Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581
Nimm Nüsse, die noch nicht reif sind, mit den Schalen und stich sie mit einer Nadel an. Lass sie vierzehn Tage in Wasser weichen und wasche sie jeden Tag einmal oder dreimal aus. Und wenn du sie eine Nacht weichen lässt, wirf eine Handvoll Salz ins Wasser.
Oder (mit Salz): Nimm die Nüsse und beize sie in reinem Salz. Lass sie einen bis vier Tage darin liegen. Nimm sie dann heraus und wasche sie in drei oder vier Wassern aus. Lass sie wieder drei oder vier Nächte weichen, damit das Salz herauskommt.
Kochen und Zuckern: Wenn die Nüsse ausgewässert sind, setze sie aufs Feuer und lass sie einmal kräftig aufkochen. Schütte sie auf einen sauberen verzinnten Durchschlag und lass sie kalt werden. Spicke sie mit Nelken und Zimt. Gib geläuterten Zucker, der gut dick eingekocht ist, in ein Gefäß, lege die Nüsse hinein und lass sie drei oder vier Nächte darin liegen.
Den Zucker klären: Wird der Zucker wässerig, schütte die Nüsse wieder auf einen Durchschlag und lass den Zucker davon abtropfen. Nimm das Weiße von einem Ei und schlage es gut auf. Gib es in den Zucker, setze ihn auf Kohlen und lass ihn gemächlich sieden, so wird der Zucker von dem Eiweiß fein lauter und klar. Schäume ihn gut ab und lass ihn dick einkochen. Seihe ihn durch einen wollenen Sack, so wird er fein lauter und klar.
Fertigstellen: Gieße den Zucker wieder über die Nüsse und lass sie abermals einen Tag oder einige Tage stehen. Wird der Zucker darauf wieder dünn, nimm ihn ab und lass ihn wieder sieden, bis er dick wird. Ist der Zucker aber nicht dünn geworden, so lass es dabei, dann werden die Nüsse gut und wohlschmeckend.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Nuͤß/ die nicht zeitig sein/ mit den Schalen | Unreife Nüsse mit Schale (wohl Walnüsse) | - | Garten, Streuobstwiese oder Wochenmarkt; nur im Frühsommer, solange die Schale noch weich ist | - |
| Wasser | Wasser | - | - | - |
| Saltz | Salz | - | - | - |
| Neglein | Gewürznelken | - | - | - |
| Zimmet | Zimt | - | - | - |
| lautern Zucker/ der wol dick vnd gesottten ist | Zucker, geläutert und dick eingekocht | - | - | - |
| das weiß von einem Ey | Eiweiß | 1 | - | - |
Welches Gericht ist das? Ganze unreife Nüsse, angestochen, lange gewässert, mit Nelken und Zimt gespickt und in dick eingekochtem, geläutertem Zucker eingelegt. Das Ergebnis sind ganze Nüsse in Zuckersirup, keine Fruchtmasse und kein Likör. Rumpolt gibt zwei Vorbehandlungen zur Wahl: vierzehn Tage Wässern oder eine kürzere Salzbeize. Das „Oder“ im Text heißt: das eine oder das andere, nicht beides nacheinander.
Welche Nüsse? Rumpolt schreibt nur „Nuͤß/ die nicht zeitig sein“. In der Praxis nimmt man unreife grüne Walnüsse, deren Schale noch weich ist. Die Walnuss ist ein Schluss aus den Parallelfassungen anderer Kochbücher, nicht Rumpolts Wort.
Anstechen und Wässern. Die Nüsse werden rundum mit einer Nadel angestochen, damit Wasser, Salz und später der Zucker eindringen. Dann vierzehn Tage in Wasser, jeden Tag einmal oder dreimal auswaschen; über Nacht kommt eine Handvoll Salz ins Wasser. Aus Küchensicht nimmt das lange Wässern den unreifen Nüssen die Bitterkeit; Rumpolt nennt keinen Grund. Wer den Salzweg wählt, legt die Nüsse einen bis vier Tage in reines Salz, wäscht sie in drei oder vier Wassern und wässert sie danach noch drei oder vier Nächte, bis das Salz heraus ist.
Aufkochen und Spicken. Die gewässerten Nüsse einmal kräftig aufkochen; eine Zeit nennt der Text nicht. Danach auf einem Sieb abkühlen lassen, heute genügt ein Edelstahlsieb statt des verzinnten Durchschlags. Dann mit Nelken und Zimt bestecken. Die Form des Zimts nennt Rumpolt nicht; praktisch sind dünne Zimtstückchen, die sich in die Nuss stecken lassen.
Der Zucker. Eine Zuckermenge fehlt; der Zucker muss die Nüsse bedecken und dick eingekocht sein. Ob er heiß oder abgekühlt über die Nüsse kommt, sagt der Text nicht; ein leicht abgekühlter Sirup über die kalten Nüsse ist die sichere Wahl. Wird der Zucker nach drei oder vier Nächten dünn, weil die Nüsse Wasser abgeben, wird er abgegossen und geklärt: Eiweiß schaumig schlagen, in den Zucker geben, auf kleiner Glut sanft sieden lassen. Das Eiweiß gerinnt, nimmt die Trübstoffe mit und wird als Schaum abgeschöpft. Dann den Zucker dick einkochen, durch einen wollenen Sack seihen (ein dichtes Tuch tut es auch) und wieder über die Nüsse gießen. Das wiederholt man, bis der Zucker nicht mehr dünn wird.
