Das kochbúch der sabina welserin · Augsburg · 1553
Ein Gericht, bei dem jede Portion eine eigene Farbe trägt: Hühner an einem [...] braten (der Text bricht an dieser Stelle ab - das Substantiv nach „einem“ fehlt, ebenso die weiteren Anweisungen zur Färbung).
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| hiener | Hühner | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Ein Spießhuhn, das nach dem Braten mit einer eigenen Farbglasur bestrichen werden sollte, sodass jede Portion eine andere Farbe trägt - ein reines Schaugericht der Festtafel, kein Aromakonzept. Die vollständige Fassung dieses Rezepts steht unter saw-003; dort lässt sich die hier fehlende Färbetechnik im Detail nachlesen.
Der überlieferte Text bricht jedoch genau an der Stelle ab, die die eigentliche Färbetechnik beschreiben würde. Von diesem Gericht ist in dieser Abschrift nur der erste Arbeitsschritt erhalten.
Praxis. Brate die Hühner am Spieß, ohne sie zu eng zusammenzubinden, bis sie gar und gebräunt sind - eine unproblematische Grundtechnik ohne besonderen Aufwand. Die anschließende Färbung, das eigentliche Herzstück des Gerichts, lässt sich aus diesem Bruchstück nicht mehr rekonstruieren, aber vollständig in saw-003 nachlesen.
Der überlieferte Text bricht nach der ersten Zeile ab - ein Überlieferungsbefund dieser Abschrift, keine bewusste Kürzung. Das Kochbuch überliefert dasselbe Rezept an anderer Stelle vollständig (saw-003), sodass sich das Gericht dort nachvollziehen lässt.
Damit sind Gerichte gemeint, bei denen verschiedene Portionen unterschiedlich eingefärbt wurden. Die vollständige Fassung dieses Rezepts (saw-003) nennt fünf Farben, erzeugt mit Eiweiß (Weiß), Weichsel-Latwerge (Braun), Safran und Eigelb (Gelb), Petersilie (Grün) und Gewürznelken (Schwarz). Solche mehrfarbigen Anrichte-Effekte waren ein beliebtes Element festlicher Patriziertafeln, um Reichtum und Kochkunst zu demonstrieren.
Eingeschränkt zu beurteilen. Das erhaltene Textfragment beschreibt nur das Braten von Hühnern am Spieß, was für sich genommen problemlos am Lagerfeuer machbar wäre. Da die eigentliche Färbetechnik in dieser Abschrift fehlt, lässt sich der Gesamtaufwand aber nicht verlässlich abschätzen.
Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch der Sabina Welserin“. Von der Verfasserin selbst 1553 datiertes Kochbuch aus dem Augsburger Patriziat - eines der wenigen frühneuzeitlichen deutschen Kochbücher, das eine Frau als Autorin nennt. Gloning zählt 205 Rezeptnummern, dazu sechs als Sub-Buchstaben gezählte Zweitschriften (1a, 2a, 3a, 7a, 136a, 137a), die im Codex an anderer Stelle stehen als ihre Originale. Handschrift: Augsburg, Staats- und Stadtbibliothek, 4° Cod 137 (XXI + 55 Bl., Register auf Bl. I-XXI, Rezepte ab Bl. 1r).
Titelformel für ein Gericht, bei dem verschiedene Portionen unterschiedlich eingefärbt werden - ein beliebter Schaueffekt der Festtafel. saw-003 überliefert dasselbe Rezept vollständig: fünf Farben, nämlich Weiß (Eiweiß), Braun (Weichsel-Latwerge), Gelb (Safran/Eigelb), Grün (Petersilie) und Schwarz (Gewürznelken).
Imperativ von 'braten' - hier: 'brate'.
Augsburgisch-schwäbische Pluralform von Huhn (vgl. Fischer, Schwäbisches Wörterbuch: 'hun, Plural hiener').
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
prat hiener an ainem
Gewählte Lesart: Der Satz wird als Beginn der Anweisung 'brate Hühner an einem Spieß' gelesen. Das Substantiv nach 'ainem' fehlt im überlieferten Fragment vollständig, aber die vollständige Zweitschrift desselben Rezepts (saw-003) führt den Satz mit 'an ainem spisß' fort - das stützt die Lesart 'Spieß' stark.
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 16.08.2026 - 2-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.