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Gelbes Brühlein mit Safran

Das kochbúch der sabina welserin · Augsburg · 1553

Gewürz / SauceGewürz / SauceLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10
Zubereitungszeit10 Min.Portionenals Sauce für 4-6 PortionenBuchDas Kochbuch der Sabina Welserin (~1553)

Das gelbe Brühlein wird genauso zubereitet wie das schwarze Brühlein. Nur anstelle der Kirsch-Sülze einen Safran nehmen und keine Nelken dazugeben, dann ist die Brühe ebenso gut.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
saffera Safran - Gewürzhandel, gut sortierter Supermarkt -
seltz Kirsch-Sülze (wird durch Safran ersetzt) - - -
negellin Gewürznelken (werden weggelassen) - - -

Welches Gericht ist das? Eine safrangelb gefärbte, gebundene Bratensauce zu Wildbret oder Fleischgerichten - die helle Schwester des in saw-005 beschriebenen "schwarzen Brühleins". Dieselbe Grundsauce (Schmalz-Mehl-Bindung, Wein, Gewürze), nur mit Safran statt der schwärzenden Kirsch-Sülze gefärbt und ohne Nelken gewürzt.

Die vorausgesetzte Basis. Der Text setzt die Zubereitung des "schwarzen Brühleins" (saw-005) voraus und beschreibt nur die Abweichung. Dort wird zunächst Schmalz erhitzt und ein Löffel Mehl darin gebräunt, dann mit Wein aufgegossen und mit Zucker, Ingwer, Pfeffer, Zimt sowie Rosinen/Zibeben und Mandeln gewürzt. Für die gelbe Variante entfällt die dort genannte Kirsch-Sülze zugunsten von Safran, und die Nelken werden weggelassen, damit die Sauce heller und dezenter bleibt als die schwarze Version.

Praxis. Die Roux-Basis nach saw-005 ansetzen, mit Wein ablöschen, mit Safran statt der Kirsch-Sülze färben, die übrigen dort genannten Gewürze außer den Nelken zugeben und einkochen lassen, bis die Sauce bindet. Ohne saw-005 lässt sich dieses Rezept nicht eigenständig nachkochen - es beschreibt ausdrücklich nur den Unterschied zur Basissauce.

Was ist ein 'Brühlein' - eine Suppe, eine Sauce oder etwas anderes?

'Brie' bzw. 'Brielin' bezeichnet im Kochbuch der Sabina Welserin eine gebundene, würzige Sauce, die über Fleisch oder Wildbret gegeben wird - vergleichbar mit einer heutigen Bratensauce, nicht mit Brei oder dem französischen Käse Brie.

Ich habe das 'schwarze Brühlein'-Rezept nicht - kann ich dieses Rezept trotzdem nachkochen?

Nicht direkt, denn dieses Rezept beschreibt nur die Abweichung von der Basissauce. Die Basis - das 'schwarze Brühlein' - ist im Kochbuch aber überliefert (siehe saw-005, 'Wildschweinkopf mit schwarzer Weinbrühe'): dort eine Mehlschwitze aus Schmalz und Mehl mit Wein aufgießen und würzen, dann für die gelbe Variante statt der dort schwärzenden Kirsch-Sülze Safran nehmen und die Nelken weglassen.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Ja, mit Einschränkung. Die Anpassung selbst - Safran statt der Kirsch-Sülze, keine Nelken - ist in wenigen Minuten erledigt. Der eigentliche Aufwand steckt in der Basissauce, dem 'schwarzen Brühlein' (saw-005), die vorher zubereitet werden muss.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch der Sabina Welserin“. Von der Verfasserin selbst 1553 datiertes Kochbuch aus dem Augsburger Patriziat - eines der wenigen frühneuzeitlichen deutschen Kochbücher, das eine Frau als Autorin nennt. Gloning zählt 205 Rezeptnummern, dazu sechs als Sub-Buchstaben gezählte Zweitschriften (1a, 2a, 3a, 7a, 136a, 137a), die im Codex an anderer Stelle stehen als ihre Originale. Handschrift: Augsburg, Staats- und Stadtbibliothek, 4° Cod 137 (XXI + 55 Bl., Register auf Bl. I-XXI, Rezepte ab Bl. 1r).

