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Weinfässer mit Weihrauch konservieren

Hie vahet an alle artzenie von dem wine, wie man yme helffen sol, vnd wie man alle gebresten an dem win [bessern sol] · Südwestdeutschland · 1500

RezeptKellerhandwerkLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10
Zubereitungszeit45 Min.PortionenErgibt: 1 vorbereitetes WeinfassBuchWeinbuch im Codex Donaueschingen (~1500)

Wenn du im Herbst oder zu einer anderen Zeit im Jahr Wein in deine Fässer füllen willst, dann wasche die Fässer gründlich mit Salzwasser aus.

Lass sie danach trocken werden.

Anschließend beräuchere sie mit Weihrauch und verschließe den Rauch im Fass, so hält sich der Wein das ganze Jahr und verdirbt nicht.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
saltz wasser Salzwasser - Leitung -
wyroch Weihrauch - Gewürzhandel, Kirchenbedarf, Online-Handel -

Was leistet dieses Kapitel? Kein Speiserezept, sondern eine Kellermeisterei-/Küferei-Anleitung: ein leeres Weinfass wird vorbereitet, bevor im Herbst oder zu anderer Zeit neuer Wein eingefüllt wird, damit dieser sich das ganze Jahr hält. Drei Schritte, alle wörtlich im Transkript: Fass mit Salzwasser auswaschen, trocknen lassen, mit Weihrauch beräuchern und den Rauch im Fass einschließen. Ein Text zur vorbeugenden Gefäßhygiene, keine Getränkeherstellung.

Zur Lesart "drucken werden". Gelesen als "trocken werden" - im Frühneuhochdeutschen, besonders im südwestdeutschen Raum, wechseln t und d in der Schreibung häufig, der Korpus führt "drucken/trocken" als ein Lemma mit über hundert Belegen vor 1500. Gestützt wird diese Lesart zusätzlich durch die Parallele bei Hirnkofen (siehe unten), wo dasselbe Trocknen vor dem Beräuchern ausdrücklich benannt ist.

Vergleich mit Hirnkofen 1478. Hirnkofens Traktat beschreibt in Abschnitt 23.2 fast dieselbe Dreischritt-Folge: Gefäße werden mit Salzwasser gewaschen und gereinigt, getrocknet, dann sorgfältig mit Weihrauch und Myrrhe beräuchert. Unterschiede: Hirnkofen nennt Weihrauch und Myrrhe, wbd-017 nur Weihrauch; Hirnkofen behandelt Gärbottiche zur Traubenlese, wbd-017 Lagerfässer für fertigen Wein; und wbd-017 ergänzt einen eigenen Schritt, der bei Hirnkofen an dieser Stelle nicht steht - das gezielte Einschließen des Rauchs im Fass. Eine 22 Jahre ältere, unabhängige Bezeugung derselben Grundtechnik, keine Kopie.

Praxis. Das Fass wird mit Salzwasser gewaschen, getrocknet, mit Weihrauchrauch beräuchert, der Rauch anschließend im Fass verschlossen. Der Text verspricht, das halte den Wein das ganze Jahr ohne Verderb - eine starke Wirksamkeitsbehauptung ohne erwähnte Wiederholung, ohne Abstich oder Nachfüllen. Weihrauchharz enthält aromatische ätherische Öle mit einer gewissen antimikrobiellen Wirkung, deutlich schwächer und weniger zuverlässig als das in der Kellerwirtschaft ebenfalls gebräuchliche Schwefeln mit Schwefel (SO2), das denselben Zweck verfolgt. Die Zuversicht des Textes ist damit eher optimistisch als durch die Mittel gedeckt - typisch für das Genre, auch Hirnkofen verspricht seinen Mitteln Ähnliches.

Wo bekomme ich Weihrauch für dieses Rezept?

Weihrauchharz gibt es im Gewürzhandel, im Kirchenbedarf oder online. Es ist kein Supermarkt-Standardartikel, aber leicht über spezialisierte Händler zu beziehen.

Was bedeutet "bereichen mit Weihrauch" - wozu diente das Ausräuchern der Fässer?

Gemeint ist das Beräuchern des leeren, gewaschenen Fasses mit Weihrauchrauch, der anschließend im Fass eingeschlossen wird. Der Rauch sollte das Holz reinigen und den Wein vor Verderb schützen - ätherische Öle im Weihrauchharz wirken tatsächlich in gewissem Maß antimikrobiell, vergleichbar in der Zielsetzung mit dem in der Kellerwirtschaft ebenfalls gebräuchlichen Schwefeln mit Schwefel (SO2), wenn auch schwächer.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Weinbuch im Codex Donaueschingen (um 1500 - nach Ankenbrand zwischen 1484 und 1509, Südwestdeutschland). 118 durchnummerierte Kapitel zur Kellermeisterei: Traubenlese, Treten, Fassbereitung, Gärung, Verderbniszeichen, Wiederherstellung verdorbenen Weins, Abziehen, Farbe und Geschmack ändern, Essigherstellung, Bierbewahrung. Nach Ankenbrand Teile aus Gottfried von Frankens Pelzbuch mit zahlreichen Erweiterungen; die Zusätze gelten als wertvolle Ergänzungen zur Kenntnis der spätmittelalterlichen südwestdeutschen Kellermeisterei. Systematischer Parallelbestand zu Hirnkofen 1478.

17. Wie du faße bereiten solt. Ouch wann du in dem herbest oder ander zit in dem jare wine in din faße gießen wilt, so soltu din vaße wol waschen mit saltz wasser. Vnd laß sie drucken werden. Darnach soltu sie bereichen mit wyroch vnd verstopffe den rauch in dem vaße, so behaltet sich der win daz gantz iar, daz er sich nit verstößet.
vaße

Frühneuhochdeutsches Wort für Fässer/Gefäße (geht auf mhd. "vaz" zurück), hier konkret Weinfässer aus Holz.

wyroch

Weihrauch, das aromatische Harz, das beim Verbrennen stark riechenden, konservierenden Rauch erzeugt.

bereichen

Beräuchern, ausräuchern - hier das gezielte Einbringen von Rauch in das leere Fass zur Reinigung und Konservierung.

verstopffe

Verschließen, zustopfen - der Rauch wird im Fass eingeschlossen, damit er wirken kann.

Handschrift
Hie vahet an alle artzenie von dem wine, wie man yme helffen sol, vnd wie man alle gebresten an dem win [bessern sol]
Folio
Fol. 183v
Sprache
Frühneuhochdeutsch (südrheinfränkisch, um 1500)
Entstehung
Südwestdeutschland, 1500

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartdrucken werden

Gewählte Lesart: Als 'trocken werden' gelesen (die Fässer sollen nach dem Waschen trocknen) - im Frühneuhochdeutschen, besonders im südwestdeutschen Raum, wechseln t und d in der Schreibung häufig.

Andere mögliche Lesart:

  • Als 'drücken' im Sinne von pressen/zusammendrücken lesen. - Die Wörterbuch-Belege zu 'drücken' liegen näher an der Schreibung, aber inhaltlich ergibt 'die Fässer sollen sich pressen' nach dem Waschen keinen Sinn - Trocknen vor dem Ausräuchern ist die einzig sinnvolle Lesart.

Originalwerk (~1500) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 183v, Badische Landesbibliothek Karlsruhe, Cod. Donaueschingen 787 ("Weinbuch im Codex Donaueschingen", wbd, südrheinfränkisch, um 1500) - Public Domain Mark 1.0
Transkription
Uni Giessen (Gloning) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
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Stand dieser Fassung: 03.08.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.