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Zwetschgen für Kranke, mit Schmalz oder Zuckersirup

Ein Köstlich new Kochbuch Von allerhand Speisen/ an Gemüsen/ Obs/ Fleisch/ Geflügel/ Wildpret/ Fischen vnd Gebachens. Nicht allein vor Gesunde: sondern auch vnd fürnemlich vor Krancke ... auch Schwangere Weiber/ Kindbetterinnen/ vnd alte schwache Leut · Amberg (Oberpfalz) · 1598

RezeptSonstigesLagerkücheLagerküche-tauglichEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10
BuchEin köstlich new Kochbuch (~1598)

Es folgen etliche Sachen von Zwetschken.

Etliche Ärzte wollen, man solle bei Krankheiten die Zwetschken in reinem Wasser sieden und weder Schmalz noch Zucker daran tun. Dann aber sind sie gar unlieblich, und nicht alle Kranken wollen sie essen, oder sie essen sie mit großer Unlust. Weil es dann besser ist, wenn Schmalz oder Zucker daran ist, habe ich es so gemacht:

Ich habe ein klein wenig Schmalz heiß gemacht, und zwar allezeit von gutem Butterschmalz, das frisch eingesotten ist, damit man es nicht allzu heiß machen muss. Das habe ich, sobald die Zwetschken zu sieden angefangen hatten, ins Aufwallen geschüttet und sie fertig sieden lassen, wie es recht ist.

Hat es aber der Kranke auch gern süß gegessen, und den Zucker, so habe ich einen Zucker mit gutem Rosenwasser, von fleischfarbenen Rosen destilliert, wie einen Julep gesotten, wo er nicht schon vorher zur Hand war. Davon habe ich daran wie auch an andere Speisen und Müslein gebraucht. Oder einen Veilchensirup: Den schmeckt man nicht so gut wie diesen, und es macht keinen Schleim oder Galle, wie etliche meinen.

Man kann den Zucker aber auch so mit einem klaren Brunnenwasser sieden. Auch kann man zwei oder drei Petersilienwurzeln in einem Wasser sieden, das dann mit Zucker wie einen Sirup sieden und danach zur Speise gebrauchen, wo man den Zucker so ganz verbietet.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Zwetſchken Zwetschken - - -
ein klein wenig ſchmaltz Ein klein wenig Butterschmalz, frisch eingesotten - - -
Zucker Zucker - - -
gutem Roſen waſſer Gutes Rosenwasser - - Veilchensirup statt des Juleps
ein Peterleinwurtzel zween oder drey Zwei oder drei Petersilienwurzeln - - -

Praxis. Mengen und Zeiten nennt der Text nicht. Als Ausgangspunkt: Zwetschken knapp mit Wasser bedeckt aufsetzen; sobald sie zu sieden beginnen, etwa einen Löffel heißes Schmalz auf eine Handvoll Früchte hineingießen und weich sieden. Butterschmalz passt (siehe Erläuterung).

Für die süße Form statt des Schmalzes einen Julep: Zucker in wenig Rosenwasser oder Brunnenwasser aufkochen, bis er sirupartig ist, und nach Geschmack an die Zwetschken geben. Das Verhältnis ist ein moderner Vorschlag; Wecker nennt keines.

Sind frische oder gedörrte Zwetschken gemeint?

Der Text sagt es nicht. Beides lässt sich so sieden. Im Nachbarrezept derselben Gruppe (wec-318) stehen Zwetschken neben Rosinen und Zibeben, also neben getrockneten Früchten, was eher für gedörrte spricht.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein köstlich new Kochbuch“ (Amberg - Oberpfalz). Erstes gedrucktes deutschsprachiges Kochbuch einer Frau: Anna Wecker, Witwe eines Colmarer Stadtarztes, schrieb es 1596 vor allem als Kost für Kranke, Schwangere, Wöchnerinnen und alte Leute. 483 Rezepte in vier Teilen (Mandel/Gerste/Gemüse, Obst, Fleisch, Fisch/Sülzen/Soßen), süß und mandelbetont, mit diätetischen Hinweisen zu einzelnen Krankheiten. Erstausgabe 1597, transkribiert ist die zweite Auflage Amberg 1598.

