München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 384 · Südwestdeutschland · 1470
Mache auch ein Mus aus Borretschblüten. Gehe dabei vor, wie du ein Holunderblütenmus zubereiten würdest.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
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| borattsch von den bluomen | Borretschblüten | - | Gärtnerei, Wochenmarkt, selbst anbauen | - |
Welches Gericht ist das? Ein zartes, blumiges Borretschblütenmus, im Geiste eine frühe Form einer süßen, leichten Dessertcreme oder einer feinen Beilage, die durch ihre subtile Aromatik besticht.
So gelingt es. Der Schlüssel liegt darin, die zarten Borretschblüten nur ganz kurz zu erhitzen, damit sie ihre leuchtende Farbe und ihr feines Aroma behalten - sie sind wirklich empfindlich. Erwärme die Milch (als Startpunkt: 250 ml) sanft, bis sie warm, aber nicht kochend ist. Nimm sie vom Feuer, gib die Borretschblüten (eine gute Handvoll) hinzu und lass sie nur für wenige Sekunden darin ziehen. Dann seihe die Milch sofort durch ein feines Tuch oder Sieb ab, um die Blüten zu entfernen und eine glatte Flüssigkeit zu erhalten. Reibe ein bis zwei Scheiben entrindetes Weißbrot sehr fein und rühre es unter die aromatisierte Milch. Erhitze das Mus nun unter ständigem Rühren nochmals ganz kurz und sanft, bis es leicht andickt und eine helle, sämige Konsistenz erreicht. Der häufigste Fehler ist hier, die Blüten zu lange oder zu heiß zu kochen; das Ergebnis wäre ein farbloses, geschmackloses Mus.
So wird es richtig gut. Für die perfekte Balance kannst du das Mus mit einer Prise Zucker oder Honig (beides zeittypisch) abschmecken. Borretsch hat eine leichte Gurken-Note, die sich wunderbar mit etwas Süße verbindet. Eine winzige Spitze Verjus oder ein Tropfen Rosenwasser (ebenfalls historisch passend) kann die blumigen Noten noch hervorheben und dem Mus eine zusätzliche Tiefe verleihen. Achte auf eine glatte, samtige Konsistenz, die weder zu flüssig noch zu fest ist - es soll sich wie eine leichte Creme anfühlen. Serviere das Mus lauwarm oder gekühlt, vielleicht mit ein paar frischen Borretschblüten garniert, um die Optik zu unterstreichen.
Borretschblüten sind saisonal im Frühsommer erhältlich. Du findest sie auf gut sortierten Wochenmärkten, in Bio-Gärtnereien oder kannst Borretsch leicht selbst im Garten anbauen. Achte darauf, nur unbehandelte Blüten zu verwenden.
Ja, dieses Rezept eignet sich gut für die Lagerküche. Es benötigt nur frische Borretschblüten und einen Mörser. Es ist schnell gemacht und lässt sich, in Wein und Honig eingekocht, auch haltbar machen.
Ein 'Mus' ist ein Püree oder Brei. Da das Rezept sehr knapp gehalten ist, werden grundlegende Zutaten wie Milch und ein Süßungsmittel (Honig/Zucker) nicht explizit genannt, waren aber für die Zubereitung üblich. Das Vorbild liefert das Holunderblütenmus.
Dieses Rezept stammt aus dem Münchner Kochbuchhandschriften (Cgm 384) (2. Hälfte 15. Jh., Südwestdeutschland). Das umfangreichste der Münchner Kochbuchhandschriften und das letzte in CoReMA edierte: 83 alemannische (südwestdeutsche) Rezepte des späten 15. Jh., sauber rubriziert von einer Hand auf Bl. 076r-078r und 103v-115v. Schwerpunkt auf Saucen und Vorräten - zahlreiche Salsen (Sältz), Pfeffer- und Leberpfeffer-Saucen (auch schwarzer Pfeffer), Gumpost (eingelegtes süß-saures Gemüse/Obst), Latwergen, Senf sowie Kraut- und Gemüsegerichte. Die gelegentlich erwähnte hebräische Schrift betrifft nur spätere Marginal-Nachträge (Bl. Ir + 122v-123v), nicht die Kochrezepte. Im CoReMA-Projekt (Uni Graz) als Handschrift M2 ediert; größtes Cross-Link-Potenzial zu den anderen Münchner Büchern (Cgm 725/349/811).
Borretsch (Borago officinalis), ein Gartenkraut. Ehlert weist die Form für Cgm 384 als 'borättsch/burätz' aus. Die leuchtend blauen Blüten sind essbar und schmecken mild gurkenartig.
Holunderblütenmus. Das verwiesene Rezept (Cgm 384, Nr. 48 bei Ehlert) bereitet das Mus aus Holunderblüten ('holder blüst'), die in Milch gesotten und durchgeseiht werden - also die Blüten-, nicht die Beerenvariante.
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Stand dieser Fassung: 26.06.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.