Weinsuppe mit Eigelb, Ingwer und Rosinen
Kunstbuch Von mancherley Essen, Gesotten, Gebraten, Posteten, von Hirschen, Vogelen, Wildtprat, vnd andern Schawessen, so auff Fürstlichen, vnd andern Pancketen zuzurichten gehörich · Wolfenbüttel · 1598
Eigelb mit Wein zusammenschlagen und mit gestoßenem Ingwer, Muskatnuss, kleinen Rosinen und einem Stück Butter, so groß wie eine Walnuss, abschmecken.
Alles über das geröstete Weißbrot geben.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Eyerdotter | Eigelb | - | - | - |
| Wein | Wein | - | - | - |
| geſtoſenem Ingber | Ingwer, gestoßen | - | - | - |
| Muſcaten | Muskatnuss | - | - | - |
| klein Roſin | Rosinen, kleine | - | - | - |
| ſo groß Butter als ein Walnuß | Butter, so groß wie eine Walnuss | - | - | - |
| geroͤſte weiß Brot | Weißbrot, geröstet | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Eine Weinsuppe ohne Brühe: Eigelb wird mit Wein zusammengeschlagen, mit gestoßenem Ingwer, Muskatnuss, kleinen Rosinen und einem walnussgroßen Stück Butter fertiggemacht und über geröstetes Weißbrot gegeben. Das Brot ist Unterlage und nimmt die Flüssigkeit auf. Verwandt sind heute Weinschaum und Chaudeau, die allerdings warm aufgeschlagen werden; ob das hier auch so gemeint ist, sagt der Text nicht.
Warm oder kalt? Rontzier nennt keinen Garschritt: Die Dotter werden mit Wein zusammengeschlagen, mit den Zutaten „abgemacht“ und über das Brot gegeben. Küchenpraktisch liegt nahe, die Eigelb-Wein-Mischung bei kleiner Hitze unter ständigem Rühren zu erwärmen, bis sie leicht andickt, ohne sie kochen zu lassen, sonst gerinnt das Eigelb. Das ist eine Folgerung aus der Küchenpraxis, kein Textbefund.
Kleine Rosinen. Gemeint sind kleine Rosinen; Korinthen kommen als zeitgenössische Entsprechung in Frage, der Text legt sich nicht fest.
Praxis. Mengen nennt der Text nicht, nur die Butter ist mit der Walnuss bemessen. Die Zubereitungszeit von etwa 15 Minuten ist eine Schätzung, der Text gibt keine Zeit an.
Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?
Ja, eingeschränkt. Engpass sind die rohen Eigelb und die Butter: kühl halten und zügig verbrauchen. Wein, Ingwer, Muskatnuss, Rosinen und Weißbrot halten ohne Kühlung. Der Text nennt kein Erhitzen; wer das Eigelb nicht roh essen möchte, erwärmt die Eigelb-Wein-Mischung behutsam unter Rühren, ohne sie kochen zu lassen, damit sie nicht gerinnt. Zum Rösten des Brotes genügt eine Pfanne oder ein Rost.
Wie viel Wein und wie viel Eigelb nehme ich?
Der Text nennt keine Mengen. Nur die Butter ist bemessen: ein Stück so groß wie eine Walnuss. Das Verhältnis von Eigelb zu Wein bleibt dem Koch überlassen.
Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?
Dieses Rezept stammt aus dem Kunstbuch von mancherley Essen. Kochbuch des braunschweigisch-lüneburgischen Mundkochs Frantz de Rontzier, gedruckt 1598 in Wolfenbüttel. Höfische Bankett- und Schauessen-Küche: Gesottenes, Gebratenes, Pasteten, Hirsch, Geflügel und Wildbret für fürstliche Tafeln. Rontzier konnte nicht schreiben und hat das Buch diktiert.
Normdaten der Zutaten
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| Eyerdotter | yolk Q16336079 |
| Wein | wine Q282 |
| geſtoſenem Ingber | ginger Q15046077 |
| Muſcaten | nutmeg Q83165 |
| ſo groß Butter als ein Walnuß | butter Q34172 |
Lesarten
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
gibt es vber das geroͤſte weiß Brot her
Gewählte Lesart: Die mit Wein zusammengeschlagenen Dotter werden mit den Zutaten fertiggemacht und so über das geröstete Brot gegeben. Der Text nennt kein Erhitzen, die Mischung kommt also, wie sie ist, auf das Brot.
Andere mögliche Lesart:
- Die Eigelb-Wein-Mischung vorher bei kleiner Hitze unter Rühren erwärmen, bis sie leicht andickt, ohne sie kochen zu lassen. - Heute übliche Praxis bei rohem Eigelb und bei verwandten Weinschaum-Suppen; steht nicht im Text und ist deshalb Empfehlung, nicht Lesart.
Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.
Stand dieser Fassung: 10.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.
