Das kochbúch der sabina welserin · Augsburg · 1553
Die Eier gut und gründlich sauber waschen. Die Eier aufschlagen und dabei die Schalenhälften aufheben. Mit Salz und Pfeffer würzen.
Die Eier zurück in die Schalenhälften geben, aus denen sie stammen, und diese auf den Rost legen. Butter darübergießen, so viel wie eben in die Schale passt.
Auf einer guten Glut braten lassen, etwa so lange, wie man braucht, um ein paar Eier zu sieden. Dann warm auf den Tisch geben, sodass die Butter noch dabei ist.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Ostergi | Eier | - | - | - |
| saltzts | Salz | - | - | - |
| pfefferts | Pfeffer | - | - | - |
| pútter | Butter | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Ein rohes, gewürztes Ei bleibt in der eigenen halben Schale, wird mit Butter übergossen und in der Schale selbst auf dem Rost über der Glut gegart - die Eierschale wird zur kleinen Bratpfanne. Das ist ein früher Verwandter der französischen Œufs cocotte beziehungsweise der englischen shirred eggs (Ei mit Butter, im eigenen Gefäß gegart), nur dass hier die Schale selbst statt eines Töpfchens dient. Im selben Buch steht mit saw-052 („Aus der Schale gestürzte Eier") ein verwandtes, aber anderes Verfahren: dort wird das verquirlte, gesalzene Ei AUS der intakten Schale in heißes Schmalz geschüttet, hier bleibt es DRIN und wird direkt in der Schale gebraten.
Die Zeitformel „ain bar air jset". Das Verb „jset" ist an dieser Stelle vermutlich eine Schreibvariante von „sied-"/„seud-" (sieden = kochen), nicht von „isset" (isst). Dieselbe Zeitformel „als [lang] man ain bar air [Verb]" kommt im Buch noch zweimal wörtlich mit dem Verb „sieden" vor (saw-031, saw-163) - beide Male als anschauliches Zeitmaß für eine kurze, überschaubare Dauer, wie man sie zum Eiersieden braucht, nicht als genaue Minutenangabe.
Garzustand. Der Text nennt an dieser Stelle keinen Garzustand des fertigen Eis, nur die Zeitformel. Für die Nachkoch-Praxis unten wird deshalb die sicherere, eindeutige Variante empfohlen: vollständig gestockt garen. Dass die Zeitformel andernorts mit einem „lind" (weichen) gesottenen Ei verglichen wird, könnte auf einen weicheren Garzustand hindeuten - das bleibt aber eine Lesart, keine Vorgabe des Textes an dieser Stelle.
Praxis. Eier vor dem Aufschlagen gründlich waschen. Vorsichtig am stumpfen Ende anschlagen und aufbrechen, dabei beide Schalenhälften möglichst intakt aufheben. Ei mit Salz und Pfeffer würzen und zurück in die eigene Schalenhälfte geben. Ein Stück Butter daraufgeben - so viel, wie eben in die Schale passt. Die gefüllten Schalenhälften auf einem Rost über glühender, nicht offen flammender Glut aufsetzen und garen, bis Eiweiß und Eigelb vollständig gestockt sind (wenige Minuten, die Schale ist dünn und brennt schnell an - im Blick behalten). Da dünne Eierschalen auf einem Rost leicht kippen oder springen können, hilft moderne Küchenpraxis mit einem stabilisierenden Ring (Muffinform, Eierbecher) nach - der Quelltext selbst nennt dafür keine Vorkehrung. Warm servieren, solange die Butter noch in der Schale ist.
Ja, hervorragend geeignet. Nur Eier, Salz, Pfeffer und Butter, dazu ein Rost über der Glut - schneller geht Lagerküche kaum.
Das ist eine feste Zeitformel, die im Buch noch zweimal wörtlich mit dem Verb „sieden" vorkommt (saw-031: „lasß es sieden vngeferlich wie ain lind bar air"; saw-163 zweimal mit „seúdt"): die Eier sollen so lange auf der Glut bleiben, wie man braucht, um ein paar Eier zu sieden - eine kurze, alltagsnahe Zeitspanne statt einer genauen Minutenangabe.
Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch der Sabina Welserin“. Von der Verfasserin selbst 1553 datiertes Kochbuch aus dem Augsburger Patriziat - eines der wenigen frühneuzeitlichen deutschen Kochbücher, das eine Frau als Autorin nennt. Gloning zählt 205 Rezeptnummern, dazu sechs als Sub-Buchstaben gezählte Zweitschriften (1a, 2a, 3a, 7a, 136a, 137a), die im Codex an anderer Stelle stehen als ihre Originale. Handschrift: Augsburg, Staats- und Stadtbibliothek, 4° Cod 137 (XXI + 55 Bl., Register auf Bl. I-XXI, Rezepte ab Bl. 1r).
Ostereier - der Buchtitel selbst ist verkürzt überliefert, der Rezepttext benennt die Zutat aber eindeutig.
Ein Grillrost oder Gitter über der Feuerglut, auf dem die halben Eierschalen wie kleine Pfännchen stehen bleiben.
Wörtlich 'wie in der Schale' - gemeint ist: so viel Butter, wie eben in die halbe Eierschale passt.
Die Butter soll beim Servieren noch bei den Eiern sein, nicht schon abgetropft oder ausgelaufen.
Vokalvariante zu „gefunden" (o statt u) - eine bei diesem Schreiber öfter auftretende harmlose Lautschreibung.
Vermutlich eine Schreibvariante von „sied-"/„seud-" (sieden), nicht von „isset" (isst) - dieselbe Zeitformel kommt im Buch noch zweimal wörtlich mit dem Verb „sieden" vor (saw-031, saw-163).
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| Ostergi | chicken egg Q15260613 |
| saltzts | table salt Q11254 |
| pfefferts | pepper Q3143131 |
| pútter | butter Q34172 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
jset
Gewählte Lesart: siedet (sied-/seud-) - die Zeitformel „als ainer ain bar air jset" bedeutet „so lange, wie man ein paar Eier siedet". Dieselbe Formel kommt im Buch noch zweimal wörtlich mit dem Verb „sieden" vor (saw-031: „lasß es sieden vngeferlich wie ain lind bar air"; saw-163 zweimal: „als lang man ain bar air seúdt" / „als man ain hert bar air seúdt").
Andere mögliche Lesart:
Garzustand des Eies
Gewählte Lesart: Vollständig gestockt/fest garen - der Text nennt an dieser Stelle keinen Garzustand, nur die Zeitformel; für die Nachkoch-Praxis ist die eindeutige, sichere Variante die sinnvolle Vorgabe.
Andere mögliche Lesart:
Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.
Stand dieser Fassung: 02.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.