Wo Mittelalter stattfyndet. Where medieval times happen.
Im Viewer öffnenIm Viewer öffnen ÜbersetzenTranslate DokumentDruckversion DokumentTEI-XML

Unreife grüne Nüsse, weichgekocht und in geläutertem Zucker aufgesotten

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10
Zubereitungszeitca. 90 Min. KüchenzeitBuchEin new Kochbuch (~1581)

Nimm Nüsse, die noch nicht reif sind, samt der Schale, und die etwa drei Wochen eingeweicht worden sind. Setze sie in Wasser auf und lass sie sieden, bis sie ein wenig weich werden.

Gib sie dann in geläuterten Zucker und lass sie darin langsam aufsieden. Zieh sie heraus in eine Schüssel und lass sie kalt werden. Gieß nicht viel Sirup darüber, denn sie sind schon süß.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Nuͤß/ die nicht zeitig seind/ mit der Schalen Unreife Nüsse mit der Schale - Eigener Baum, Obstbauern oder Wochenmarkt, nur im Frühsommer -
Wasser Wasser - - -
gelaͤuterten Zucker Geläuterter Zucker - - -

Welches Gericht ist das? Ein Konfekt aus unreifen Nüssen: lange eingeweicht, in Wasser weichgekocht und im geläuterten Zucker langsam aufgesotten, kalt und mit wenig Sirup angerichtet. Rumpolt gibt hier die Kurzform; seine ausführliche Einmachfassung steht im folgenden Kapitel.

Welche Nüsse? Wir nehmen grüne Walnüsse, gepflückt, solange die Schale innen noch weich ist. Heutige Faustregel: Die ganze Nuss lässt sich noch mit einer Nadel durchstechen. Grüne Walnüsse färben Hände und Brett dunkel, Handschuhe sind sinnvoll.

Das Einweichen. Rumpolt sagt nur „ein drey Wochen geweicht“. Wir stechen die Nüsse mehrmals an, legen sie in kaltes Wasser und wechseln es täglich, wie es die Parallelrezepte beschreiben. Das Wässern zieht Bitterstoffe aus der unreifen Nuss. Diese drei Wochen zählen nicht zur Zubereitungszeit.

Weichkochen. In frischem Wasser aufsetzen und sieden, bis ein Messer leicht eindringt. Eine Zeit nennt der Text nicht.

Der Zucker. Als geläuterten Zucker kochen wir einen klaren Sirup aus etwa gleichen Teilen Zucker und Wasser und schäumen ihn ab. Die abgetropften Nüsse darin bei kleiner Hitze aufsieden lassen, nicht sprudelnd kochen.

Praxis. Die Nüsse mit dem Schaumlöffel in eine Schüssel heben und kalt werden lassen, dann nur wenig Sirup darübergießen. Die Zubereitungszeit von etwa 90 Minuten ist eine Schätzung, der Text gibt keine Zeit an; das Einweichen kommt hinzu.

Wo bekomme ich unreife grüne Walnüsse?

Grüne Walnüsse gibt es nur kurz im Frühsommer. Rumpolt nennt keine Zeit; Staindl (std-243) setzt die Ernte in die Tage vor Johannis (24. Juni). Heutige Faustregel: Die Nuss muss sich noch ganz mit einer Nadel durchstechen lassen. Wer keinen eigenen Baum hat, fragt bei Obstbauern oder auf dem Wochenmarkt.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Eingeschränkt. Das dreiwöchige Einweichen muss vorher zu Hause laufen, und grüne Nüsse gibt es nur im Frühsommer. Am Feuer bleiben Weichkochen und Aufsieden im Zuckersirup, dafür reichen ein Topf und eine Schüssel.

Was heißt „geläuterter Zucker“?

„Lauter“ heißt rein, klar: geläuterter Zucker ist geklärter Zucker, hier als Sirup. Wie Rumpolt läutert, steht nicht in diesem Rezept; in seinem ausführlichen Nussrezept (rum-1895) klärt er den Zucker mit geschlagenem Eiweiß. Heute genügt es, Zucker mit Wasser aufzukochen und abzuschäumen.

Warum soll nur wenig Sirup über die Nüsse?