Welt jr ain gelbs brielin machen So machts jn massen wie das schwartz brielin, allain fúr die seltz nempt ain saffera vnnd thiet kain negellin daran, so habt jr aúch ain gúten brie.
brielin

Verkleinerungsform von 'brie' (Brühe/Sauce), also ein kleines, gebundenes Brühlein - keine Verbindung zum Käse Brie oder zu 'Brei'.

schwartz brielin

Verweist auf saw-005 ("Wildschweinkopf mit schwarzer Weinbrühe"), das unmittelbar vorausgehende Rezept derselben Handschrift und die hier vorausgesetzte Basissauce. Sie wird hier nicht wiederholt, nur die Abweichung (Safran statt Kirsch-Sülze, ohne Nelken) wird genannt.

seltz

Sülze bzw. Fruchtmus - hier vermutlich verkürzt aus 'kersseltz' (Kirsch-Sülze), der Zutat, die im 'schwarzen Brühlein' (saw-005: 'ain gúten kersseltz, das es schwartz werd') dessen dunkle Färbung erzeugt. Nicht 'Salz': saw-046 übersetzt bloßes 'seltz' im selben Buch ebenfalls als 'Sülze', saw-007/saw-007a 'kersseltz' konsequent als 'Kirschmus'.

negellin

Gewürznelken - für die gelbe Variante werden sie ausdrücklich weggelassen, damit die Sauce hell und safrangelb bleibt statt dunkel gewürzt.

Handschrift
Das kochbúch der sabina welserin
Folio
Fol. 3 recto
Sprache
Frühneuhochdeutsch (ostschwäbisch/augsburgisch, Mitte 16. Jh.)
Entstehung
Augsburg, 1553

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

safferasaffron Q25434
seltzsauce Q178359
negellinclove Q15622897

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartseltz

Gewählte Lesart: Als 'Kirsch-Sülze' bzw. Kirschmus gelesen - vermutlich eine Kurzform von 'kersseltz', der Zutat, die laut dem vorausgehenden 'schwarzen Brühlein' (saw-005: 'ain gúten kersseltz, das es schwartz werd') dessen dunkle Färbung erzeugt. Die Anweisung heißt dann: anstelle der Kirsch-Sülze wird Safran genommen, um die Sauce gelb statt schwarz zu färben.

Andere mögliche Lesart:

  • Als Variante von 'Salz' gelesen, gestützt durch den Wörterbuchverweis 'seltz- s. solts-' (solts = mhd. Salz). - Der Austausch von reinem Speisesalz gegen Safran ergibt kulinarisch wenig Sinn, da Salz als Grundwürze normalerweise erhalten bleibt. Zudem übersetzt saw-046 bloßes 'seltz' im selben Buch bereits konsequent als 'Sülze', und saw-007/saw-007a 'kersseltz' als 'Kirschmus' - der Wörterbuchverweis auf 'Salz' erklärt sich eher etymologisch (Sülze ursprünglich = in Salz/Lake Eingelegtes) als über die hiesige Wortbedeutung.

Originalwerk (~1553) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 3 recto, Augsburg, Staats- und Stadtbibliothek, 4° Cod 137 (urn:nbn:de:bvb:37-dtl-0000005911)
Transkription
Uni Giessen (Gloning, Internet-Ausgabe nach Stopp 1980) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Die Delta-Anpassung selbst (Safran statt Kirsch-Sülze, keine Nelken) ist in wenigen Minuten am Feuer erledigt. Sie setzt aber die Basissauce "schwarzes Brühlein" (saw-005) voraus - deren Zubereitung (Mehlschwitze, Wein, Gewürze) ist ihrerseits reines Feuer-Handwerk ohne Ofen, aber mehrschrittig. Ohne Kenntnis der Basis ist dieses Rezept am Lager nicht eigenständig nachkochbar.
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Stand dieser Fassung: 15.08.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.