Praxis. Rund zwei Wochen Wässern oder gut eine Woche mit dem Salzweg, danach mehrere Zuckerdurchgänge über Tage. Die angegebene Zubereitungszeit von etwa zwei Stunden ist eine Schätzung der reinen Arbeitszeit, nicht der Gesamtdauer. Wie lange und wie die Nüsse aufbewahrt werden, sagt Rumpolt nicht. Moderner Hinweis, nicht aus dem Text: Der Saft grüner Walnüsse färbt Hände und Holz dunkelbraun, Handschuhe helfen.
Rumpolt verlangt nur Nüsse, die noch nicht reif sind, und sticht sie samt Schale an. Heute nimmt man dafür grüne Walnüsse aus dem Frühsommer, solange die Schale noch weich ist; die gibt es von eigenen Bäumen, Streuobstwiesen oder bei Direktvermarktern. Das ist moderne Praxis, nicht Rumpolts Angabe. Das Augsburger Kochbuch des Balthasar Staindl (1545) setzt den Zeitpunkt neun Tage vor Sankt Johannis an.
Eingeschränkt. Das vierzehntägige Wässern oder die Salzbeize und das mehrtägige Zuckern gehören nach Hause; ins Lager kommen die fertigen Nüsse im Glas. Salz und Zucker sind haltbarer Vorrat, die unreifen Nüsse gibt es aber nur im Frühsommer.
Rumpolt nennt keinen Grund. Aus heutiger Küchensicht nimmt das lange Wässern den unreifen Nüssen die Bitterkeit. Ein älteres oberdeutsches Kochbuch, das Reichenauer, sagt es selbst: Das Liegen im Salzwasser „zucht es jm die sur vß“. Wer bei Rumpolt den Salzweg wählt, muss das Salz danach wieder auswässern, wie der Text ausdrücklich sagt.
Die Nüsse geben Wasser ab, und der Zucker wird dünn, bei Rumpolt „wässerig“. Darum lässt er ihn abtropfen, mit Eiweiß klären, abschäumen, wieder dick einkochen, durch einen wollenen Sack seihen und erneut über die Nüsse gießen. Das geschieht so oft, bis der Zucker nicht mehr dünn wird.
Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 2.000 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.
Eine Nadel. Das Wort entspricht oberdeutsch Glufe, Stecknadel (Lexer: glufe „acicula“; Fischer: glufe, Stecknadel). Rumpolt sticht mit der Gluua auch einen Wurstdarm und ein rohes Ei an.
Beize sie in reinem Salz, also: lege sie in Salz ein. Aus dem Zusammenhang gelesen, denn das Salz wird danach wieder ausgewässert.
Ein verzinnter Durchschlag, also ein Sieb mit Zinnüberzug. Aus der Wortbildung „über-zinnt“ gelesen.
Spicken heißt hier bestecken: Nelken und Zimt werden in die Nüsse gesteckt.
Geläuterter, also geklärter Zucker. Wie das Läutern geht, beschreibt der Text weiter unten selbst: mit Eiweiß sieden und abschäumen.
Schäume gut ab. Rumpolt gebraucht das Verb faumen, verfaumen (abschäumen) im ganzen Buch, etwa „verfaums wol“.
Ein wollener Sack, durch den der eingekochte Zucker geseiht wird.
„laß den Zucker darvon seigen“: abtropfen lassen. Gleich danach, mit genanntem Gerät, heißt „seig es durch ein Wuͤllen Sack“ durchseihen.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| Wasser | water Q283 |
| Saltz | table salt Q11254 |
| Neglein | clove Q15622897 |
| Zimmet | cinnamon Q28165 |
| das weiß von einem Ey | egg white Q796758 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
Nuͤß/ die nicht zeitig sein
Gewählte Lesart: Unreife Nüsse, wohl Walnüsse. Rumpolt sagt nur „Nuͤß“. Die Parallelfassungen meinen Walnüsse: Staindl (Augsburg 1545) und die Stenglerin (Augsburg 1554, „welsche“ Nüsse), das Reichenauer Kochbuch („bom nuß“, Baumnuss) und das Mondseer Kochbuch.
Andere mögliche Lesart:
Gluua
Gewählte Lesart: Nadel, Stecknadel: oberdeutsch glufe (Lexer, Fischer). Rumpolt gebraucht das Wort im ganzen Buch so, beim Wurstdarm, beim Ei und bei den Nüssen.
Andere mögliche Lesart:
wasch sie alle tag ein mal oder drey auß
Gewählte Lesart: Jeden Tag einmal oder dreimal auswaschen, wörtlich nach dem Text.
Andere mögliche Lesart:
setzs auff das Feuwer/ vnd laß ein starcken Sudt auffthun
Gewählte Lesart: Einmal kräftig aufkochen lassen. „Ein starcker Sud“ ist bei Rumpolt durchgängig ein kurzes, kräftiges Aufkochen.
Andere mögliche Lesart:
spicks mit Neglein vnd Zimmet
Gewählte Lesart: Mit Nelken und Zimt bestecken; in welcher Form der Zimt eingesteckt wird, sagt der Text nicht.
Andere mögliche Lesart:
thu es in lautern Zucker/ der wol dick vnd gesottten ist
Gewählte Lesart: Die Nüsse kommen in dick eingekochten, geläuterten Zucker; ob heiß oder abgekühlt, sagt der Text nicht.
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 20.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.