beziffert das Einkochen über die Kerbe: Gekocht wird, bis nur noch so viel Flüssigkeit da ist wie anfangs Wasser, die Rechnung setzt daher ein Fünftel Einkochverlust an. Nicht eingerechnet ist der ausgepresste Saft der vierzig Pfund Rosinen, der Zucker und Menge hinzufügt; der Met fällt dadurch stärker aus als in der Tabelle. Ebenfalls nicht eingerechnet sind der abgenommene Schaum und der abgeseihte Bodensatz.
Praxis. Bei diesem Ansatz ist der Kochgang schwere Arbeit an einem großen Kessel, und das Pressen braucht eine richtige Presse. Für kleinere Ansätze lassen sich die Verhältnisse aus dem Parallelrezept übernehmen. Ohne ein eingefahrenes Fass setzt man heute Weinhefe zu und arbeitet mit sauberem Gerät.
Wozu dient die Kerbe im Stock?
Sie markiert, wie hoch die vierzig Gallonen Wasser allein im Kessel stehen. Honig und Rosinensaft vergrößern die Menge, und gekocht wird, bis die Flüssigkeit wieder auf die Kerbe gesunken ist. Für Digby ist das „the sign of due strength“, das Zeichen der rechten Stärke.
Wie lange dauert es, bis der Met trinkbar ist?
Digby nennt sechs Wochen sehr kräftige Gärung bei offenem Spund, auch im kalten Keller. Nach neun Monaten kann man anfangen, ihn zu trinken. Mehr Angaben macht das Rezept nicht.
Gärt dieser Met?
Ja. Digby nennt keine Hefe, die Gärung kommt aus dem Fass: Ein Fass, in dem Sack oder Muskatellerwein gelegen hat, trägt im Holz eine eingefahrene Fasshefe, und sie gärt den Ansatz zuverlässig durch. Bei offenem Spund gärt er laut Digby sechs Wochen sehr kräftig. Wer heute ohne ein solches Fass arbeitet, setzt Weinhefe zu.
Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?
Nein. Nach dem Kochgang gärt das Fass sechs Wochen mit offenem Spund, und getrunken wird erst nach neun Monaten. Das ist im Lager nicht verlässlich zu führen.
Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?
Dieses Rezept stammt aus „Das geöffnete Kabinett des Sir Kenelm Digby“ (London). Posthum 1669 gedruckte Rezeptsammlung von Sir Kenelm Digby: zuerst rund hundert Met- und Metheglin-Rezepte, dazu Ale, Cider und Fruchtweine, danach Speisen, Eingemachtes und Konfekt. Viele Rezepte nennen, von wem Digby sie hat.
- Gallon
Englisches Hohlmaß, deutsch Gallone. Digby sagt nicht, welche Gallone er meint: Die Weingallone fasste rund 3,8 Liter, die Ale-Gallone rund 4,6 Liter. Hier kürzt sich das heraus, weil Honig und Wasser im selben Maß stehen.
- blew Raisins of the Sun
Blaue Sonnenrosinen, an der Sonne getrocknete Weinbeeren. „Blew“ ist die Schreibung für „blue“, blau.
- boulter-cloth
Beuteltuch, das feine Tuch zum Sieben von Mehl (Ludwig 1706: „bolter, a bolting bag, ein Mehlbeutel“).
- Sack
Süßer, gespriteter Weißwein aus Spanien oder von den Kanaren.
- Muscadine
Muskatellerwein (Ludwig 1706). Digby nennt ihn hier gleichwertig neben Sack.
Normdaten der Zutaten
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| forty Gallons of water | water Q283 |
| ten Gallons of Honey | honey Q10987 |
Lesarten
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
leave the bung open whiles it worketh
Gewählte Lesart: Eine Hefe nennt Digby nicht, die Gärung trägt die Fasshefe, also die im Holz eingefahrene Hefe des Fasses, in dem Sack oder Muskatellerwein gelegen hat. Bei offenem Spund gärt der Met sechs Wochen sehr kräftig („leave the bung open whiles it worketh, which will be six weeks very strongly“).
Andere mögliche Lesart:
- Digby setzt eine Hefegabe stillschweigend voraus. - Andere Rezepte des Buches setzen Bierhefe ausdrücklich zu, dieses nicht. Daher wird nichts ergänzt.
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Stand dieser Fassung: 31.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.