Folgen etliche Sachen von Zwetſchken. ES wollen etliche Artzte, man ſolle zu Kranckheiten die Zwetſchken in lauterm Waſſer ſieden, vnd kein ſchmaltz noch Zucker daran thun, dann aber ſind ſie gar vnlieblich vnnd wollens nicht alle Krancke eſſen, oder eſſen die mit groſſem vnluſt: Daß dann beſſer iſt, dann were ein Schmaltz oder Zucker daran, ſo hab ich jhm alſo gethan, vnd ein klein wenig ſchmaltz heiß gemacht, vnd das allezeit gar von gutem ſchmaltz, das newlich vnd ſuͤß eingeſotten, damit man es nicht zu uͤber heiß darff machen: Ja das hab ich, ſo bald die Zwetſchken angehaben zu ſieden, inn den Wall geſchuͤttet, vnd laſſen abſieden, wie recht, hats aber der krancke auch gern ſuͤß geſſen, vnd den Zucker, ſo hab ich einen Zucker mit gutem Roſen waſſer von leibfarben Roſen gediſtilliert, wie ein Juleb geſotten, wo er nicht vor zur hand, darvon hab ich daran auch alſo an andere Koſt vñ Muͤßlein braucht, oder ein Violſyrup, den ſchmeckt man nicht ſo wol als diſen, vnnd macht kein Schleim oder Gallen, wie etliche wollen. Aber man mag jhn auch alſo mit einem klaren Brunnenwaſſer ſieden, auch mag man ein Peterleinwurtzel zween oder drey in einem Waſſer ſieden, vnd das dann mit Zucker ſieden, wie einem Syrup, vnd darnach zur Koſt brauchen, wo man den Zucker ſo gar verbeut.
ſchmaltz/ das newlich vnd ſuͤß eingeſotten

„Süß“ heißt bei Speisen ungesalzen, „eingesotten“ durch Sieden ausgelassen. Wahrscheinlich ist wie beim „ſuͤß ſchmaltz“ anderer Wecker-Rezepte (wec-026) Butterschmalz gemeint; hier steht „süß“ aber beim Auslassen, nicht als fester Ausdruck.

inn den Wall

Wall ist das Aufwallen, die siedende Flüssigkeit.

Juleb

Julep, nach dem Frühneuhochdeutschen Wörterbuch ein „Mischgetränk aus Honig oder Zucker und Rosenwasser, das als Arzneimittel diente“; Fischer nennt ihn einen Kühltrank. Hier ist es der mit Rosenwasser gesottene Zucker.

leibfarben Roſen

Leibfarben heißt fleischfarben, hautfarben bis rosa (Goetze, Fischer).

Schleim oder Gallen

Schleim und Galle galten in der Säftelehre als zwei der vier Körpersäfte, deren Überschuss krank machen sollte. Der Satz weist die Meinung mancher zurück, dies erzeuge davon zu viel.

Druck
Ein Köstlich new Kochbuch Von allerhand Speisen/ an Gemüsen/ Obs/ Fleisch/ Geflügel/ Wildpret/ Fischen vnd Gebachens. Nicht allein vor Gesunde: sondern auch vnd fürnemlich vor Krancke ... auch Schwangere Weiber/ Kindbetterinnen/ vnd alte schwache Leut
Teil
Zweiter Teil: Von allerlei gedörrtem und frischem Obst
Sprache
Frühneuhochdeutsch (oberdeutsche Druckersprache, Amberg/Oberpfalz 1597/98; Schreibung ohne ai-/kh-Formen, Küchenwortschatz oberdeutsch: Hafen, Zwetschken, Semmel, Diminutiv -lein; Verfasserin lebte in Colmar und Altdorf bei Nürnberg)
Entstehung
Amberg (Oberpfalz), 1598

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Zwetſchkenzwetschge Q20220348
Zuckerunrefined cane sugar Q57656231
gutem Roſen waſſerrose water Q900450
ein Peterleinwurtzel zween oder dreyparsley root Q68220931

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartden ſchmeckt man nicht ſo wol als diſen

Gewählte Lesart: Der Veilchensirup tritt im Geschmack weniger hervor als der Rosen-Julep; „schmecken“ im Sinn von herausschmecken, „wol“ = gut. Der Lesetext bleibt wörtlich.

Andere mögliche Lesart:

  • Der Veilchensirup schmeckt weniger gut als der Rosen-Julep. - „nicht so wohl schmecken“ kann auch ein Geschmacksurteil sein; der Satz entscheidet es nicht.

Originalwerk (~1598) gemeinfrei.

Bildquelle
S. 151, Bayerische Staatsbibliothek München, Res/Oecon. 2174 b Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Kernkorpus, Double-Keying Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/wec-317
LagerkücheLagerküche
Zwetschken, Schmalz, Zucker und Rosenwasser brauchen keine Kühlung; gesotten wird in einem Topf am Feuer.
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Stand dieser Fassung: 24.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.