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Verdorbenen Met oder Wein mit einem Fässchen Branntwein bessern

Wolf Helmhard von Hohberg, Georgica Curiosa, anderer Teil (Nürnberg: Endter 1682), Buch 10 Teil 1 Kap. 51 „Vom Meth-sieden“ · Niederösterreich (Druck Nürnberg) · 1682

RezeptKellerhandwerkLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10
BuchHohberg: Georgica Curiosa (Vom Met-Sieden) (~1682)

Wenn der Met, wie auch der Wein, verdorben ist, soll man ein verschlossenes Fässchen voll Branntwein hineinhängen. So bessert er sich, wie P. Tylkowski in De re agraria, Seite 101, bezeugt.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Meth Verdorbener Met - - -
Wein Verdorbener Wein - - -
eine verſchloſſene Lagel voll Brandwein verschlossenes Fässchen voll Branntwein 1 - -

Was ist das? Kein Rezept zum Sieden, sondern ein Kellermittel, mit dem Hohberg sein Kapitel vom Metsieden schließt: Ist Met oder Wein verdorben, wird ein verschlossenes Fässchen voll Branntwein hineingehängt, und das Getränk soll sich bessern. Hohberg stützt das allein auf das Zeugnis von P. Tylkowski.

Mischt sich der Branntwein? Ist das Fässchen dicht, nein. Damit fällt zugesetzter Alkohol als Erklärung aus. Einen anderen Wirkweg nennt der Text nicht, und hier wird keiner nachgereicht; die Besserung bleibt Hohbergs Angabe. Anders verfährt Rumpolt 1581: Er gießt Aqua vitae unmittelbar in den gärenden Wein, und zwar vorbeugend.

Was der Text offen lässt. Hohberg sagt nicht, welcher Verderb gemeint ist, wie groß das Fässchen sein soll und wie lange es hängt.

Praxis. Heute ist das nur als Versuch sinnvoll: ein dicht verschlossenes Gefäß und eine unbehandelte Probe zum Vergleich. Eine Besserung im Geschmack sagt nichts darüber, ob das Getränk unbedenklich ist; was schimmelt oder verdorben riecht, wird nicht getrunken.

Funktioniert das Hineinhängen eines Branntwein-Fässchens wirklich?

Das lässt sich aus dem Text nicht belegen. Hohberg gibt an, dass sich das Getränk bessert, und beruft sich auf Tylkowski. Ist das Fässchen dicht, mischt sich der Branntwein nicht mit dem Getränk; einen Wirkweg nennt der Text nicht.

Wie lange hängt das Fässchen, und wie groß ist es?

Das sagt Hohberg nicht. Er nennt weder eine Dauer noch eine Größe und auch nicht, welcher Verderb gemeint ist.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein. Es ist ein Kellermittel für gelagerten Met oder Wein, kein Gericht, und Gärung und Lagerung sind im Lager nicht verlässlich zu führen.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Hohberg: Georgica Curiosa (Vom Met-Sieden) (1682, Niederösterreich - Druck Nürnberg). Aus Hohbergs großem Hausväterbuch das Kapitel vom Met-Sieden: Met aus den Hundstagen, ein Met mit in Weinessig gebeiztem Koriander und Salbei, der Met nach dem Bienenbüchlein, ein Malvasier aus Honig nach de Serres und ein Kellertipp für verdorbenen Met.

Wann der Meth, wie auch der Wein, verderbt iſt, ſo ſoll man eine verſchloſſene Lagel voll Brandwein hinein haͤngen, ſo verbeſſert er ſich, wie P. Tylkowskj de re agrariâ pag. 101. bezeuget.
Lagel

Fässchen, im Druck „Lagel“. Das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch führt ein Gefäß unterschiedlicher Größe für Flüssigkeiten, auch ein kleines Fass; bei Adelung und Campe „Lägel“, ein rundes hölzernes Gefäß. Eine Größe nennt Hohberg nicht.

P. Tylkowski

Im Druck „P. Tylkowskj“: der Jesuit Wojciech (Adalbert) Tylkowski (1624-1695). Gemeint ist der Teil Moralis seiner Philosophia curiosa über die Hauswirtschaft, „ejus pars de Re Agraria“, gedruckt bei den Zisterziensern in Oliva (laut Bibliothekskatalog 1678). Auf S. 101 steht: „Mulsum & vinum corruptum corrigitur, si in eo mergatur clausa lagena plena cremato.“ Verdorbener Met und Wein werden also gebessert, wenn man eine verschlossene, mit Branntwein gefüllte Flasche hineintaucht. Hohberg übersetzt den Satz fast wörtlich, aus dem Eintauchen wird das Hineinhängen.

Druck
Wolf Helmhard von Hohberg, Georgica Curiosa, anderer Teil (Nürnberg: Endter 1682), Buch 10 Teil 1 Kap. 51 „Vom Meth-sieden“
Sprache
Frühneuhochdeutsch, bairisch-österreichisch (Nürnberg 1682); Wolf Helmhard von Hohberg, niederösterreichischer Landadliger
Entstehung
Niederösterreich (Druck Nürnberg), 1682

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Weinwine Q282

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesarthinein haͤngen

Gewählte Lesart: Wörtlich „hineinhängen“: in den verdorbenen Met oder Wein, also in dessen Fass. Hohbergs Vorlage Tylkowski sagt „mergatur“: Die Flasche wird eingetaucht.

Andere mögliche Lesart:

  • Das Fässchen hängt im Leerraum über dem Getränk - Tylkowskis „mergatur“ spricht dagegen; der Wortlaut bei Hohberg allein schlösse es nicht aus.

Originalwerk (~1682) gemeinfrei.

Bildquelle
Scan 401, Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (PPN661042995), Public Domain Mark Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv, hohberg_georgica02_1682 (CC BY-NC 3.0) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/hoh-005
LagerkücheLagerküche
Kein Kochrezept, sondern ein Kellermittel für verdorbenen Met oder Wein. Es setzt gelagertes Gärgetränk voraus, und Gärung und Lagerung über Tage bis Monate sind im Lager nicht verlässlich zu führen.
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Stand dieser Fassung: 01.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.