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Pomeranzenschalen entbittern und in Zucker einkochen

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichAufwändigKorrekturBearbeitungsstand 9/10
BuchEin new Kochbuch (~1581)

Nimm Pomeranzenschalen. Weiche sie ganz ein oder schneide sie klein und lass sie vierzehn Tage in Wasser und Salz weichen, bis die Bitterkeit daraus verschwunden ist.

Wasche sie mit kaltem Wasser aus, setze sie mit frischem Wasser auf und lass sie gut sieden. Nimm sie heraus und lass sie abkühlen.

Koche sie in geläutertem Zucker ein, so wie man die Zitronen einkocht. So werden sie gut und wohlschmeckend.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Pomerantzen Schalen Pomeranzenschalen - Bitterorangen, unbehandelt, im Winter beim Obst- oder Feinkosthändler -
Wasser Wasser - - -
Saltz Salz - - -
lauterm Zucker geläuterter Zucker - - -

Welches Gericht ist das? Bitterorangenschalen, die lange gewässert, abgekocht und dann in geläutertem Zucker haltbar gemacht werden; heute am ehesten mit Orangeat vergleichbar. Das Entbittern beschreibt Rumpolt hier selbst, für den Zucker verweist er auf die Zitronen in der Nummer davor (rum-1898).

Wässern. Vierzehn Tage in Wasser und Salz, „biß daß die bitterkeit davon hinweg kompt“. Das Maß ist also der Geschmack: zwischendurch ein Stück probieren. Salzmenge und Wasserwechsel nennt Rumpolt nicht. Wer sich an den Zitronen orientiert (rum-1898), gibt eine Handvoll Salz ins Wasser und wäscht danach in mehreren Wassern aus, bis das Salz heraus ist. Ob die Schalen ganz bleiben oder klein geschnitten werden, stellt der Text frei.

Sieden. Nach dem Auswaschen mit frischem Wasser aufsetzen und sieden, bis die Schale weich ist und unter dem Finger nachgibt. Dauer und Garpunkt gibt Rumpolt nicht an. Herausnehmen und abkühlen lassen.

Zucker. „Wie man die Zitron eynmacht“ führt zu rum-1898: Zucker läutern und dick einkochen, die Schalen hineinlegen und einige Tage darin liegen lassen. Wird der Zucker dabei wieder dünn, gießt man ihn ab, läutert ihn mit Eiweiß neu, kocht ihn wieder dick ein, seiht ihn durch ein Wolltuch und gießt ihn erneut über die Früchte, drei- bis viermal. Gekocht wird dabei der Zucker, nicht die Schale. Diese Schritte stehen bei den Zitronen, nicht in dieser Nummer.

Praxis. Bitterorangen gibt es nur im Winter; unbehandelte Früchte nehmen, weil die Schale gegessen wird. Mengen nennt Rumpolt keine. Nach diesem Ablauf vergehen vom ersten Wässern bis zum fertigen Glas rund vier Wochen.

Warum müssen die Schalen vierzehn Tage wässern?

Damit die Bitterkeit herausgeht. Rumpolt sagt nur, man solle sie in Wasser und Salz weichen lassen, „biß daß die bitterkeit davon hinweg kompt“. Ob es danach noch bitter ist, merkt man am Probieren. Wie stark gesalzen wird und ob man das Wasser wechselt, gibt er nicht an.

Wie wird der Zucker zubereitet?

Das steht nicht in diesem Rezept, sondern bei den Zitronen direkt davor (rum-1898), auf die Rumpolt verweist: Zucker läutern und dick einkochen, die Früchte einige Tage darin liegen lassen, den dünn gewordenen Zucker mit Eiweiß neu läutern, dick sieden, durch ein Wolltuch seihen und wieder darübergießen, drei- bis viermal. Mengen nennt Rumpolt an beiden Stellen nicht.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Als Schaugericht. Wässern, Abkochen und die ersten Zuckerbäder brauchen Wochen und laufen zu Hause. Am Markt lassen sich das Läutern des Zuckers mit Eiweiß, das Seihen und das Übergießen der Schalen zeigen.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 2.000 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

5. Nim̃ ein Pomerantzen Schalen, weich sie gantz eyn, oder schneidt sie klein, laß ein viertzehen tag im Wasser vnd Saltz weichen, biß daß die bitterkeit davon hinweg kompt, wasch auß kaltem Wasser, vnnd setz mit einem andern Wasser auff, vnd laß wol sieden, thu es herauß, vnd kuͤls auß, mach es mit lauterm Zucker eyn, wie man die Zitron eynmacht, so werden sie gut vnd wolgeschmack.
Pomerantzen

