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Gebackener Hecht im Teigmantel

Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz –, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187 · Bairischer Sprachraum, Entstehungsort unbekannt (Datierung 1438/39-Mitte 15. Jh. über Hartliebs "Namenmantik", nach Honold); später im Besitz der Grafen Starhemberg von Riedegg (Oberösterreich) · 1450

FischHauptspeise · FischLesartViel InterpretationsspielraumAufwändigKorrekturBearbeitungsstand 9.4/10
Zubereitungszeit30 Min.Portionen4-6 PersonenBuchBerlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz –, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187 (~1450)

Schuppe den Hecht und zerteile ihn in Stücke. Hacke Petersilie und Salbei, dazu Pfeffer, Ingwer, Kubebenpfeffer, Safran, Salz und Wein oder Essig.

Kleide einen Topf vollständig mit Teig aus. Lege den Fisch mit den Gewürzen hinein. Verschließe den Topf oben vollständig mit Teig. Backe ihn in einem Ofen so lange, wie ein Roggenbrot zum Garen benötigt.

Serviere es dann. Auf diese Weise kannst du auch Forellen, Lachs, Aal und andere Fische zubereiten.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Schuppenhecht Hecht - Fischhändler Zander oder Karpfen
petersil Petersilie - - -
Saluay Salbei - - -
pheffer Pfeffer - - -
Ingwer Ingwer - - -
kwmb Kubebenpfeffer - Online-Gewürzhandel Langer Pfeffer oder schwarzer Pfeffer
Saffran Safran - gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel -
salcz Salz - - -
wein Wein - - Essig
taig Teig - Bäcker oder selbstgemacht -

Welches Gericht ist das? Ein Hecht im Teigmantel: Fisch und Gewürze werden in einen aus Brotteig geformten, rundum verschlossenen „Topf“ gelegt und darin im Ofen gegart. Der Teig ist reine Garhülle, kein Verzehrbestandteil. Die nächste lebende Verwandte ist der Fisch en croute beziehungsweise in der Salzteigkruste: eine formbare Hülle wird luftdicht um das Gargut geschlossen und dient als Dampf- und Wärmekammer. Die Grundidee - ein Gefäß aus Teig statt aus Ton oder Metall - ist außerdem ein Vorläufer dessen, was heute ein Römertopf oder ein Bratschlauch übernimmt: geschlossenes Garen ohne direkten Ofenkontakt.

Der Teigtopf. „Mach ein topph vollen mit taig“ heißt trotz des Wortlauts nicht, den Topf mit Teig zu füllen, sondern ihn vollständig mit Teig auszukleiden, sodass innen ein Hohlraum für den Fisch bleibt. Das ergibt sich aus dem Folgesatz „tue darin den Fisch“ - ein bereits vollgefüllter Topf hätte dafür keinen Platz - und aus der Parallelformulierung „mach es oben ganz mit Teig“ für den Deckel, die ebenfalls eine Verschluss-, keine Füllanweisung ist. Der versiegelte Teigmantel wirkt wie eine frühe Salzteig- oder Coffin-Kruste: Er isoliert den Fisch vom trockenen Ofenklima und lässt ihn eher im eigenen Dampf, unterstützt von der Feuchtigkeit aus Wein oder Essig, garen als austrocknen.

Was der Text ausspart. Erwähnt wird nur das Schuppen des Hechts, nicht das Ausnehmen. Das dürfte als selbstverständlicher Vorbereitungsschritt vorausgesetzt und deshalb nicht eigens genannt worden sein.

Praxis. Hecht schuppen und ausnehmen, in Stücke teilen. Petersilie und Salbei hacken, mit Pfeffer, Ingwer, Kubebenpfeffer, Safran, Salz und Wein oder Essig zum Fisch geben. Eine feuerfeste Form rundum mit festem Brotteig auskleiden, Fisch und Gewürze hineinlegen, den Teig oben verschließen. Beim Backen nicht blind die volle Backzeit eines Roggenbrots (60 bis 90 Minuten) durchhalten: Fischfleisch gart in einem Bruchteil dieser Zeit. Nach etwa 30 bis 40 Minuten prüfen, ob der Fisch gar ist, und die Teighülle bei Bedarf danach getrennt fertig backen, damit sie durch ist, ohne dass der Fisch innen austrocknet. Ebenso mit Forelle, Lachs, Aal oder anderem Fisch zubereitbar.

Was ist ein 'Schuppenhecht'?

Der Begriff ‚Schuppenhecht‘ ist hier als Handlungsanweisung zu verstehen: ‚Schuppe den Hecht‘. Es bedeutet, die Schuppen des Fisches vor der Zubereitung zu entfernen, nicht dass die Schuppen selbst eine Zutat sind.

