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Haselnuss-Konfekt aus unreifen Nüssen mit grünen Stielen

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

DessertNachspeiseLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 7/10
BuchEin new Kochbuch (~1581)

Haselnuss-Konfekt mit grünen Stielen, die nicht reif sind.

Welches Gericht ist das? Eine Süßspeise aus jungen, noch grünen Haselnüssen, an denen die Stiele bleiben. Mehr als diese Überschrift gibt Rumpolt nicht: keine Zutaten neben den Nüssen, keine Mengen, kein Verfahren. Die übrigen Konfekte seines Kapitels werden in geläutertem Zucker eingekocht oder überzogen. Dass es hier genauso ist, liegt nahe, steht aber nicht im Text.

Was ist unreif, die Nüsse oder die Stiele? Der Satz lässt beides zu. Gemeint sind sehr wahrscheinlich die Nüsse: Wenige Nummern zuvor (Nr. 10, Grüne Nüsse in Zuckersirup) spricht Rumpolt mit derselben Formel von Nüssen, „die nicht zeitig seind“, also von unreifen Nüssen.

Was sind die grünen Stiele? Der Text legt nicht fest, welcher Teil der Pflanze gemeint ist. Am einfachsten liest man es wie bei den Birnen und Weichseln desselben Kapitels: Der Stiel bleibt an der Frucht. Ob die grüne Hülle der Haselnuss mit gemeint ist, bleibt offen.

Praxis. Nachkochen lässt sich das Rezept nicht, denn der Text gibt kein Verfahren an. Das nächstliegende ausgeführte Rezept für unreife Nüsse ist Nr. 10 (Grüne Nüsse in Zuckersirup). Ob Rumpolt hier dasselbe Vorgehen meint, sagt er nicht; ein Verweis darauf fehlt.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein. Rumpolt nennt nur den Namen des Gerichts, ohne Mengen und ohne Zubereitung. Unreife Haselnüsse mit Stielen bekommt man außerdem nicht im Handel.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 2.000 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

16. Haselnuͤß Confect mit gruͤnen Stengeln, die nicht zeitig seyn.
Confect

Das Kapitel „Von anderm Confect“ sammelt Zuckerwerk: Früchte und Nüsse, die in Zucker eingekocht oder damit überzogen werden. Gemeint ist nicht Konfekt im heutigen Sinn von Pralinen.

gruͤnen Stengeln

Stengel heißt hier Stiel. Rumpolt gebraucht das Wort im selben Kapitel für die Stiele, die an Birnen und Weichseln bleiben. Welcher Teil der Haselnuss gemeint ist und wozu die Stiele dienen, sagt er nicht.

die nicht zeitig seyn

Zeitig heißt reif. Grammatisch kann sich „die“ auf die Nüsse oder auf die Stiele beziehen. Gemeint sind sehr wahrscheinlich unreife, noch grüne Nüsse, wie bei den „Nüssen, die nicht zeitig seind“ wenige Rezepte zuvor.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Von anderem Konfekt
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartdie nicht zeitig seyn

Gewählte Lesart: Unreif sind die Haselnüsse. Rumpolt verwendet dieselbe Formel im selben Kapitel für unreife Nüsse („Nuͤß/ die nicht zeitig seind“, Nr. 10), und zeitig = reif ist eine Obst-Bedeutung. Die Übersetzung lässt den Bezug wie der Druck offen.

Andere mögliche Lesart:

  • Unreif sind die Stiele. - Grammatisch möglich, weil „seyn“ zu beiden Pluralen passt. Sachlich ergibt ein unreifer Stiel ohne unreife Nuss wenig Sinn.

Lesartgruͤnen Stengeln

Gewählte Lesart: Die jungen, grünen Nüsse samt ihrem Fruchtstiel, ähnlich wie Rumpolt in Nr. 10 unreife Nüsse „mit der Schalen“ verarbeitet und bei Birnen und Weichseln die Stiele an der Frucht lässt. Für diese Nummer ist das nicht belegt.

Andere mögliche Lesarten:

  • Stiele allgemein, ohne festzulegen, welcher Teil der Pflanze gemeint ist. - Die vorsichtigste Lesart; so steht es in der Übersetzung.
  • Die grünen Hüllblätter, die die junge Haselnuss umschließen. - Botanisch das auffälligste Grün an einer unreifen Haselnuss, aber Stengel bezeichnet sonst Stiel oder Zweig, nicht eine Hülle.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CLXXXb, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-1881
LagerkücheLagerküche
Nein: Rumpolt nennt nur das Gericht, keine Mengen und keine Zubereitung. Unreife Haselnüsse mit Stielen gibt es zudem nicht im Handel, nur im Sommer vom Strauch.
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Stand dieser Fassung: 20.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.