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Essig aus altem Wein

Köln, Historisches Archiv der Stadt Köln, Best. 7004, 27 · Westmitteldeutscher/ripuarischer Sprachraum (Entstehungsort unbekannt); Handschrift heute Historisches Archiv der Stadt Köln · 1475

Gewürz / SauceGewürz / SauceLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 7/10
Zubereitungszeit5 Min.Portionen1 kleines Gefäß EssigBuchKölner Küchenmeisterei (~1475)

Nimm alten Wein und fülle ein kleines Gefäß zur Hälfte damit.

Stelle es in die Sonne, oder besser noch, lasse es an einem warmen Ort nahe der Glut stehen. So wird guter Essig.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
alten win Alter Wein - Supermarkt -
Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein. Dies ist eine Anleitung zur Essigherstellung, die Wochen bis Monate der Fermentation erfordert und somit nicht für die Zubereitung im Lager geeignet ist.

Was bedeutet 'fuer loiszs stehen' im Rezept?

Wörtlich „zum Feuer - lass es stehen“ („loiszs“ = „lass“ + angehängtes „es“, ein Muster, das auch sonst in der Handschrift vorkommt). Gemeint ist, das Gefäß an einem warmen Ort nahe einer Wärmequelle wie Glut oder einem Ofen zu platzieren, aber nicht direkt ins Feuer zu stellen. Die Wärme fördert die Essigbildung, ohne den Wein zu kochen.

Wozu wurde Essig im Mittelalter verwendet?

Essig war ein vielseitiges und unverzichtbares Mittel. Er diente als Konservierungsmittel für Gemüse und Fleisch, als Würzmittel für Saucen und Salate, und auch als Reinigungsmittel oder in der Medizin.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Kölner Küchenmeisterei (2. Hälfte 15. Jh. oder 16. Jh. - umstritten). CoReMA-Handschrift K1: 182 Rezepte der Kölner Abschrift der "Küchenmeisterei" - derselben Drucktradition wie So1 (Solothurn), aber textlich vollständiger erhalten. Systematisch in fünf Teile gegliedert wie So1: Fleisch/Fisch, Eierspeisen, Gebackenes, Essig-/Kräuterwein-Herstellung, ein ausführliches lateinisch-deutsches Diätetik-Kapitel. Enthält denselben Brombeer-Honigwein wie So1 (dort §133), hier unter dem lateinischen Titel "Vinum de morisrubi" (k1-167) - K1 überliefert an dieser Stelle einen Rezepttitel, den So1 nicht hat.

Item Nym alten win In ein klein veszlin halb fulle Setzts an die Sonn ader besser ist zcum fuer loiszs stehen am warmen So wirt gut essig
veszlin

Ein kleines Gefäß, hier im Sinne eines Krugs oder einer Flasche zur Essigherstellung. CoReMA glossiert es als „barrel“ (Fass), was aber für „klein“ zu groß wäre - der Diminutiv „-lin“ spricht für ein kleineres Gefäß.

fuer loiszs stehen

„Loiszs“ ist „loisz“ (lass, Imperativ von lassen) mit angehängtem „s“ für „es“ - ein Enklise-Muster, das auch anderswo in der Handschrift auftritt (z. B. „Setzts“ = „Setz“ + „es“). Der textgleiche Zeuge so1-118 bestätigt an derselben Stelle „vnd las es stan“ (und lass es stehen). Die Anweisung heißt also: zum Feuer - lass es stehen, in der Wärme. Gemeint ist, das Gefäß in Feuernähe, aber nicht direkt im Feuer stehen zu lassen; die Wärme fördert die Essigbildung, ohne den Wein zu kochen.

Essig

Essig wurde im Mittelalter oft selbst hergestellt, da er ein wichtiges Konservierungs- und Würzmittel war. Die Qualität hing stark von der Ausgangsbasis (Wein) und der Temperatur ab.

Handschrift
Köln, Historisches Archiv der Stadt Köln, Best. 7004, 27
Folio
Fol. 028r
Sprache
Frühneuhochdeutsch (ripuarisch/westmitteldeutsch, Köln) - Datierung umstritten: Menne (1931/1937) 2. Hälfte 15. Jh., Finger et al. (1993) 16. Jh. ohne Begründung; Wasserzeichen/Inhalt liefern laut TEI keine sichere Datierung
Entstehung
Westmitteldeutscher/ripuarischer Sprachraum (Entstehungsort unbekannt); Handschrift heute Historisches Archiv der Stadt Köln, 1475
CoReMA

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

alten winwine Q282

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartveszlin

Gewählte Lesart: Gefäß

Andere mögliche Lesart:

  • Fass - CoReMA glossiert ‚veszlin‘ als ‚barrel‘ (Fass). Jedoch deutet das Adjektiv ‚klein‘ im Originaltext eher auf ein kleineres Gefäß wie einen Krug oder eine Flasche hin, das leichter zu handhaben ist und zur Hälfte gefüllt wird.

Lesartfuer loiszs stehen

Gewählte Lesart: zum Feuer: lass es stehen, in der Wärme (loiszs = loisz „lass“ + enklitisches „s“ = „es“, bestätigt durch den Zeugen so1-118: „vnd las es stan“ an derselben Textstelle)

Lesarthalb fulle

Gewählte Lesart: zur Hälfte befüllen - k1-eigene Ergänzung

Andere mögliche Lesart:

  • keine Entsprechung im textgleichen Zeugen so1-118 - so1-118 (‚tuo altenn win in ein klein fasslin‘) enthält keine Anweisung zur Füllmenge. ‚Halb fulle‘ ist somit eine k1-exklusive Ergänzung gegenüber der gemeinsamen Vorlage, keine gemeinsame Anweisung. Plausibel (mehr Luftkontakt fördert die Essigbildung), aber nicht durch den Zeugen gedeckt.

Originalwerk (~1475) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 028r, Historisches Archiv der Stadt Köln, Best. 7004, 27 ("Küchenmeisterei"-Abschrift, ripuarisch, Datierung umstritten) - CC BY-NC-SA 4.0
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), K1 (Köln, Historisches Archiv der Stadt Köln, Best. 7004, 27), CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Kein Kochrezept im eigentlichen Sinne, sondern eine Anleitung zur Essigherstellung. Dies erfordert Wochen bis Monate der Fermentation und ist nicht für die Zubereitung im Lager geeignet.
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Stand dieser Fassung: 02.08.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.