Wo bekomme ich Kubebenpfeffer?

Kubebenpfeffer ist in gut sortierten Gewürzläden oder online erhältlich. Als geschmackliche Alternative kannst du auch langen Pfeffer oder eine Mischung aus schwarzem Pfeffer und einer Prise Piment verwenden.

Wie backe ich den Fisch in einem 'topph vollen mit taig'?

Forme aus einem festen Brotteig einen Topf, indem du den Boden und die Seiten einer feuerfesten Form damit auskleidest. Lege den gewürzten Fisch hinein und verschließe den Teigtopf vollständig mit einem Teigdeckel. Backe dies dann im Ofen - prüfe den Fisch aber schon nach 30 bis 40 Minuten, da Fischfleisch deutlich schneller gart als der Teigmantel durchbäckt. Der Teig schützt den Fisch vor dem Austrocknen und verleiht ihm ein besonderes Aroma.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Eingeschränkt: Das Rezept braucht einen Ofen mit langer, gleichmäßiger Hitze für den Teigmantel. Am Lagerfeuer nur mit einem gut kontrollierbaren Dutch Oven oder Feldbackofen und viel Erfahrung machbar - für den ersten Versuch besser zuhause im Backofen.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz –, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187 (Mitte 15. Jh.). CoReMA-Handschrift B4 (Berlin, Staatsbibliothek, Ms. germ. qu. 1187): bairisches Kochbuch der Mitte des 15. Jahrhunderts, 112 Blatt Papier. Enthält u.a. ein Paar-Rezept für "grünen Met" und ein Grundrezept "Wie du mett solt machen" (Honig-Wasser-Ansatz mit Hopfen und Hefe-Nachgärung) - textlich eng verwandt mit W1 (Wien, Cod. 2897), das dieselben zwei Met-Rezepte fast wortgleich überliefert.

Von dem hecht SChuppenhecht vnd haw sy zu Stukchen hakch petersil Saluay pheffer Ingwer kwmb Saffran salcz wein Oder essech mach ein topph vollen mit taig vnd tue darIn den visch mit den Condimenten mach es oben gancz mit taig pach es In ainem offen als lang als ein rokchein prott vnd gib es hin Also magstu machen die Vorchen den Lachs . den al . vnd ander visch
Schuppenhecht

Hier ist ‚Schuppen‘ als Verb zu verstehen, nicht als Teil des Fisches. Es bedeutet ‚den Hecht schuppen‘, also die Schuppen entfernen.

kwmb

‚Kwmb‘ ist eine frühneuhochdeutsche Schreibweise für Kubebenpfeffer (Piper cubeba), ein pfefferartiges Gewürz mit einer leicht bitteren, eukalyptusartigen Note, das im Mittelalter sehr beliebt war. Die für B4 einschlägige CoReMA-Glosse bestätigt diese Lesart; in den Parallelhandschriften (etwa w1-021) steht an derselben Stelle dagegen ein eigenständiges Kümmel-Wort - beide Lesarten sind für ihr jeweiliges Manuskript belegt, keine Verwechslung.

topph vollen mit taig

Dies beschreibt die Technik, einen Topf vollständig mit Brotteig auszukleiden und zu verschließen, um darin den Fisch zu garen. Der Teig dient als Schutzhülle und Aromageber, ähnlich einem modernen Salzteig- oder Blätterteigmantel.

Condimenten

Bezieht sich auf die zuvor genannte Gewürzmischung aus Petersilie, Salbei, Pfeffer, Ingwer, Kubebenpfeffer, Safran, Salz und Wein/Essig. Die rezeptspezifische CoReMA-Glosse übersetzt den Begriff hier wörtlich mit ‚sauce‘ - mit Wein oder Essig angerührt, hat die Mischung eher den Charakter eines dünnflüssigen Würzsuds als eines trockenen Gewürzpulvers.

rokchein prott

‚Roggenbrot‘ dient hier als Zeitmaß für die Backdauer. Die genaue Backzeit hängt von der Größe des Brotes und des Ofens ab, aber es deutet auf eine längere Garzeit bei mittlerer Hitze hin, typischerweise 60 bis 90 Minuten.

