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Den Weinkeller bewahren: rein halten, Sonne, Kälte und Kohlfeuer fernhalten

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

RezeptKellerhandwerkEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10
BuchEin new Kochbuch (~1581)

Du sollst den Weinkeller unter den Fässern rein halten und überall sauber fegen, wenn es nötig ist. Im Sommer verwahre Tür und Fenster, damit die Sonne nicht auf oder in den Keller scheint, und im Winter verstopfe sie gut, damit keine Kälte hineinkann. Hüte den Keller vor den Ostwinden und vor Donner und Blitz, damit die nicht hineinkommen.

Wenn du im Winter in den Keller gehst, so schließ die Tür fleißig hinter dir zu, damit die Kälte nicht hineinschlägt. Hüte dich auch, ein Kohlfeuer darin zu machen, denn es ist den Weinen sehr schädlich: Der Dampf legt sich in die Weine, sodass sie hernach leicht umschlagen.

Kellertüren und Fenster, die nach Süden und Norden gerichtet sind, sind die besten. Die darfst du zuzeiten offen lassen, wenn der Himmel klar ist und die guten Winde wehen, doch nur am Abend oder am Morgen, wenn es nicht heiß ist.

Was ist das? Kein Gericht, sondern eine Kellerordnung aus Rumpolts Kellermeisterei: wie man den Weinkeller sauber, vor Sonne und Kälte geschützt und frei von Feuer hält. Zubereitet wird nichts.

Das Kohlfeuer. Rumpolt verbietet, im Keller ein Kohlfeuer zu machen, also eine Glut aus Holzkohle. Seine Begründung: Der Dampf lege sich in die Weine, sodass sie hernach leicht umschlagen. Ein allgemeines Verbot zu heizen spricht er nicht aus, er nennt nur dieses Feuer.

Umschlagen. Vom Wein sagt Rumpolt, er „verstoße“ gern. Gemeint ist, dass er umschlägt; welchen Weinfehler er damit meint, sagt er nicht.

Fenster im Winter. „Verstopfen“ heißt dicht machen, damit keine Kälte eindringt. Womit, steht nicht da.

Lüften. Offen stehen dürfen nur Türen und Fenster nach Süden und Norden, und auch die nur bei klarem Himmel und guten Winden, am Morgen oder am Abend, wenn es nicht heiß ist.

Praxis. Den Keller unter den Fässern sauber fegen, im Sommer die Sonne und im Winter die Kälte abhalten, die Tür hinter sich schließen und keine Glut in den Keller bringen. Zeiten oder Temperaturen nennt Rumpolt nicht. Nach heutigem Wissen kommt hinzu: Holzkohlenglut in einem geschlossenen Keller bildet Kohlenmonoxid, das für Menschen gefährlich ist.

Warum darf im Weinkeller kein Feuer brennen?

Rumpolt verbietet ein Kohlfeuer, also eine Glut aus Holzkohle. Als Grund nennt er den Dampf, der sich in die Weine lege, sodass sie danach leicht umschlagen. Mehr sagt der Text nicht.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein. Es ist eine Anleitung zur Kellerpflege, kein Gericht. Übertragbar ist nur der Grundsatz: Wein sauber, kühl, vor Sonne geschützt und ohne Rauch lagern.

Was bedeutet „verstopfen“ bei den Kellerfenstern im Winter?

Fenster und Türen dicht machen, damit keine Kälte eindringt. Womit, sagt der Text nicht.

Welche Türen und Fenster darf man öffnen?

Nur die nach Süden und Norden gerichteten, und auch die nur bei klarem Himmel und guten Winden, am Morgen oder am Abend, wenn es nicht heiß ist.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 2.000 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