Pomeranze = Bitterorange (Citrus aurantium). Rumpolt schreibt das Wort ohne Zusatz; die Augsburger Parallele bei Staindl (1545, std-226) spricht eigens von „suͤſſen Pomerantzen“, man unterschied also bittere und süße.

weich sie gantz eyn

„einweichen“, also wässern. Das „eyn“ gehört hier zu „weichen“, nicht zum späteren Einkochen in Zucker.

kuͤls auß

„kühle es aus“: abkühlen lassen.

lauterm Zucker

„lauter“ heißt klar, rein. Gemeint ist geläuterter, klarer Zuckersirup; bei den Zitronen (rum-1898) heißt er „gelaͤutert vnd fein dick gesotten“.

eyn mach

Im Kapitel „Von allerley Eyngemachten“ heißt das: in Zucker haltbar machen. Bei den Zitronen (rum-1898) liegt die Frucht im dicken Zucker, der mehrmals neu geläutert, eingekocht und wieder darübergegossen wird.

Zitron eynmacht

Verweis auf die Zitronen, Nr. 4 desselben Kapitels (rum-1898). Dort steht das Zuckerverfahren: läutern mit Eiweiß, dick einkochen, durch ein Wolltuch seihen, über die Früchte gießen und das drei- bis viermal wiederholen.

wolgeschmack

wohlschmeckend.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Von allerlei Eingemachtem
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Pomerantzen Schalenbitter orange Q147096
Wasserwater Q283
Saltztable salt Q11254

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartmach es mit lauterm Zucker eyn

Gewählte Lesart: In Zucker einkochen, wie es das Kapitel „Von allerley Eyngemachten“ meint: die Schalen werden mit geläutertem Zucker haltbar gemacht.

Andere mögliche Lesart:

  • In Zuckersirup einlegen, ohne die Schale selbst im Zucker zu kochen - So verfährt das Zitronenrezept, auf das Rumpolt verweist (rum-1898): gekocht und neu geläutert wird nur der Zucker, die Frucht liegt darin und wird übergossen. Das Ergebnis ist dasselbe; die Übersetzung folgt dem Kapitelwort.

Lesartlauterm Zucker

Gewählte Lesart: „lauter“ = klar, rein. Aus dieser Nummer allein ist nur ein klarer Zucker belegt, keine bestimmte Konsistenz.

Andere mögliche Lesart:

  • Dick eingekochter Läuterzucker, mit Eiweiß geklärt - So beschreibt ihn das Zitronenrezept (rum-1898), auf das Rumpolt verweist; diese Lesart liegt der Zubereitung zugrunde.

Lesartim Wasser vnd Saltz weichen

Gewählte Lesart: Der Text nennt weder eine Salzmenge noch einen Wasserwechsel; das Wasser kann die vierzehn Tage stehen bleiben.

Andere mögliche Lesart:

  • Eine Handvoll Salz ins Wasser, das Wasser zwischendurch wechseln - Die Handvoll Salz stammt aus dem Zitronenrezept (rum-1898), der tägliche Wasserwechsel aus der Parallele bei Staindl (std-226). Beides ist übertragen, nicht aus dieser Nummer.

LesartPomerantzen Schalen

Gewählte Lesart: Die ganze Schale, so wie sie ist, ganz oder klein geschnitten; vom Entfernen des Weißen sagt der Text nichts.

Andere mögliche Lesart:

  • Das Weiße abschneiden und die Schale vorher stechen - So geht Rumpolt bei den Zitronen vor (rum-1898, mit der Gluua gestochen); die Stenglerin (mst-109) schneidet das Weiße bei Pomeranzenschalen ebenfalls ab. Für diese Nummer nicht genannt.

Lesartlaß wol sieden

Gewählte Lesart: „gut sieden“ ohne Dauer oder Garpunkt; Rumpolt gibt hier kein Maß.

Andere mögliche Lesart:

  • Sieden, bis die Schale weich ist und unter dem Finger nachgibt - Bei den Zitronen (rum-1898) siedet man, „biß daß man die gelbe Schal ein wenig durchgreiffen kan“. Das ist der praktische Garpunkt der Zubereitung.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CLXXXIb, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-1899
LagerkücheLagerküche
Schaugericht: Das vierzehntägige Wässern, das Abkochen und die ersten Zuckerbäder laufen zu Hause vorab, das Verfahren übernimmt Rumpolt von den Zitronen (rum-1898). Am Markt lässt sich das Läutern des Zuckers mit Eiweiß, das Seihen durch ein Wolltuch und das Übergießen der vorbereiteten Schalen zeigen.
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Stand dieser Fassung: 20.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.