Handschrift
Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz –, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187
Folio
Fol. 075v
Sprache
Frühneuhochdeutsch (bairisch)
Entstehung
Bairischer Sprachraum, Entstehungsort unbekannt (Datierung 1438/39-Mitte 15. Jh. über Hartliebs "Namenmantik", nach Honold); später im Besitz der Grafen Starhemberg von Riedegg (Oberösterreich), 1450
CoReMA

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Schuppenhechtnorthern pike Q83363026
petersilparsley Q25284
Saluaycommon sage Q1111359
phefferpepper Q3143131
Ingwerginger Q15046077
kwmbcubeb Q161927
Saffransaffron Q25434
salcztable salt Q11254
weinwine Q282
taigdough Q178024

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartSchuppenhecht

Gewählte Lesart: Die Formulierung ‚Schuppenhecht‘ wurde als Imperativ ‚Schuppe den Hecht‘ übersetzt, da es sich um eine Vorbereitungsanweisung handelt, nicht um eine Zutat (Fischschuppen sind kein übliches Lebensmittel in diesem Kontext).

Andere mögliche Lesart:

  • Fischschuppen vom Hecht als Zutat - Obwohl ‚Schuppen‘ auch ein Substantiv sein kann, wäre die Verwendung von Fischschuppen als Zutat in einem gebackenen Gericht kulinarisch unplausibel und ist in vergleichbaren Rezepten nicht belegt.

Lesartkwmb

Gewählte Lesart: Basierend auf der für B4 einschlägigen CoReMA-Glosse und dem Kontext der Gewürzliste wurde ‚kwmb‘ als Kubebenpfeffer (Piper cubeba) übersetzt.

Andere mögliche Lesart:

  • Kümmel - Die Parallelhandschriften w1-021 (‚chuam‘), mon-103 (‚chum‘) und mha-151 (‚kuemich‘) lesen an derselben Position übereinstimmend eine Kümmel-Form. Für B4 selbst ist ‚kwmb‘ jedoch als eigenständiges, glossiertes Wort belegt - keine Verschreibung, sondern eine manuskriptspezifisch andere Lesart derselben Rezeptstelle.

Lesarttopph vollen mit taig

Gewählte Lesart: Diese Phrase wurde als ‚einen Topf vollständig mit Brotteig auskleiden‘ interpretiert, was die Technik eines Teigtopfes beschreibt, in dem der Fisch gebacken wird.

Andere mögliche Lesart:

  • Einen Topf voll Teig - Die wörtliche Lesart ‚einen Topf voll Teig‘ würde bedeuten, dass der Topf bereits mit Teig gefüllt ist, was im Kontext der nachfolgenden Anweisung ‚tue darIn den visch‘ unlogisch wäre, da der Fisch dann in den Teig gelegt werden müsste, anstatt dass der Teig den Fisch umhüllt.

LesartCondimenten

Gewählte Lesart: Übersetzt als die zuvor genannte Kräuter-Gewürz-Mischung, die zusammen mit dem Fisch in den Teigtopf gegeben wird.

Andere mögliche Lesart:

  • Sauce - Die für dieses Rezept einschlägige CoReMA-Sachglosse übersetzt ‚Condimenten‘ wörtlich mit ‚sauce‘. Da die Mischung mit Wein oder Essig angerührt wird, ist auch die Lesart als dünnflüssiger Würzsud statt als trockene Gewürzmischung plausibel - beide Lesarten beschreiben dieselbe Substanz, unterscheiden sich nur in der Konsistenz-Vorstellung.

LesartAusnehmen des Hechts

Gewählte Lesart: Der Text erwähnt nur das Schuppen des Hechts, nicht ausdrücklich das Ausnehmen der Eingeweide.

Andere mögliche Lesart:

  • Ausnehmen als selbstverständlich vorausgesetzt - Für die moderne Zubereitung wird trotzdem empfohlen, den Fisch auszunehmen, auch wenn der Wortlaut es nicht verlangt - wahrscheinlich wurde dieser Schritt als so grundlegend angesehen, dass er nicht eigens genannt wurde.

LesartBackdauer im Teigmantel

Gewählte Lesart: Der Text nennt als Zeitmaß ausdrücklich die volle Backdauer eines Roggenbrots (etwa 60 bis 90 Minuten).

Andere mögliche Lesart:

  • Kürzere Garzeit für das Fischfleisch - Fischfleisch gart in der Praxis deutlich schneller, als Brotteig durchbäckt. Die moderne Umsetzung prüft daher schon nach 30 bis 40 Minuten, ob der Fisch gar ist, statt stur die volle Brotbackzeit abzuwarten.

Originalwerk (~1450) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 075v, Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz -, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187; bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), B4 (Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz -, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187), CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Erfordert einen Ofen mit konstanter, moderater Hitze über eine lange Backdauer (Vergleichsgröße: Roggenbrot, 60-90 Minuten). Am offenen Feuer nur mit einem gut kontrollierbaren Dutch Oven oder Feldbackofen und viel Erfahrung machbar.
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Stand dieser Fassung: 15.08.2026 - 2-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.