Wie man die Keller sol bewaren. Du solt den Weinkeller rein halten vnter den Fassen, vnnd vberal schoͤn fegen, wenn es not ist, vnd im Sommer bewar die Thuͤr vnd die Fenster, daß nicht die Sonn auff oder in die Keller schein, vnnd im Winter verstopffe sie wol, daß kein Kalte hinein moͤg, vnnd verhuͤte jhr vor den Ostwinden, vnd vor dem Donder vnd Plitz, daß die nicht hinein moͤgen kommen. Jtem, wenn du im Winter in den Keller gehest, so thu die Thuͤr nach dir fleissig zu, daß die Kaͤlte nicht hinein schlage, Auch soltu verhuͤten, daß du kein Kolfeuwer darein machest, denn es ist den Weinen gar schaͤdtlich, der dampff leget sich in die Wein, daß sie nachmals gern verstossen. Jtem, welche Kellerthuͤr vnnd Fenster stehen gegen dem Sudt vnnd Nordtwindt, die seind die besten, die magst du zu zeiten offen lassen, wenn der Himmel hell ist, vnd die guten Windt wehen, doch daß solches geschehe am Abendt oder Morgens, wenn es nicht heiß ist.
Kolfeuwer

Kohlfeuer, also eine Glut aus Holzkohle. Die Lesung mit K folgt dem Druck. Rumpolt gebraucht dasselbe Wort wenig später beim Räuchern eines Fasses („ein Kachel mit Kolfeuwer“).

verstossen

Vom Wein gesagt: Er „verstößt“ gern, das heißt, er schlägt um. Rumpolt gebraucht das Wort in seiner Kellermeisterei mehrfach so.

Ostwinden

Ostwinde sollen vom Keller ferngehalten werden; im Stück davor schreibt Rumpolt „Osterwinden“. Süd- und Nordwind gelten dagegen als gute Winde, bei denen Türen und Fenster offen stehen dürfen.

Donder vnd Plitz

Donner und Blitz. Dass Gewitter den Weinen schaden, sagt Rumpolt auch im Stück davor: Die Weine „bewegen sich“ und „stehn gern auff darvon“.

gegen dem Sudt vnnd Nordtwindt

Gemeint ist die Lage: Türen und Fenster, die nach Süden und Norden gerichtet sind.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Anhang: Wie man Wein macht, pflegt und bessert
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartKolfeuwer

Gewählte Lesart: Kohlfeuer, ein Feuer aus Holzkohle (DWB „Kohlfeuer“: „feuer von kohlen“, mit der Schreibung „kolfewer“; FWB „kol(en)feuer“). Rumpolt verbietet nur dieses Feuer im Keller, wegen des Dampfes, der sich in den Wein legt.

Andere mögliche Lesart:

  • Jede Glut oder Heizung im Keller - Der Text nennt ausdrücklich nur das Kohlfeuer; ein allgemeines Verbot zu heizen steht nicht da. In der Praxis läuft es auf dasselbe hinaus: keine Glut in den Keller bringen.

Lesartverstossen

Gewählte Lesart: Der Wein schlägt um. So gebraucht Rumpolt das Verb in seiner Kellermeisterei auch anderswo, und der Satz verbindet es mit dem Dampf, der den Wein schädigt.

Andere mögliche Lesart:

  • Der Wein gerät in Unruhe - Im Stück davor heißt es vom Gewitter, die Weine „bewegen sich“ und „stehn gern auff darvon“. Das passt zum Umschlagen, ist aber keine eigene Bedeutung von „verstoßen“.

Lesartverstopffe sie wol

Gewählte Lesart: Tür und Fenster im Winter dicht verschließen, damit keine Kälte hineinkommt. Ein Material nennt Rumpolt nicht.

Andere mögliche Lesart:

  • Mit einem bestimmten Dichtmaterial verstopfen - Weder hier noch im Stück davor („so verstopffe die Fenster“) steht, womit. Deshalb bleibt das Material offen.

Lesartverhuͤte jhr vor den Ostwinden

Gewählte Lesart: Der Keller soll vor den Ostwinden gehütet werden. Dafür spricht der Nachsatz „daß die nicht hinein moͤgen kommen“: Wind, Donner und Blitz sollen nicht in den Keller gelangen.

Andere mögliche Lesart:

  • Die Weine vor den Ostwinden hüten - In den Stücken davor steht dieselbe Wendung von den Weinen („sol jr verhuͤten vor den Osterwinden“, „man sol sie verhuͤten“). Möglich, hier aber steht der Satz mitten in Anweisungen zum Keller.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CLXXXVIIIa, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-1940
LagerkücheLagerküche
Kein Kochrezept, sondern eine Kellerordnung. Im Lager lässt sich höchstens der Grundsatz übernehmen: Wein und Vorräte kühl, vor Sonne geschützt und rauchfrei lagern.
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Stand dieser Fassung: 20.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.