Rumpolt begründet es mit „denn sie seind vorhin süß“. Wir lesen das als „sie sind schon süß“, nämlich vom Aufsieden im Zucker; unreife Nüsse selbst schmecken herb.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 2.000 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

10. Nim̃ Nuͤß, die nicht zeitig seind, mit der Schalen, die ein drey Wochen geweicht seyn, setz in Wasser auff, vnd laß sieden, biß sie ein wenig weich werden, in gelaͤuterten Zucker, vnd laß damit fein gemach auffsieden, zeuchs auß in eine Schuͤssel, vnd laß kalt werden, vnd geuß nicht viel Sirup daruͤber, denn sie seind vorhin suͤß.
Nuͤß/ die nicht zeitig seind

„Zeitig“ heißt reif, gemeint sind also grüne, unreife Nüsse. Die Nussart nennt der Text nicht. Am ehesten ist die Walnuss gemeint: Haselnüsse führt Rumpolt im selben Kapitel eigens unter ihrem Namen (Haselnusskonfekt mit grünen Stängeln), und die Augsburger Parallelen sprechen ausdrücklich von welschen Nüssen. Das ist ein Schluss, kein Beleg.

geweicht

Eingeweicht. Worin die Nüsse drei Wochen liegen, sagt Rumpolt hier nicht. In seinem ausführlichen Einmachrezept (rum-1895) sticht er die Nüsse an, lässt sie vierzehn Tage in Wasser weichen und wäscht sie täglich aus.

gelaͤuterten Zucker

„Lauter“ heißt rein, klar. Geläuterter Zucker ist geklärter Zucker, hier als Sirup, in dem die Nüsse aufsieden. Wie man ihn läutert, beschreibt dieses Rezept nicht.

fein gemach

„Gemach“ heißt langsam, ruhig. Die Nüsse sollen im Zucker sachte aufsieden, nicht sprudelnd kochen. Bei den Nachbarrezepten für Stachelbeeren und Erdbeeren verlangt Rumpolt dagegen einen starken oder geschwinden Sud.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Von anderem Konfekt
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Wasserwater Q283

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartNuͤß

Gewählte Lesart: Walnüsse, unreif und mit der grünen Schale. Haselnüsse nennt Rumpolt im selben Kapitel ausdrücklich (Nr. 16), das nackte „Nuͤß“ meint deshalb am ehesten die Walnuss; die Stenglerin (mst-129) spricht bei demselben Verfahren von „welſchen“ Nüssen.

Andere mögliche Lesart:

  • Haselnüsse - Auch Haselnüsse haben eine grüne Hülle, aber Rumpolt gibt ihnen im selben Kapitel ein eigenes, benanntes Rezept.

Lesartgeweicht

Gewählte Lesart: In Wasser eingeweicht. Rumpolt selbst wässert die unreifen Nüsse in seinem ausführlichen Einmachrezept (rum-1895), ebenso Staindl (std-243) und die Stenglerin (mst-129). Das Medium ist hier ergänzt, nicht genannt.

Andere mögliche Lesarten:

  • In leicht gesalzenem Wasser - In rum-1895 gibt Rumpolt eine Handvoll Salz ins Weichwasser oder legt die Nüsse ganz in Salz. In diesem Rezept steht davon nichts.
  • Nüsse vorher anstechen, Wasser täglich wechseln - Heutige Praxis und so in rum-1895, std-243 und mst-129 beschrieben; Rumpolt verlangt es hier nicht. Als Empfehlung in der Zubereitung.

Lesartdenn sie seind vorhin suͤß

Gewählte Lesart: „Vorhin“ = schon, bereits: Die Nüsse sind durch das Aufsieden im Zucker schon süß, deshalb kommt nur wenig Sirup darüber. Kontextlesart, ohne eigenen Wörterbuchbeleg für diese Stelle.

Andere mögliche Lesart:

  • „ohnehin süß“ - So übersetzen wir dieselbe Formel in anderen Rumpolt-Rezepten, wo sie die Eigensüße der Speise meint. Unreife Nüsse sind aber herb, die Süße kommt hier erst vom Zucker; deshalb „schon süß“.

Lesartgelaͤuterten Zucker (Dicke des Sirups)

Gewählte Lesart: Rumpolt gibt keine Dicke an. Bei Stachelbeeren und Erdbeeren im selben Kapitel verlangt er ausdrücklich dicken Sirup, hier nicht; der Schlusssatz begrenzt nur die Menge des Sirups über den Nüssen.

Andere mögliche Lesart:

  • Klarer Sirup, etwa gleiche Teile Zucker und Wasser - Moderne Arbeitsannahme für die Zubereitung, nicht aus dem Text.

Lesartbiß sie ein wenig weich werden

Gewählte Lesart: Garprobe statt Zeitangabe: sieden, bis die Nüsse ein wenig weich sind. Rumpolt nennt keine Dauer.

Andere mögliche Lesart:

  • Bis ein Messer leicht eindringt - Moderne Umsetzung derselben Garprobe; die Dauer hängt von Größe und Reife der Nüsse ab.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CLXXXa, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-1875
LagerkücheLagerküche
Eingeschränkt: Das dreiwöchige Einweichen muss vor dem Lager geschehen, und grüne Nüsse gibt es nur im Frühsommer. Am Feuer bleiben das Weichkochen und das Aufsieden im geläuterten Zucker, dafür reichen ein Topf und eine Schüssel.
Alle Rezepte aus Ein new Kochbuch Alle Kochbücher

Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.

Stand dieser Fassung: 20.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.